Gratulation zur Wahl als neue Präsidentin der Österreichischen Webanalyse (ÖWA). Welche generellen Ziele hast du dir als neue ÖWA-Präsidentin gesetzt?
Xenia Daum: Mein Ziel ist es, die ÖWA als unverzichtbare Währung des österreichischen Digitalmarkts weiterzuentwickeln. In einem Umfeld, das von internationalen Plattformen dominiert wird, brauchen wir mehr denn je eine unabhängige, transparente und für alle Marktteilnehmer akzeptierte Datengrundlage. Gleichzeitig möchte ich die ÖWA noch stärker als gemeinsame Plattform der Branche positionieren – als Ort, an dem Publisher, Vermarkter, Agenturen und Werbetreibende an den zentralen Zukunftsthemen des Marktes arbeiten.
Die Österreichische Webanalyse wurde 1998 gegründet: Hat die ÖWA in Zeiten, da immer mehr über Programmatic Advertising läuft und mehr als 80 Prozent der Digitalwerbespendings in Richtung Social und Search fließen, noch die gleiche Relevanz wie damals?
Daum: Ja – und in manchen Bereichen sogar mehr denn je. Gerade weil ein Großteil der Budgets in globale Plattformen fließt, braucht es Transparenz über die Leistungsfähigkeit österreichischer Medienangebote. Die ÖWA macht sichtbar, welche Reichweiten heimische Publisher tatsächlich erzielen, und schafft damit eine gemeinsame Währung für den Markt. Wer die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Medienstandorts stärken will, braucht belastbare Daten. Genau dafür steht die ÖWA.
Welche strategischen Schwerpunkte möchtest du zu Beginn Deiner Amtszeit setzen, um die ÖWA für die kommenden Herausforderungen im digitalen Markt zu positionieren?
Daum: Ein Schwerpunkt wird sein, die ÖWA konsequent auf die Anforderungen einer daten- und KI-getriebenen Zukunft auszurichten. Themen wie cookielose Messung, Datenschutz, neue Reichweitenmodelle und die Weiterentwicklung unserer Marktstandards sind und werden zentrale Aufgaben sein. Gleichzeitig möchte ich die Relevanz der ÖWA-Daten für Werbetreibende und Agenturen weiter erhöhen. Unser Anspruch muss sein, nicht nur Reichweiten zu messen, sondern Orientierung in einem immer komplexeren digitalen Werbemarkt zu geben.
Welche konkreten Maßnahmen planst du, um die Zusammenarbeit zwischen Publishern, Vermarktern und Werbetreibenden weiter zu stärken?
Daum: Die Herausforderungen im Markt betreffen uns alle. Deshalb möchte ich den Dialog zwischen den Marktpartnern intensivieren und die ÖWA noch stärker als gemeinsame Branchenplattform nutzen. Mir ist wichtig, dass wir nicht nur Daten liefern, sondern auch Diskussionen anstoßen, Wissen teilen und gemeinsame Standards entwickeln. Ein konkreter Schwerpunkt wird dabei sein, die Leistungsfähigkeit österreichischer Medienangebote noch umfassender sichtbar zu machen. Reichweite allein bildet heute nur einen Teil der tatsächlichen Nutzung und Wirkung ab. Heimische Publisher erzielen auf ihren eigenen Plattformen, aber auch auf Social Media, hohe Interaktionsraten und bieten ein breites Portfolio an Produkten, das von Newslettern über Podcasts und Audio-Angebote bis hin zu Video- und Bewegtbildformaten reicht. Viele dieser Leistungen und Nutzungsformen finden in den etablierten Marktstudien derzeit noch zu wenig Berücksichtigung. Hier sehe ich großes Potenzial, gemeinsam mit den Marktpartnern neue Mess- und Darstellungsmöglichkeiten zu entwickeln. Unser Ziel muss sein, die gesamte Stärke und Vielfalt österreichischer Medienmarken sichtbar zu machen und Werbetreibenden ein vollständigeres Bild ihrer Wirkungsmöglichkeiten zu geben. Gerade in Zeiten großer Marktveränderungen entsteht Wettbewerbsfähigkeit durch Zusammenarbeit – und durch die Fähigkeit, den tatsächlichen Wert unserer Medienangebote transparent und nachvollziehbar darzustellen.
Wo siehst du die größten Chancen für den österreichischen Digitalwerbemarkt in den nächsten drei Jahren und wo die größten Herausforderungen?
Daum: Die größte Chance liegt in der steigenden Bedeutung von Qualität, Vertrauen und glaubwürdigen Medienumfeldern. Viele Werbetreibende hinterfragen zunehmend die Abhängigkeit von einzelnen Plattformen und suchen nach hochwertigen Alternativen. Österreichische Publisher haben hier ein starkes Angebot und eine hohe Vertrauensbasis. Die größte Herausforderung bleibt die enorme Marktmacht der internationalen Plattformen. Gleichzeitig stehen wir vor technologischen Umbrüchen durch KI, neue Datenschutzanforderungen und veränderte Nutzungsgewohnheiten. Umso wichtiger wird es sein, dass die Branche mit einer starken gemeinsamen Stimme auftritt und die Stärken des österreichischen Medienmarkts selbstbewusst sichtbar macht.














