© iab austria

Ursula Gastinger

„Vereinen die Digitalwirtschaft in ihrer gesamten Vielfalt unter einem Dach.”

Ursula Gastinger fungiert seit April als Geschäftsführerin des interactive advertising bureau austria. Im Interview plaudert die Medien- und Digitalexpertin über Ziele, die sie sich gesetzt hat, die Relevanz des iab in Zeiten der Corona-Krise und Neuerungen beim webAD.

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Studie „Werbemarktszenarien Österreich 2025–2030“ analysiert Entwicklung der Gesamtwerbeausgaben bis 2030

Welche Werbekanäle gewinnen bis 2030 in Österreich?

Die neue Studie „Werbemarktszenarien Österreich 2025–2030“ liefert erstmals einen fundierten Ausblick auf die Entwicklung des österreichischen Gesamtwerbemarktes. Auf 57 Seiten analysiert sie die Zukunft von Digital, TV, Print, Radio und Out-of-Home und bietet Werbetreibenden, Agenturen und Medienunternehmen eine belastbare Grundlage für strategische Entscheidungen.

Frau Gastinger, Sie fungieren als neue Geschäftsführerin des iab austria. Welche Ziele haben Sie sich in Ihrer neuen Funktion gesetzt?

Ursula Gastinger: Ich danke dem gesamten Vorstand und allen über 200 Mitgliedern für das Vertrauen. Das iab austria hat in den vergangenen Jahren eine sensationelle Evolution zur größten Interessenvertretung der Digitalwirtschaft durchgemacht. In vielen Bereichen wie Aus- und Weiterbildung, politische Rahmenbedingungen oder Agenda-Setting ist unglaublich viel passiert. Markus Plank hat eine klare Roadmap vorgegeben, die vom gesamten Vorstand getragen wird. Die gilt es jetzt umzusetzen. Parallel dazu braucht es noch bessere Strukturen, Finetuning im Außenauftritt und eine tragfähige Organisation, damit wir auf diesem hohen Level weiter nach vorne gehen. Aus- und Weiterbildung, Schaffung verbindlicher Standards und Austausch auf EU-Ebene mit unseren Schwesterverbänden sind mir persönlich große Anliegen. Wir sind auf über 200 Mitglieder gewachsen; die wollen wir noch näher vernetzen und den Mehrwert des iab austria für sie erlebbar machen. Momentan tun wir das aufgrund der COVID-19-Maßnahmen in innovativen digitalen Formaten, die auch Networking-Charakter haben. Ich freue mich schon sehr, wenn wir das auch im „Real Life“ forcieren können.

Sie bringen langjährige Medien- sowie Managementerfahrung mit und sind langjähriges Mitglied des iab austria: Wie haben Sie den iab austria in den vergangenen Jahren wahrgenommen? Und wird es unter Ihrer Leitung Änderungen geben?

Ursula Gastinger: Das iab austria ist in den vergangenen Jahren mit Sicherheit zur aktivsten und professionellsten Interessenvertretung geworden. Digitalwirtschaft betrifft alle Bereiche der Medienwelt. Damit sind die Aktivitäten des iab austria vermehrt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Wichtig war schon in den letzten Jahren immer das Miteinander mit anderen Branchen- und Kommunikationsverbänden. Den Kurs werden wir sicherlich fortsetzen! Einerseits verlangen die Interessen unserer Mitglieder nach einem Schulterschluss. Andererseits treffen sich beim Thema Digitalisierung alle Medienkanäle: TV, Radio,Print, Out-of-Home, Below-the-Line. Das Miteinander wird noch mehr im Vordergrund stehen. Dabei wollen wir auch niemand auslassen und gemeinsame Ziele definieren, die den Digitalstandort weiterbringen. Bei diesem Ansinnen hilft mir sicher auch meine persönliche Vergangenheit, in der ich die Kommunikations- und Medienwelt aus unterschiedlichen Perspektiven kennen und schätzen gelernt habe.

Welche Projekte möchten Sie als erstes in Angriff nehmen, um den Erfolg der vergangenen Jahre fortzuführen?

Ursula Gastinger: COVID-19 stellt uns auch vor Herausforderungen, die wir aber als Beschleuniger sehen. Das Thema Aus- und Weiterbildung steht weit oben auf der Agenda des iab austria. Durch die Pandemie haben wir gemeinsam mit Arbeitsgruppenleiterin Kathrin Hirczy sehr, sehr schnell digitale Kurse als Webinar realisiert. Ebenso wollten wir den Kontakt zu unseren Mitgliedern in After-Work-Events intensivieren. Die passieren jetzt vorläufig im virtuellen Raum, aber mit charmanter Networking-Atmosphäre. Ich bin überzeugt, dass jeder seine Projektliste am 16. März 2020 über den Haufen werfen konnte und sich sehr schnell auf eine ganz andere Situation einstellen musste. Das haben wir beim iab austria Dank eines unglaublich engagierten Vorstands und toller Mitglieder extrem schnell geschafft. Wir werden die aktuelle Situation weiter zum Anlass nehmen, wie wir viele unserer Aktivitäten künftig weiter digitalisieren und optimieren können. Als Interessenvertretung der Digitalwirtschaft haben wir jetzt auch die Aufgabe, eine Vorbildfunktion zu übernehmen und die positiven Aspekte der neuen Lebens- und Arbeitsrealität in den Vordergrund zu stellen. Ich habe mitten während der COVID-19-Maßnahmen meinen Job angetreten und habe das Glück, mit dieser Challenge zu starten, die täglich neue Anforderungen an uns alle stellt. Reden wir über die langfristige Planung vielleicht, wenn wir wieder in die Normalität zurückgekehrt sind (lacht). Jetzt geht es darum, Agilität zu beweisen und unsere langfristige Roadmap mit der neuen Situation in Einklang zu bringen. Das ist anspruchs- und reizvoll zugleich!

Neben der Professionalisierung der Strukturen des iab und der verstärkten multinationalen Vernetzung mit den europäischen Schwesterverbänden, planen Sie auch den iab webAD, den wichtigsten Preis der österreichischen Digitalwirtschaft, zu erneuern. Können Sie uns schon verraten, welche Änderungen Sie vornehmen wollen?

Ursula Gastinger: Wir haben uns sehr viel vorgenommen und mit IDEAL Live Marketing auch schon den richtigen Agenturpartner gefunden, um den iab webAD mit frischem Leben zu erfüllen. Auch der Award hat eine grandiose Evolution hingelegt. Ein Einreichrekord nach dem anderen und seit zwei Jahren eine neue Location. Heuer wollen wir die nächste Raketenstufe zünden. Die besten Pläne brauchen für ihre Verwirklichung aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen. Der iab webAD wird im Herbst 2020 stattfinden. Wir müssen aktuell abwarten, wie sich die Situation für Veranstaltungen entwickelt. Wir arbeiten jetzt schon mit Marcus Wild und seinem Team an unterschiedlichen Szenarien, damit der iab webAD auf jeden Fall stattfinden kann. Und das wird er! Digitalmedien waren wahrscheinlich noch nie so bedeutend wie in den vergangenen zwölf Monaten. Es sind großartige Kampagnen entstanden und am Markt ist enormer Entwicklungsschub gekommen. Das wollen und werden wir würdigen!

Wieso ist das iab austria als Interessenvertretung der Digitalwirtschaft gerade jetzt – in Zeiten von COVID-19 – wichtig?

Ursula Gastinger: Erste Zahlen, die wir kennen, zeigen, dass Publishersites 300 bis 400 Prozent Reichweitenzuwachs seit Einführung der COVID-19-Maßnahmen haben. Wachstum auf sehr hohem Niveau, nachdem der Ibiza-Skandal im vergangenen Jahr schon ein enormer Boost war. Die Menschen informieren sich in Digitalmedien, schauen Nachrichten in den Mediatheken der TV-Sender, genießen Entertainment am Smartphone, lesen die ePapers der Tageszeitungen, unterhalten sich im Internet, sind über Messenger verbunden, machen ihre Meetings über Videocalls, bezahlen kontaktlos mit dem Handy, bestellen Güter des täglichen Bedarfs online, arbeiten im Homeoffice, starten ganz großartige Hilfsaktionen über Online-Plattformen, Kinder lernen online, konsumieren Kultur im Internet, sogar der Ostergottesdienst wird gestreamt und bringt Religion auf den Bildschirm – diese Aufzählung könnte noch sehr lange werden. Das alles ist Digitalwirtschaft. Dafür steht das iab austria.

Was zeichnet das iab austria im Gesamtkonzert der Kommunikations- und Interessensverbände in Österreich aus?

Ursula Gastinger: Beim Thema Digitalisierung kommen alle zusammen: global aktive Großkonzerne und kleine, innovative Start-ups, die klassische Tageszeitung und der progressive App-Entwickler. Das iab austria vereint die Digitalwirtschaft in ihrer gesamten Vielfalt unter einem Dach. Das macht die Aufgabe natürlich nicht immer einfacher, weil es viele Partikularinteressen gibt, aber umso gewichtiger. Wenn wir von Themen wie der ePrivacy- oder der EU-Datenschutzgrundverordnung sprechen, sieht man, dass es jeden betrifft, der Digitalaktivitäten setzt. Und das sind nahezu alle. Das iab austria zeichnet vor allem seine Umsetzungsstärke aus. Wir reden nicht davon, sondern wir bieten die Aus- und Weiterbildung selbst an, schaffen die Rahmenbedingungen gemeinsam mit der österreichischen und europäischen Politik und setzen die Standards für Digitalmarketing. Diese Schlagkraft werden wir mit noch besseren Strukturen noch weiter erhöhen!

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