Die österreichische Wirtschaft ist stark von Familienunternehmen geprägt. 198.800 Betriebe beschäftigen knapp 2,2 Millionen Menschen und erwirtschaften Umsätze von rund 570 Milliarden Euro. Doch angesichts globaler Krisen und technologischer Umbrüche stehen sie vor grundlegenden Herausforderungen und beginnen gleichzeitig, diese als Chance zu nutzen. Sie erkennen, dass wahre Resilienz nur mit strategischer Öffnung gelingt, und sehen im technologischen Fortschritt enormes Wachstumspotenzial. Das zeigt die 12. Global Family Business Survey von PwC.
Unternehmen starten strategische Neuausrichtung
Die Bilanzen der deutschsprachigen Familienunternehmen zeichnen ein gemischtes Bild. Fast jedes dritte Unternehmen (30 Prozent) musste 2025 Umsatzeinbußen verkraften, doppelt so viele wie im globalen Durchschnitt (15 Prozent). Gleichzeitig geben 41 Prozent ein Umsatzwachstum an, global sind es 57 Prozent. Entsprechend realistisch sind die Erwartungen an die kommenden zwei Jahre: Knapp 60 Prozent rechnen mit einem Wachstum (global 73 Prozent). Als größte Herausforderung im letzten Jahr wurde der immense Wettbewerbsdruck (74 Prozent), Talententwicklung (55 Prozent) und hohe Regulierung (34 Prozent) genannt. Auch zukünftig bleibt der Fachkräftemangel für 61 Prozent der deutschsprachigen Familienunternehmen ein großes Problem – ein Bereich, in dem Kooperationen und Netzwerke Abhilfe schaffen können.
„Die traditionellen Stärken von Familienunternehmen – Stabilität und Langfristigkeit – werden auf eine harte Probe gestellt. Die Zahlen zeigen aber auch, dass Unternehmen, die nicht länger allein auf das bisherige Kerngeschäft setzen, gestärkt herauskommen können“, so Rudolf Krickl, CEO und Family Business Leader von PwC Österreich. „Der Druck kommt von allen Seiten und zwingt die Unternehmen, neue Strategien zu entwickeln.“
Agilität und Entscheidungsgeschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil
Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum verfügen über klare Wettbewerbsvorteile: Allen voran ihre langfristige Perspektive und Beständigkeit (74 Prozent), eine starke Mitarbeiterloyalität (72 Prozent) sowie ein stabiles Wertegerüst (65 Prozent). Hinzu kommt eine hohe Agilität, die sich besonders in schnellen Entscheidungen (73 Prozent) und rascher operativer Anpassungsfähigkeit (69 Prozent) zeigt. Um diese Stärken zu bewahren, braucht es gezielt eingesetzte technologische Innovationen. Familienunternehmer im DACH-Raum sind hier ambitioniert: 73 Prozent sehen technologischen Fortschritt und 71 Prozent Automatisierung als zentrale Hebel – deutlich über dem globalen Durchschnitt von 65 Prozent bzw. 64 Prozent. Doch zwischen Ambition und Realität klafft eine Lücke: Nur 24 Prozent der Befragten bezeichnen sich als „Early Adopter“ neuer Technologien. Um diese zu schließen, sind gezielte Investitionen in digitale Kompetenzen, KI-Anwendungen und Schulungen der Belegschaft gefragt, damit auch Angst und Vorbehalte abgebaut werden.
Resilienz durch Öffnung: Neue Köpfe für harte Zeiten
Die Studie zeigt, dass sich das Verständnis von Resilienz wandelt. Statt auf Abschottung setzen erfolgreiche Unternehmen auf gezielte Öffnung für externes Know-how. So planen 39 Prozent der Befragten aus dem DACH-Raum die Geschäftsführung um externe Expert:innen zu erweitern und 35 Prozent wollen ihre Kontrollgremien für mehr Diversität anpassen, um unterschiedliche Perspektiven auf Themen wie Arbeitskultur, Nachhaltigkeit oder KI zu nutzen. Darüber hinaus können Familienunternehmen verstärkt von Kooperationen mit Startups, anderen Familienunternehmen und Forschungseinrichtungen profitieren. Ebenso wichtig ist ein vorausschauender Nachfolgeplan: Während 53 Prozent am Zeitplan festhalten, hat ein Drittel (34 Prozent) der Unternehmen keinen klaren Nachfolgeplan. Gleichzeitig geben 44 Prozent an, dass immer weniger der jungen Generation bereit ist, den Chefsessel zu übernehmen.
Für die kommenden fünf Jahre sind die Prioritäten klar: An oberster Stelle stehen der Aufbau langfristiger Resilienz (90 Prozent), die Steigerung der finanziellen Leistungsfähigkeit (82 Prozent) und die Förderung digitaler Transformation (82 Prozent).
„Der Wille ist da, entscheidend wird jetzt aber die Umsetzung sein. Die Botschaft an die Unternehmen lautet: Tempo aufnehmen, sich für neue Wege öffnen und die nächste Generation aktiv einbinden. Denn nur wer Geschwindigkeit, Offenheit und Innovationskraft vereint, kann in einer komplexen Welt als Vorreiter bestehen und die Zukunft seines Unternehmens langfristig sichern“, so Rudolf Krickl abschließend.














