Österreichs Politik will nicht kommunizieren

Picture of Albert Sachs
Albert Sachs
Politikerinnen und Politiker sehen sich gerne in den Medien. Aber mit Kommunikation und der Kommunikationszunft wollen sie nichts zu tun haben. Eine Brancheninitiative will das ändern.

Beitrag teilen:

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dieser Satz steht an erster Stelle der fünf Axiome Paul Watzlwicks zur Kommunikation. In der Kommunikationswissenschaft gilt er also so zentral und so unwiderlegbar, dass er gleich am Beginn jeder Einführungsvorlesung ins studentisch kommunikationswissenschaftliche Stammbuch geschrieben wird. Dieser Lehrsatz des großen österreichischen Wissenschaftlers gilt als unumstößlich. Nein, galt als unumstößlich. Denn es oblag und obliegt ausgerechnet der österreichischen Politik, das Gegenteil zu Watzlawicks universeller These zu beweisen.

Denn im Wesentlichen drängt sich bei österreichischen Mandatarinnen und Mandataren beinahe aller Parteien der Eindruck auf, Themen aus den Kommunikationsdisziplinen, Probleme der Medien, Fragen aus der Marketing- und Werbebranche interessieren sie einfach nicht. Gut, abgesehen von den Botschaften, die Parteisekretariate und noch der letzte Hinterbänkler loswerden wollen, vom ORF und möglicherweise auch noch von dem immer näher an die Politik heranrückenden Herausgeberverband VÖZ.

Aber mit den Niederungen der breitgefächerten Kommunikationsbranche, von der PR bis zu den Digitalmedien, von der Werbung bis zur Künstlichen Intelligenz mögen sich die BerufspolitikerInnen in unserem Land nicht wirklich befassen. Daher kommt bei den Gesetzen und Verordnungen für diese Zünfte auch das heraus, was eben herauskommt. Von Werbeverboten über die DSGVO bis hin zum AI Act. Großteils unbrauchbarer Auflagenwirrwarr, marktferne Richtlinien und wettbewerbshemmende Vorgaben.

Österreichs Marktkommunikationswirtschaft will das nun ändern. Will sich endlich Gehör bei der Politik verschaffen. Drängt auf Parteienstellung bei Gesetzesinitiativen. Und das in einer bisher nie dagewesenen Einigkeit und Geschlossenheit. Die Branchen- und Interessensverbände CCA (Creativ Club Austria), DMVÖ (Direktmarketing Verband Österreich), IAA (International Advertising Association), iab (internet advertising bureau), MCÖ (Marketing Club Österreich), ÖMG (Österreichische Marketinggesellschaft), PRVA (Public Relations Verband Austria) und der Österreichische Werberat (ÖWR) präsentieren dieser Tage den Parlamentsparteien einen Katalog, der sie auffordert, im Vorfeld von Gesetzesvorhaben für die Kommunikationsbranche auch mit dieser in einen Dialog zu treten. Dieses Papier enthält sogar eine Liste konkreter GesprächspartnerInnen aus dem Marketing- und Werbesektor, die sich der Politik als „Sparringpartner“ zur Verfügung stellen wollen.

Das Anliegen der Kommunikations-Verbände ist nicht nur verständlich, sondern mehr als berechtigt. Es schwillt die Hoffnung. Allein der rechte Glaube an Gehör, gar Handeln auf Seite der Politik fehlt. Man denke nur an das ewige Dauerprovisorium Werbeabgabe. Oder an die ebenso rasant umsichgreifende, wie lächerliche Mode, bei Pressekonferenzen keine Fragen zuzulassen.

Die Politik will ihre Themen kommunizieren. Aber sie will nicht kommunizieren. Natürlich lässt sich dieses Verhalten der heimischen Politikerinnen und Politiker gegenüber Kommunikationsthemen, gegenüber Journalistinnen und Journalisten deuten. Als Unverständnis. Als Ahnungslosigkeit. Als Feigheit vor dem Gegenüber. Als nicht Befassen-wollen mit einer bestimmten Materie. Als pure Arroganz.

Watzlawick hat doch recht: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ 

Beitrag teilen:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen