In der Roboter-Welt macht sich ein seltsames Phänomen breit. Humanoide Gebilde tauchen in immer mehr absurden Szenerien und immer mehr ungeahnten Lebensbereichen auf. Daran sind nicht die Humanoiden schuld, sondern der Menschen.
Das jüngste Beispiel dieses Auswuchses einer sich rasch entwickelnden Branche hört auf den Namen „Gabi“. Das steht nicht für die Diminutivform eines weiblichen – in mediterranen Gefilden auch männlichen – Vornamens, sondern bedeute so viel wie „Buddhas Gnade“. Gabi legte als erster humanoider Roboter das buddhistisches Gelübde ab. Die feierliche Zeremonie ging im Jogye-Tempel in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul über die Bühne. Die Bilder von der Mönchsweihe rund um die Welt.
Genau das ist die Crux an der Sache. Gabi wird medial nicht nur durch jedes Dorf getrieben, sondern via Medien längst durch die ganze Welt. Es geht nicht um die Robotik und den rasanten Fortschritt der Roboter-Industrie. Es geht um das Ereignis. Den Gag. Um Aufmerksamkeit.
Gabi ist da schon lange nicht mehr allein. Chinesische Hersteller lassen ihre Roboter zum Frühlingsfest in einer – zugegeben – spektakulären Kung-Fu-Show als Kampfkünstler, Akrobaten und Trommeltruppe oder gar als Panda-Herde auftreten. Der noch etwas ungelenk wirkende „Sparky“ wird als Event-Roboter für interaktive Acts bei Firmenfeiern und damit als Gaudi-Bruder vermarktet. Sogar Melania Trump ließ sich zu einem Dinner u.a. mit Brigitte Macron im Weißen Haus von einem humanoiden Roboter des Typs Figure 03 des US-Hersteller Figure AI begleiten.
„Die Weihe eines Roboters bedeutet, dass Technologie im Einklang mit den Werten Mitgefühl, Weisheit und Verantwortung eingesetzt werden muss, und symbolisiert neue Möglichkeiten für das Zusammenleben von Mensch und Technologie“, ließen die buddhistischen Mönche zur Weihe ihres maschinellen Mitbruders wissen. Doch nach Einschätzung vieler Beobachter handelt es sich bei Gabi´s Mönchs-Zeremoonie um nichts anderes als eine Marketing-Aktion.
Die koreanischen Mönche folgen mit Gabi nur einem allgemeinen Trend im globalen Robotik-Rennen. Die führenden Roboter-Hersteller und ‑Nationen dieser Welt buhlen um Aufmerksamkeit, stellen ihre Leistungen in die Auslage, wollen sich im weltweiten Wettbewerb eine möglichst gute Marktposition sichern.
Die Inszenierung erinnert dabei mitunter an die immer absurder erscheinenden Rekordversuche beim Besteigen des Mount Everest. Dabei steht längst nicht mehr die alpine Pionierleitung im Zentrum, sondern das Spektakel. Je ausgefallener, umso aufmerksamkeitswirksamer.
Immerhin wartet auf die Robotik-Industrie ein gewaltiger, noch wenig ausgeschöpfter Markt. Doch die Branche scheint gerade regelrecht zu explodieren, entwickelt sich rasant weiter. Roboter dringen unaufhaltsam in immer mehr Nischen unseres Alltags vor. Die Humanoiden entwickeln sich zum Begleiter von uns Humans.
Das Rennen ist längst eröffnet. Im Kampf um die Poleposition ist dabei jede Kasperliade willkommen.












