Dem Hearing und dem Bestellungsprozedere stellten sich neben Pig der Ex-HBO-Manager Johannes Larcher (sechs Stimmen), der ehemalige ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker (vier Stimmen), ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer (drei Stimmen) und ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz (eine Stimme). Hinzu kamen Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz, Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, die langjährige ORF-Journalistin Sonja Sagmeister und die frühere ORF-Managerin Petra Höfer.
Insgesamt hatten sich 75 Personen fristgerecht um die ORF-Spitze beworben, von denen laut Findungskommission aber nur 13 auch die Ausschreibungskriterien erfüllten. Von diesen wurden wiederum neun Personen zum Hearing im Stiftungsrat nominiert, das der Wahl unmittelbar voranging. Jeder und jede hatte zunächst 20 Minuten Zeit zur Präsentation, der sich jeweils eine Fragerunde anschloss – im Falle des künftigen ORF-Chefs Pig erstreckte sich diese über zwei Stunden.
Es sei ein klares Votum für Pigs Konzept, sagte Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer. Vor Beginn der Marathonsitzung hatte er betont, dass man sich „sicherlich nicht von irgendjemandem unter Druck setzen lassen“ werde. Das galt auch in puncto Zeitkorsett.
Vizevorsitzender Gregor Schütze erklärte die Dauer mit dem professionellen Auswahlverfahren. Damit sind laut Gremium auch alle Anforderungen des erstmals anzuwendenden Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFG) in Richtung Gleichbehandlung, Transparenz und Nachvollziehbarkeit erfüllt worden.
„Plattform der Gesellschaft“
Er freue sich auf das Haus ORF und alle seine „hervorragenden Mitarbeiter“, sagte Pig in einem ersten Pressestatement. Er nehme die Verantwortung in Demut und Dankbarkeit an und wolle „bereits morgen“ beginnen, mit Ingrid Thurnher (die den ORF interimistisch bis Jahresende führt, Anm.) an den Herausforderungen zu arbeiten.
Die Herausforderungen für den ORF seien „groß, vielfältig und gleichzeitig“. Die wichtigsten Themenfelder seien „Vertrauen und Legitimation in schwierigen Zeiten, die Finanzierungskrise sowie eine entschlossene Plattform- und Digitalisierungsstrategie“. Er wolle den ORF vom Rundfunk zur „Plattform der Gesellschaft“ machen, kündigte Pig an.
Der Fokus liege auf regionalem Programm, auf einer „notwendigen Offensive im Digitalen, insbesondere im Streamingbereich“ und „neuen Angeboten für junge Menschen“. Als „gemeinsames Ziel“ definierte Pig einen „ORF für die erste Generation, die den ORF als reine digitale Public-Value-Plattform kennenlernen wird“. Es sei eine besondere Ehre, diesem Haus als designierter Generaldirektor vorzustehen.
Jahrelang CEO der APA
Pig wurde 1974 in Innsbruck geboren. Er gründete noch während seines Studiums der Politikwissenschaft MediaWatch und analysierte damit Nachrichtensendungen des ORF. Die APA übernahm 2001 den Großteil der Anteile am Marktführer für Medienbeobachtung.
2008 wechselte Pig in die Geschäftsleitung der Nachrichtenagentur. 2016 stieg er zum Vorsitzenden der Konzerngeschäftsführung auf. Das Amt bekleidete er bis vor Kurzem. Die APA ist eine Genossenschaft im Eigentum des ORF (46 Prozent) und vieler österreichischer Tageszeitungen.














