© Sandra Lavinia

Sandra Rindler, Founderin von connective studio

Sandra Rindler, connective studio: „Ich verstehe verantwortungsvolles Influencer Marketing als Business-Entscheidung mit gesellschaftlicher Wirkung.”

Sandra Rindler hat sich mit connective studio, einer Agentur für Influencer Marketing, selbstständig gemacht. Im Interview spricht sie über die Gründung, ihre Ziele und ihren Anspruch an Content Creator, mit denen sie arbeitet.

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Du hast nach mehreren Jahren in führenden Positionen im Agenturumfeld mit connective studio den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Was hat den Ausschlag für die Gründung gegeben? 

Sandra Rindler: Nach fast fünf intensiven und großartigen Jahren bei WPP Media, in denen ich das Influencer Marketing in Österreich weiterentwickeln und leiten durfte, war es einfach Zeit für einen nächsten Schritt. Ich habe in dieser Zeit nationale und internationale Big Player wie Coca-Cola, IKEA oder die Austrian Airlines strategisch begleitet. Dabei ist mir eines klar geworden: Jeder Markt tickt ein wenig anders und Österreich bzw. der DACH-Raum hat noch viel Potenzial. Unternehmen brauchen heute nicht noch ein Influencer-Tool, das zahlreiche Profile ausspuckt, sondern einen strategischen Blick, ein Verständnis für die Daten der Content Creator:innen auf Social Media, gepaart mit der Agilität und der 1:1‑Beratung einer Expertin. Genau diese Brücke schlägt connective studio. Gleichzeitig erleben wir einen massiven gesellschaftlichen und regulatorischen Wandel in der Creator Economy. Ich wollte eine Agentur gründen, die diesen Wandel nicht nur passiv mitmacht, sondern aktiv gestaltet und Marken sicher und verantwortungsvoll bei Kampagnen begleitet. 

Mit connective studio setzt du auf verantwortungsvolles Influencer Marketing. Was bedeutet dieser Anspruch konkret für Kund:innen, Creator:innen und die Kampagnen, die ihr entwickelt? 

Sandra Rindler: Ich verstehe verantwortungsvolles Influencer Marketing als Business-Entscheidung mit gesellschaftlicher Wirkung. Wenn wir Media Literacy stärken, präzise und ehrlich kommunizieren und den Jugendschutz ernst nehmen, leisten wir damit einen Beitrag zu einer vertrauenswürdigen Werbekultur. Wer heute noch auf intransparente (KI)-Inhalte, ungekennzeichnete Postings oder rechtlich unzulässige Claims setzt, handelt strategisch kurzsichtig. Performance entsteht im Jahr 2026 nicht mehr durch reine, stumpfe Reichweite, sondern durch Vertrauen. Für unsere Kund:innen bzw. die Kampagnen bedeutet das konkret: Jedes Konzept wird von Anfang an unter der konsequenten Einhaltung der #ethicalAd Standards des Österreichischen Werberats entwickelt. Wir setzen auf Transparenz und kreieren so Kampagnen, die emotional berühren, die Community ernst nehmen und dadurch besser performen. Für die Content Creator:innen bedeutet es Professionalisierung. Wir begegnen ihnen als Business-Partnern auf Augenhöhe. Das heißt aber auch: Verbindliche Einhaltung von Kennzeichnungspflichten nach dem Mediengesetz sowie ethische Richtlinien ernst zu nehmen. 

Die Branche steht vor Herausforderungen wie KI-generiertem Content, strengeren Regulierungen und wachsender Skepsis gegenüber Werbung. Welche Entwicklungen werden das Influencer Marketing in den kommenden Jahren am stärksten verändern? 

Sandra Rindler: Wir stecken mitten in einer Reifephase der Branche. Authentizität wird die stärkste Währung im Influencer Marketing. Während KI-generierter Content überall zunimmt, steigt paradoxerweise der Wert von „echt wirkenden” Menschen. Mikro- und Nano-Influencer mit kleinen, aber stark engagierten Communities werden meiner Meinung nach gegenüber Mega-Influencern weiter aufholen, weil ihre Empfehlungen glaubwürdiger wirken. Außerdem werden Konsument:innen kritischer. Über 70 Prozent der User:innen ist eine korrekte Werbekennzeichnung wichtig (lt. WPP-Studie, 2025). Wenn diese fehlt oder versteckt wird, strafen die Communities das sofort ab: User:innen empfinden die Content Creator:in dann als weniger authentisch, jeder Fünfte verliert komplett das Vertrauen. Wer als Marke im digitalen Raum überleben will, muss sich dessen bewusst sein. Kennzeichnungspflichten für Werbung werden in vielen Ländern strenger und einheitlicher durchgesetzt, auch für KI-generierte oder KI-unterstützte Inhalte. Wer Inhalte ohne Offenlegung postet, riskiert zunehmend Konsequenzen. 

Authentizität und Vertrauen gelten heute als zentrale Erfolgsfaktoren. Worauf achtest du bei der Auswahl von Influencer:innen und wie misst du den Erfolg einer Kampagne über klassische Reichweiten-KPIs hinaus? 

Sandra Rindler: Bei der Auswahl von Creator:innen arbeiten wir bei connective studio nach einem standardisierten, zweisäuligen Audit-Verfahren: KPI-based und Content-based. KPI-based: Wir schauen weit über die Follower-Zahl hinaus. Uns interessieren die qualitative Engagement-Rate, die organische Herkunft der Followerschaft (Ausschluss von Fake-Followern/Bots) und vor allem die demografischen Daten der tatsächlichen Reichweite (Views nicht Follower). Content-based: Hier machen wir den „Reality Check”. Passen die Werte der Content Creator:innen zum Brand Fit des Kunden? Wie steht es um die visuelle Ästhetik und die Tonalität? Wie werden Marken im Storytelling integriert. Mit wem haben die Content Creator:innen in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Gibt es ein Over-Endorsement: Sprich wie ist die Balance zwischen branded und organic Content auf dem Kanal. Die Erfolgsmessung ist für jede Kampagne anders und hängt immer vom Ziel der jeweiligen Kampagne ab. Die Kennzahl folgt der Strategie, nicht umgekehrt. Ob Reichweite, Engagement, Markenwahrnehmung oder direkte Conversions im Mittelpunkt stehen, entscheidet sich von Fall zu Fall, und genau das macht für mich seriöses Kampagnenmanagement aus. 

Wenn du auf die nächsten zwölf Monate blickst: Welche Ziele hast du dir für connective studio gesetzt? 

Sandra Rindler: Mein primäres Ziel ist es, connective studio als führende Boutique-Agentur für strategisches und verantwortungsvolles Influencer Marketing DACH-Raum zu etablieren. Wir wollen zeigen, dass Ethik und ROI keine Gegensätze sind, sondern einander bedingen. Konkret bedeutet das für die nächsten Monate, dass wir Marken unterstützen, die bereit sind für Brand Aktivierung mit Tiefgang – also weg von der austauschbaren Produktplatzierung, hin zu relevanten Creator Formaten (Online sowie Offline). Es geht mir darum, dass wir in Österreich bzw. im DACH-Raum ein transparentes, zertifiziertes und vor allem vertrauenswürdiges Influencer-Marketing-Ökosystem bauen. Natürlich liegt das nicht an connective studio allein, hier müssen mehrere Akteure (Content Creator:innen, Marken, Agenturen, Verbände, etc.) an einem Strang ziehen, aber ich mach mit connective studio mal den Schritt in diese Richtung. Die Reise hat gerade erst begonnen

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