Doktorspiele mit der Blauen Seite des ORF

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Albert Sachs
Die Blaue Seite des ORF ist ein Erfolgsprojekt. Für viele ein Ärgernis. Für manchen sogar ein Experimentierfeld, um damit seinen medienpolitischen Fantasien freien Lauf zu lassen.

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Studie „Werbemarktszenarien Österreich 2025–2030“ analysiert Entwicklung der Gesamtwerbeausgaben bis 2030

Welche Werbekanäle gewinnen bis 2030 in Österreich?

Die neue Studie „Werbemarktszenarien Österreich 2025–2030“ liefert erstmals einen fundierten Ausblick auf die Entwicklung des österreichischen Gesamtwerbemarktes. Auf 57 Seiten analysiert sie die Zukunft von Digital, TV, Print, Radio und Out-of-Home und bietet Werbetreibenden, Agenturen und Medienunternehmen eine belastbare Grundlage für strategische Entscheidungen.

Es ist jetzt knapp 30 Jahr her, dass die Blaue Seite des ORF im Sommer 1997 online ging. Sie war damals, im digitalmedienmäßig noch verschlafenen Österreich, so etwas wie ein Erweckungserlebnis. Abgesehen von der Website des Standard, derStandard.at war knapp zwei Jahr zuvor freigeschaltet worden.

Seither hat sich ORF.at nicht nur zu einem medialen Vorzeigeprojekt Österreichs entwickelt, sondern auch zu einem permanenten Ärgernis. Vor allem im Eck der heimischen Tageszeitungen und ihres Interessenverbandes VÖZ simmert das Mütchen gegen die Blaue Seite permanent dahin. Und auch dann, wenn wieder einmal an der News-Site des ORF herumgedoktert wurde, kam der Anstoß dazu nicht selten von außen, aus den Reihen der Mitglieder im Verband Österreichischer Zeitungen. Die Blaue Seite ist eben auch eine stets beliebte Spielwiese für Medienpolitik der Marke Österreich.

Da wollen aktuell auch gerne Raiffeisen und die Industriellenvereinigung mitspielen. Mit einem neuen, aber absurden Vorschlag. Die Blaue Seite soll zur Rot-Weiß-Roten Seite mutieren. Hinter der nicht nur der ORF steht, sondern möglichst viele österreichische Medien. Nicht bloß Fantasie, sondern Inhalt eines Strategiepapiers, das vor kurzem öffentlich wurde. Demnach könnte die größte (und auch beliebteste) Nachrichtenseite des Landes in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden, an der sich neben dem ORF auch weitere Medien beteiligen können.

Es muss dem interessierten Beobachter dazu nicht sofort die Formel „Verordnung per Mufti“ einfallen, um die Idee der Rot-weiß-Rot-Seite absurd zu finden. Dass sich eine Bank, zugegeben einer der größten Finanzkonzerne des Landes und immer schon gerne in den unterschiedlichsten Medienfeldern unterwegs, und das Sprachrohr der Industrie in der Republik lautstark mit Österreichs Medienlandschaft beschäftigen, birgt eine gewisse Pikanterie.

Gerade die Industriellenvereinigung, die derzeit an vielen Ecken angeschlagen ist und selbst einige Baustellen zu stemmen hat und hätte. Auch Raiffeisen hätte ohnedies im eigenen Medien(beteiligungs)portfolio einiges zu tun – vom Kurier über profil bis hin zur NÖN (Niederösterreichische Nachrichten).

Aber wenn´s um Medien, um den Medienmarkt geht, dann würden an dem Süppchen gerne möglichst viele mitkochen. Auch wenn ihre Rezepte nicht die erfolgversprechendsten sind.

Lasst also die Blaue Seite des ORF so wie sie ist. Den Userinnen und den Usern in Österreich gefällt´s. Wenn sich etwas ändern soll, dann sind zum einen die privaten Medien selbst gefordert. Oder andererseits der ORF, wenn er einen seiner medialen Kanäle auffrischen, eindämpfen, bunter oder was immer machen will. Und natürlich die heimische Medienpolitik.

Aber eine sinnvolle, österreichische Medienpolitik, die auch als solche bezeichnet werden kann. Doch die gibt es ja nicht.

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