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Laura Kaltenbrunner, CMO bei Apocrat, mit den Studentinnen Marie Salchinger-Koch und Julia Perfler

Laura Kaltenbrunner, Apocrat: „Marketing ohne Technik ist so ein Herumplantschen.“

Laura Kaltenbrunner fungiert bei Apocrat als Chief of Marketing und ist Co-Founderin des Unternehmens. Im Interview plaudert Kaltenbrunner über ihre Begeisterung für Daten, Third Party Cookies und die Bedeutung des Marketings in der Welt der Daten.

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Wie ist Ihre Begeisterung für die Welt der Daten entstanden?

Laura Kaltenbrunner: Also prinzipiell habe ich im Marketing studiert und hatte eigentlich überhaupt nichts mit Daten oder IT-Sicherheit zu tun. Das war eher zufällig. Während dem Lernen für meine Masterprüfung traf ich die Studiengangsleiterin des Studiengangs Data Science und sie bot mir eine Forschungsposition an. Obwohl ich keine Erfahrung im Bereich IT-Security hatte, wurde ich eingestellt. Mein erstes Projekt mit dem BMLV eröffnete mir die Welt der Daten und der Künstlichen Intelligenz. Ich war fasziniert, da ich im Marketingstudium nicht viel über Daten gelernt hatte. Die Verbindung zwischen Daten und Marketing war unglaublich spannend.

Wie würden Sie jemandem, der sich noch nicht mit dem Thema Daten beschäftigt hat, erklären, warum diese so aufregend und wichtig sind?

Kaltenbrunner: Daten sind im Grunde genommen nur Nullen und Einsen, also ziemlich unspektakulär. Aber wenn dieses Nullen und Einsen in einen Zusammenhang gesetzt werden und man daraus Erkenntnisse gewinnt, wird es aufregend. Denkt an die Anwendung von Google Maps, Instagram oder Smartwatch-Benachrichtigungen. All das generiert massenweise Daten, die scheinbar nichts aussagen. Dennoch erzielen sie einen erheblichen Mehrwert für uns. Dieses Konzept, wie aus scheinbar nichtssagenden Daten etwas Bedeutsames wird, ist faszinierend.

Wie schätzen Sie die langfristigen Konsequenzen des bevorstehenden Endes der Third Party Cookie-Ära für die Zukunft ein?

Kaltenbrunner: Die Third Party Cookies sind auf dem Rückzug, aber das ist nicht unbedingt ein Drama. Chrome ist der einzige verbleibende Browser, der sie unterstützt, und die Daten, die sie generieren, sind oft nicht repräsentativ. Es gibt bereits neue Tracking-Methoden wie Server-Side Tracking, ID-Lösungen und Data Clean Rooms. Unternehmen müssen jetzt eigene Datenpools aufbauen, um weiterhin effektiv arbeiten zu können.

Wie hat sich die Bedeutung von Datensicherheit und Datenschutz in den letzten Jahren entwickelt, insbesondere in Anbetracht von Datenschutzverletzungen und strengeren Vorschriften?

Kaltenbrunner: Datensicherheit und Datenschutz werden immer wichtiger und sind keine „netten Extras” mehr. Strenge Vorschriften wie die DSGVO und weitere Gesetze haben die Unternehmen gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. Gleichzeitig sind Verstöße und Datenschutzverletzungen immer sichtbarer geworden, was das Bewusstsein der Nutzer geschärft hat. Unternehmen müssen Vertrauen aufbauen und transparent mit Daten umgehen, da sie sonst Kunden verlieren. In den nächsten Jahren wird Datenschutz zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit.

Welche Rolle spielen Daten im heutigen Marketing und wie hat sich das in den letzten Jahren verändert?

Kaltenbrunner: Daten waren schon immer wichtig im Marketing, aber die Art und Weise, wie wir Daten sehen und verwenden, hat sich verändert. In der Vergangenheit konnte man sich auf unstrukturierte Daten stützen oder auf Aspekte wie die Anzahl der Kunden, die durch eine Plakatkampagne ins Geschäft kamen. Heutzutage ist die Marketingwelt jedoch komplexer geworden, mit mehr Medien, Kanälen und Geräten. Strukturierte Daten sind entscheidend geworden, um fundierte Entscheidungen im Marketing zu treffen. Es geht nicht darum, dass Daten an sich wichtiger geworden sind, sondern darum, welche Daten man benötigt und wie man sie verwendet, um die Komplexität zu bewältigen und die Effizienz zu steigern. Marketingprofis sollten sich also darauf konzentrieren, welche Daten sie benötigen und wie sie diese Daten nutzen können.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie künftig im Bereich der Datensicherheit?

Kaltenbrunner: Es gibt zwei Hauptprobleme im Bereich der Datensicherheit. Erstens die technische Komplexität, die mit der Menge an Daten und Diensten verbunden ist, die Unternehmen verwenden. Unternehmen müssen im Klaren darüber sein, welche Daten in ihrem Betrieb vorhanden sind und welche Drittanbieter Zugriff auf diese Daten haben. Die meisten Unternehmen wissen nicht, welche Daten sie tatsächlich besitzen. Unternehmen sind jedoch für all diese Aspekte verantwortlich, und das darf keinesfalls übersehen werden. Das zweite Problem betrifft das Verständnis und die Einstellung der Menschen gegenüber Datenschutz. Viele Menschen betrachten Datenschutz als lästig und sehen ihn als Hindernis für ihr Geschäft. In Wirklichkeit bietet Datenschutz jedoch Chancen und neue Geschäftsmodelle. Einige Datenschutzregulierungen eröffnen Möglichkeiten für den Datenaustausch und innovative Dienstleistungen, die ohne diese Gesetze nicht möglich wären. Es ist wichtig, den negativen Groll gegenüber Datenschutz abzulegen und die Chancen zu erkennen, die er bietet.

Welche Tipps würdest du jungen Menschen geben, die eine Karriere im Marketingbereich anstreben?

Kaltenbrunner: Junge Menschen, die eine Karriere im Marketing anstreben, sollten sich unbedingt mit Technologie und Technik auseinandersetzen. Marketing ohne Technik ist so ein Herumplantschen, es hat weder Hand noch Fuß. Das muss aber nicht heißen, dass man programmieren können muss. Man sollte die Grundlagen der Technologie verstehen und neugierig sein. Fragen stellen, lernen und mit Technik vertraut werden. Dies eröffnet neue Möglichkeiten und fördert die Kreativität im Marketing. Offenheit für Technologie und die Bereitschaft, sich mit ihr zu beschäftigen, sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere im Marketing.

Internet World Austria berichtet in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten von der DMEXCO. Dieser Artikel wurde von Marie Salchinger-Koch & Julia Perfler verfasst.

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