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Eugen Schmidt (AboutMedia), Präsident der AGENDA2050

AGENDA2050: Vorstoß der Industriellenvereinigung ist Brandbeschleuniger der Medienkrise

AGENDA2050 sieht im Papier von Raiffeisen und Industriellenvereinigung eine grobe Themenverfehlung. Die Identität der Medienmarken muss gestärkt werden. Der Auftrag des ORF ist in der Verfassung festgelegt und das Modell nicht realisierbar.

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Die Nachrichten des ORF genießen laut des kürzlich publizierten Digital News Reports des Reuters Institute das höchste Vertrauen im Land. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung halten die ORF-Medien mit dem ORF.at-Network, dem größten Nachrichtennetzwerk des Landes, für vertrauenswürdig. Das nun öffentlich gewordene Papier von Industriellenvereinigung und Raiffeisen wirkt vor diesem Hintergrund noch grotesker und ähnlich elaboriert wie der gescheiterte Gemischtwarenladen „Kaufhaus Österreich“.

Banker und Industrielle offenbaren mit diesem Vorschlag wenig Verständnis für die Grundfesten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Objektivität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit sind verfassungsmäßig festgeschrieben. Das ORF.at-Network muss als Teil des öffentlich-rechtlichen Medienangebots vom ORF selbst betrieben werden und die Inhalte von seiner Redaktion erstellt werden. Redaktionelle Fremdinhalte sind rein gesetzlich nicht vorgesehen.

Der Vorschlag, die meistgenutzte Nachrichtenseite des Landes zu einem bunten Tummelplatz für journalistische Inhalte zu machen, wirft mehr Fragen als Antworten auf. Medien müssen im digitalen Raum eine starke eigene Identität aufbauen und sich täglich aufs Neue beweisen, um das Vertrauen ihrer User zu behalten. Regionale Vielfalt bietet Mehrwert für die Menschen und die werbetreibende Wirtschaft, die auf das Qualitätsumfeld regionaler Nachrichtenmarken vertraut. Wesentliche journalistische Angebote, die die Gestalt und Wahrnehmung einer Medienmarke und damit die User-Bindung formen, würden im digitalen Eintopf an den Rand der Wahrnehmung verschwinden. Medienvielfalt würde im bunten Gemischtwarenladen unter der Dachmarke ORF.at abnehmen und die globalen Big-Tech-Giganten gleichzeitig von einer hausgemachten Schwächung des Medienstandorts profitieren. Journalistisch wertvolle Elemente wie Kommentar, Feuilleton oder Kulturberichterstattung würden in diesem Modell Gefahr laufen, ihre Leserschaft nicht zu erreichen und weitere Arbeitsplätze im Journalismus wären gefährdet.

Wenig Gedanken scheint es hinsichtlich der Monetarisierung der Werbeinventare im digitalen Einheitsbrei zu geben. Aggregatorplattformen haben bisher nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Die Vermarkter der Publisher verfügen über ausgeprägte Expertise, um ihr Inventar zu monetarisieren und müssen die Hoheit über ihre Werbeangebote behalten. Gemeinsame Vermarktungsmodelle journalistischer Digitalangebote, wie sie in anderen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt werden – etwa in der Schweiz –, sind begrüßenswert.

„In der Industrie und im Finanzwesen sind Zentralisierung und Skalierung wirksame Mechanismen. Die Medien zerstören sie mit ihrer wichtigen demokratiepolitischen Funktion in ihrer Substanz. Für den gesellschaftlichen Diskurs und die politische Teilnahme braucht es Vielfalt, die alle Menschen im Land anspricht. Vielfältige publizistische Angebote sind das vertrauenswürdige Umfeld, in dem Werbetreibende ihre Zielgruppe effektiv erreichen. Diese Umfelder müssen gefördert und durch den Gesetzgeber im globalen Wettbewerb gestärkt werden. Keinesfalls dürfen sie in einem digitalen Einheitsbrei verwässert werden, wie sich das Industrielle und Banker vorstellen“, mahnt Eugen Schmidt (AboutMedia), Präsident der AGENDA2050.

Über andere Punkte des Papiers von Industriellenvereinigung und Raiffeisen könne man laut AGENDA2050 diskutieren. Eine Weiterentwicklung der APA als gemeinsamer technischer Backbone der österreichischen Medienlandschaft erscheint sinnvoll, ist in vielen Teilen bereits heute auch schon Realität.

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