Aktuelle geopolitische Konflikte und das angespannte Verhältnis zwischen Europa und der US-Administration haben vielen Verantwortlichen zuletzt vor Augen geführt, welche Risiken entstehen können, wenn kritische Daten, Plattformen und Technologien überwiegend in der Hand weniger außereuropäischer Akteure liegen. Digitale Souveränität gewinnt rasant an strategischer Bedeutung – ein Trend, den die gemeinsame Studie von valantic und HRI mit Blick auf Einstellungen und Maßnahmen europäischer Unternehmen klar bestätigt.
Die Studienergebnisse zeigen: Der Großteil der Unternehmen im DACH-Raum hat nicht nur die Dringlichkeit erkannt, sondern ist bereits aktiv geworden. Die deutliche Mehrheit der befragten Entscheiderinnen und Entscheider berichtet, dass in ihren Organisationen konkrete Schritte zur Erhöhung der digitalen Unabhängigkeit entweder bereits realisiert wurden oder derzeit in Umsetzung oder Planung sind. Lediglich einer von zehn Teilnehmenden gibt an, weder Maßnahmen ergriffen zu haben noch entsprechende Initiativen zu sondieren. Ein klares Signal dafür, dass Nichtstun in Fragen der digitalen Souveränität zur Ausnahme geworden ist.
Wie Unternehmen ihre digitale Souveränität konkret stärken
DACH-Unternehmen verfolgen digitale Souveränität darüber hinaus in vielen Fällen nicht mit Einzelmaßnahmen, sondern mit einem ganzen Bündel strategischer und operativer Initiativen. Der Handlungsdruck wird offenbar als groß empfunden: Fast zwei Drittel der Befragten erachten ihre digitale Abhängigkeit als kritisch für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, setzen die Unternehmen vor allem an zentralen Daten- und Infrastrukturhebeln an: Rund zwei von drei Unternehmen verfolgen bereits aktiv Konzepte der unternehmensweiten Datenklassifizierung und Residency-Policies. Dabei hat knapp ein Drittel diese Vorgaben schon vollständig etabliert (29,0 Prozent), während gut ein weiteres Drittel (38,3 Prozent) aktuell an der Umsetzung arbeitet.
Hinsichtlich der Infrastruktur haben 69 Prozent einen klaren Fokus auf EU-Datenresidenz und ‑lokation für Primärspeicher und Backups gelegt, das heißt, entsprechende Konzepte wurden bereits eingeführt oder befinden sich in der Umsetzung. Ein ähnlich hoher Anteil nutzt EU-basierte Alternativen und Sovereign-Cloud-Angebote oder führt diese derzeit ein (66,2 Prozent).
Parallel dazu setzen immer mehr Unternehmen auf eigene Key-Management-Systeme und BYOK-Konzepte (Bring Your Own Key). 28,3 Prozent haben entsprechende Modelle längst umgesetzt, weitere 36,5 Prozent befinden sich in der Einführung. Es zeigt sich: Wo Daten liegen, unter welcher Jurisdiktion sie verarbeitet werden und wie technologische Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduziert werden können, ist für die Befragten insgesamt von wachsender Bedeutung.
KI-Vorreiter treiben digitale Souveränität besonders entschlossen voran
Unternehmen mit einem hohen KI-Reifegrad blicken der Studie zufolge besonders kritisch auf ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Cloud‑, Daten- und KI-Anbietern – und ziehen daraus auch deutlichere Konsequenzen als der Rest. Während bei Unternehmen mit niedrigem KI-Reifegrad nur rund ein Drittel die eigene Abhängigkeit als hoch einschätzt (35 Prozent), sind es bei den KI-Vorreitern fast zwei Drittel (65 Prozent).
Dieses Bewusstsein übersetzt sich in entschlossenes Handeln: Der Umsetzungsgrad bei Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität ist bei den KI-Vorreitern deutlich höher ausgeprägt als bei den übrigen Befragten. Im Mittelpunkt stehen vor allem aktive Investitionen in eigene Daten- und KI-Infrastrukturen in Europa sowie Kooperationen mit europäischen Technologie- und Cloud-Anbietern; Beteiligungen an nationalen oder europäischen Initiativen ergänzen diesen Ansatz.
„Die Steigerung der digitalen Souveränität steht weit oben auf der Management-Agenda der DACH-Unternehmen”, sagt Laurenz Kirchner, Managing Director und Leiter der AI Practice bei valantic. „Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und der starken Rolle außereuropäischer Cloud- und KI-Anbieter wächst der Druck, Abhängigkeiten aktiv zu steuern. Besonders die KI-Vorreiter senden ein klares Signal: Wer früh in KI investiert hat, beschäftigt sich heute sehr bewusst mit Fragen der Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Verschlüsselungstechnologien – und leitet daraus konkrete Investitionsentscheidungen ab.”













