Gesellschaftliche Wandel vollziehen sich üblicherweise eher langsam und vielfach über mehrere Dekaden oder gar Generationen hinweg. Ganz anders sieht das offensichtlich bei unserem Kommunikationsverhalten aus. Das ist allerdings nicht auf gesellschaftliche Brüche oder biographische Zäsuren zurückzuführen, sondern hängt ganz wesentlich von den technischen Möglichkeiten ab und wird vom technologischen Fortschritt klarerweise beschleunigt.
Dennoch überraschen jene Zahlen, welche der Fachbereich Telekommunikation und Post der RTR aus dem aktuellen RTR Internet Monitor Jahresbericht 2025 herausdestilliert und vor kurzem veröffentlicht hat. Demnach versandten die Menschen in Österreich im vergangenen Jahr insgesamt 102,4 Milliarden Chat-Nachrichten. Das sind immerhin um 2,9 Milliarden Chats mehr als 2024 und erstmals wurde damit die Grenze von 100 Milliarden Chats übertroffen. Noch deutlicher fällt der Anstieg allerdings mit Blick auf das Jahr 2023 aus, denn im Zweijahresvergleich macht das Plus sogar 7,9 Milliarden aus. Zu den deutlich mehr als 100 Milliarden Chats gesellen sich weitere 33,7 Milliarden Minuten, die im Jahr 2025 über Messenger-Dienste telefoniert wurden. Auch hier ist ein Anstieg gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen, der fällt aber deutlich geringer als bei den Nachrichten aus.
Auch wenn die Anfänge der Messenger-Services bis in die Mitte der 1990er zurückdatieren, folgten erste massenwirksame Messenger-Dienste, beispielsweise mit dem 2005 gelaunchten Angebot von Blackberry, deutlich später. Mit WhatsApp kam 2009 der erste Instant-Messaging-Dienst auf den Markt, der letztendlich auch die Chat-Welle lostrat. Keine zwei Jahrzehnte später ist nicht nur ganz Österreich, sondern auch der Rest der Welt auf den Chat gekommen.
Technologiebasierte Kommunikation zwischen uns Menschen läuft heute völlig anders ab wie noch vor wenigen Jahren. „Telefonieren wir noch oder chatten wir alle schon?“, formuliert dann auch Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer des RTR-Fachbereichs Telekommunikation und Post, in Anlehnung an einen bekannten Werbeslogan. In der Presseaussendung zu den Daten ergänzt Steinmaurer: „Dieses Nutzungsverhalten spiegelt sich natürlich auch in der Produktwahl der Nutzerinnen und Nutzer wider, die Nachfrage nach mobilen Breitbandanschlüssen mit Flatrate nahm im letzten Jahr ebenfalls, wie zu erwarten, zu.“
Bessere Technik erlaubt zum einen andere, neue Formen der Kommunikation, zum anderen bedingen diese aber auch immer mehr technischen Einsatz und Fortschritt. Beispielsweise sind angesichts des permanenten Anstiegs des Datenvolumens mehr Internetanschlüsse mit immer höheren Bandbreiten erforderlich. Laut den RTR-Zahlen wurden 2025 beispielsweise bereits 37,8 Prozent der Festnetz-Breitbandanschlüsse mit einer Bandbreite von mehr als 1 Gbit/Sekunde, fast drei Viertel aller Anschlüsse mit Bandbreiten ab 100 Mbit/Sekunde angeboten.
Noch ein interessantes Faktum lässt sich aus dem Internet Monitor der RTR ablesen. Das vielfach und immer wieder zu Grabe getragene E‑Mail feiert fröhliche Urständ. Wurden 2024 in Österreich 4,1 Milliarden E‑Mails versandt, stiegt dieser Wert auf rund 4,6 Milliarden im Jahr 2025.
Todgesagte leben eben länger.












