Untersucht wurden von Fraunhofer Austria die Auswirkungen von Anschaffung, Nutzungsart und Entsorgung auf die Kostenbelastung jeder:s Einzelnen und auf den ökologischen Impact für unsere Umwelt. Das Ergebnis: Die Art, wie wir unsere Produkte nutzen, hat insgesamt den größten Einfluss auf die (direkt und indirekt) entstehenden Kosten und Emissionen. Ein im Kreislauf geführtes Produkt verursacht für den/die Besitzer:in nur ein Viertel der Kosten eines linear behandelten Produktes. Der/die Durchschnittsnutzer:in kann rund 25 Prozent der Handy-Kosten allein durch Verhaltensänderung reduzieren. Damit halten Konsument:innen vor allem durch die Nutzungsdauer und das Trade-In einen größeren Preishebel in der Hand als bisher angenommen. Als Basis für die Berechnung aller drei Szenarien diente ein durchschnittliches Smartphone mit einem Neupreis von EUR 575,-.
Hier die Ergebnisse der drei Vergleichsszenarien im Überblick:
Szenario A: Das Smartphone in der Kreislaufwirtschaft
Ein im Kreislauf geführtes Standard-Produkt wird einmal neu produziert und gekauft, rund drei Jahre genutzt, danach im Zuge eines Trade-In-Programmes refurbished, wechselt den/die Besitzer:in und wird nach weiteren drei Jahren dem fachgerechten Recycling zugeführt. Im Berechnungszeitraum von sechs Jahren verantworten diese Geräte:
- Gesamtkosten von EUR 959,- (= Anschaffungskosten EUR 876,- plus Umweltkosten durch CO2-Ausstoß EUR 83,-). Das entspricht einer jährlichen Kostenbelastung von ca. EUR 160,-
- Einen CO2-Ausstoß von 83 kg (inkl. Energiebedarf für Laden und Nutzung)
- Einen Verbrauch von 38 g kritischer Rohstoffe (CRM), wie Kobalt, Kupfer, Magnesium, Palladium, etc.
Im Vergleich dazu wurden in Szenario B Kosten und Impact der europäischen Durchschnittsnutzung berechnet:
Szenario B: Das durchschnittliche Produkt eines:r Österreicher:in
Der in Europa gängige Werdegang eines Smartphones sieht so aus: Das Produkt wird produziert, drei Jahre genutzt, danach in einer Schublade liegengelassen, wo es kritische Ressourcen bindet, und irgendwann landet es im Restmüll. Für den Berechnungszeitraum von sechs Jahren verursacht dieser Umgang:
- Gesamtkosten von EUR 1.294,- (= Anschaffungskosten EUR 1.150,- plus Umweltkosten durch CO2-Ausstoß EUR 144,-), also eine jährliche Kostenbelastung von ca. EUR 215,-
- Einem CO2-Ausstoß von 161 kg
- Einen Verbrauch von 115 g kritischer Rohstoffe
Erkenntnis: Im Vergleich zum Kreislaufwirtschafts-Smartphone erzeugt das Durchschnittsprodukt knapp 35 Prozent höhere Kosten für den/die Nutzer:in, doppelt so viel CO2 und verbraucht beinahe dreimal so viel kritische Rohstoffe, die unter prekären Verhältnissen abgebaut und teuer importiert werden müssen.
Als dritter Vergleichswert wurde ein Smartphone der Linearwirtschaft berechnet:
Szenario C: Das Produkt der linearen Konsumgesellschaft
Berechnet wurde hier folgendes Modell: Das Produkt wird produziert und jedes Jahr durch ein neues Modell ersetzt. Nicht mehr benötigt, wandert es in die Schublade, bevor es irgendwann im illegalen Recycling im Globalen Süden landet. Ein solcher Umgang verursacht im Berechnungszeitraum:
- Gesamtkosten von EUR 3.834,- (= Anschaffungskosten EUR 3.450,- plus Umweltkosten durch CO2-Ausstoß EUR 384,-). Das entspricht einer jährlichen Kostenbelastung von EUR 639,- und verursacht 4x so hohe Kosten, wie ein zirkuläres Produkt (A) bzw. 3x so hohe Kosten wie das Durchschnittsprodukt (B).
- Einen CO2-Ausstoß von 684 kg – also 8x so viel CO2 wie bei einem zirkulär geführten Produkt
- Es verbraucht 346 g kritische Rohstoffe – das ist das 9‑fache (!) von einem im Kreislauf geführten Produkt
Ergebnis auf Produktebene statt auf Verbraucherebene
„Es war uns wichtig, die Ergebnisse auf Produktebene zu berechnen und nicht für einzelne Personengruppen, um ein unnötiges Konsument:innen-Bashing zu verhindern“, so Studienautor Paul Rudorf von Fraunhofer Austria. „Durch die produktbezogene Untersuchung wird ersichtlich, dass grundsätzlich JEDES Produkt erst einmal produziert werden muss und damit Kosten und Impact verbunden sind. Was allerdings nach der Produktion mit diesem Gerät passiert, macht den entscheidenden Unterschied. Unsere Zahlen zeigen, dass die Art und Dauer der Nutzung, sowie die Entsorgung des Produktes einen signifikant höheren Einfluss auf die Kostenbelastung der Konsument:innen und auf unsere Umwelt haben. Dennoch sei hier zu betonen, dass bei der Betrachtung der Entsorgung derzeit ausschließlich direkte Umweltkosten eingepreist werden konnten. Die Umweltfolgekosten, die für uns alle zum Beispiel durch illegale Entsorgung in Drittstaaten entstehen, sind hier nicht eingerechnet, da sich anhand der derzeitigen Datenlage diese Komplexität (noch) nicht seriös beziffern lässt“, so Rudorf über die Ergebnisse und die wissenschaftlichen Grenzen.
Bedeutung für Konsument:innen und Europas Wirtschaft
„In einer Zeit, in der wir alle deutlich die negativen Folgen unserer wirtschaftlichen Ressourcen-Abhängigkeit erleben und aktuelle Studien zur österreichischen Kreislaufwirtschaft verdeutlichen, wie ressourcen-arm unser Kontinent ist, wird es für uns sowohl zum wirtschaftlichen als auch zum persönlichen Kostenfaktor, zirkulär zu agieren“, so Auftraggeber Peter Windischhofer über die Ergebnisse. „Die vorliegenden Daten machen klar, wie viel Einsparpotenzial jeder durch sein Smartphone in der Hand hat: Allein durch unseren Umgang mit dem Smartphone, wie Rückverkauf, Nutzungsdauer oder Entsorgung können pro Produkt in sechs Jahren mindestens EUR 274,- und bis zu EUR 2.574,- gespart werden. Und das sind nur die Werte eines Durchschnittsgerätes – für iPhones wäre dieser Wert bedeutend höher“, so der Co-Founder von refurbed.
Bedeutung für europäische Unternehmen
„Gerade Unternehmen sind mit ihrer linearen Beschaffungspolitik in der Praxis dem Szenario C meist sehr nahe“, so Windischhofer. „Durch die vorliegenden Daten von Fraunhofer Austria kann objektiv deutlich werden, welches Einsparpotenzial Unternehmen haben, die bei der Beschaffung von Firmenhandys und Laptops auf zirkuläre(re) Beschaffung wechseln. In Zeiten, in denen die wirtschaftliche Anspannung allerorts zu spüren ist, haben solche Daten eine besonders hohe Relevanz für den (Unternehmens-)Alltag. Kreislaufwirtschaft hat dabei immer drei positive Kostenaspekte: Die Einsparung durch niedrigere Anschaffungskosten, der Return of Investment durch Trade-in-Programme und die Reduktion der indirekten Kosten (Umweltkosten) durch die Wiederverwendung von kritischen Rohstoffen und Ressourcen.“














