Menschen scrollen heute durch bis zu 800.000 Content-Stücke pro Jahr. Algorithmen liefern scheinbar den perfekten Content. Doch gleichzeitig verlieren klassische Reichweitenlogiken an Bedeutung.
Die Suche nach Bedeutung im digitalen Dauerrauschen
Im Mittelpunkt des vergangenen Clubabends stand daher die Frage, wie Marken inmitten dieser Content-Flut über reine Sichtbarkeit hinausgehen und stattdessen (wieder) echte Beziehungen zu ihren Zielgruppen aufbauen können. Den Auftakt machte Florian Schleicher, Marketing Berater und Stratege bei FUTURESTRATEGIES, mit seiner Keynote „Friction Reloaded – Algorithmische Erschöpfung und die Suche nach Bedeutung“. Dabei ging er darauf ein, warum Marketing zwar performt, aber immer seltener echte Resonanz erzeugt. Basierend auf seinem Trendreport „Friction Reloaded“, der auf neun Expert:innen-Interviews und der Analyse von 60 internationalen Trendreports beruht, zeigte Florian Schleicher, wie der reibungslose, algorithmisch kuratierte Feed Marken zunehmend austauschbar macht. Reale Erlebnisse und persönliche Bewertungen werden damit zur wertvollsten Währung.
„99 Prozent der Marketingabteilungen messen, ob die eigene Marke gesehen, aber nicht, ob sie auch gespürt wird. Das ist kein Marketing, das ist Buchhaltung. Was wir brauchen, sind echte Gefühle und Begehrlichkeit. Darum geht es in FRICTION RELOADED und den vier zentralen Shifts im Konsument:innen-Verhalten“, sagt Florian Schleicher.
Wie Marken wieder Nähe schaffen können
Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion erörterte Florian Schleicher gemeinsam mit Sandra Stichauner, Chief Marketing Officer bei Österreich Werbung, Yvonne Haider-Lenz, Leitung Marketing, Unternehmenskommunikation & Innovation bei Vöslauer, und Bettina Schuckert, Head of Marketing bei Gewista, unter der Moderation von MCÖ-Vorstandsmitglied John Oakley, Country Marketing Manager bei IKEA Österreich, wie Engagement in einer von Reiz- und Content-Überflutung geprägten Zeit entsteht und wie es Marken gelingt, authentisch und Community-orientiert zu kommunizieren. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Haltung und kulturellem Kontext in einer zunehmend fragmentierten Medien- und Kanallandschaft diskutiert.
Cultural Marketing als Antwort auf die Aufmerksamkeitskrise
Anhand konkreter Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag zeigten die Speakerinnen, wie Cultural Marketing funktionieren kann – von kollaborativen Markenstrategien bis hin zu Kampagnen, die gesellschaftliche Trends nicht nur aufgreifen, sondern aktiv mitgestalten. Dabei wurde deutlich, dass erfolgreiche Markenkommunikation heute dort entsteht, wo Relevanz, Glaubwürdigkeit und kulturelles Verständnis aufeinandertreffen.
„Menschen vertrauen heute weniger perfekten Botschaften als echten Erfahrungen. Für Marken bedeutet das: Wir müssen wieder stärker Erlebnisse schaffen, die berühren, inspirieren und verbinden. Relevanz entsteht dort, wo Menschen sagen: ‚Das fühl ich.‘ Dabei ist Authentizität die Grundlage für echte Verbindungen und starke Communities“, ist Yvonne Haider-Lenz überzeugt.
„Reichweite kann man kaufen. Relevanz muss man sich verdienen. In einer Welt voller perfekter Inhalte braucht es den Mut, nicht nur sichtbar zu sein, sondern für Menschen wirklich bedeutsam zu werden“, betont auch Sandra Stichauner.
„Gerade im B2B-Bereich geht es heute um weit mehr als Reichweite und reines Netzwerken. Es geht um echte Beziehungspflege. Wenn es uns gelingt, relevante Inhalte mit Unterhaltung zu verbinden, schaffen wir eine kulturelle Verbindungsebene, auf der wir als Gewista nicht nur gesehen, sondern als erster Ansprechpartner kontaktiert werden, sobald es in weiterer Folge um unser Business, um Außenwerbung geht“, sagt Bettina Schuckert.
„In einer Welt voller Doomscrolling müssen Marken Momente schaffen, die Menschen wirklich zum Stehenbleiben bringen. Als MCÖ-Vorstandsmitglied ist es mir ein Anliegen, diesen Wandel gemeinsam mit der Community zu diskutieren und den Austausch darüber zu fördern, wie Unternehmen jeder Größe diesen Herausforderungen begegnen können“, erklärt John Oakley, inhaltlicher Gestalter und Moderator des Abends.
Branchentreffen vor der Sommerpause
Auch der persönliche Austausch kam wie immer nicht zu kurz. Knapp 100 Gäste aus Unternehmen, Agenturen und Medien nutzten den letzten Clubabend vor dem Sommer zum Networking und Austausch über Aktuelles.
„Unser letzter Clubabend vor dem Sommer zeigte wieder einmal, wie stark das Bedürfnis nach Orientierung, Inspiration und praxisnahen Einblicken innerhalb der Marketing-Community ist“, zeigt sich Regina Loster, Geschäftsführerin des Marketing Club Österreich, über den gut besuchten Clubabend zufrieden und kündigt mit Blick auf den Herbst an: „Wir arbeiten bereits tatkräftig an einem gehaltvollen Programm für das zweite Halbjahr.“














