Herr John, Sie haben LOOP im Alter von nur 19 Jahren gegründet. Wollten Sie schon immer so jung ein Unternehmen gründen und leiten oder wie kam es konkret dazu?
Michael John: Nein, habe ich nie vorgehabt. Ich glaube, das ist vielleicht auch was die Agentur ausmacht. Ich bin jetzt nicht der Typ, der irgendwann am Tisch gesessen ist und sich einen Business Plan gemacht und gesagt hat: “Ich möchte ein Unternehmen gründen“. Eigentlich hatte ich nur eine Leidenschaft. Ich bin schon mit 14 Jahren daheim gesessen und habe mit dem ersten Computer, den mir meine Eltern gekauft haben, versucht, kleine Websites zu programmieren. Während andere Kinder Computer spielten, habe ich mich mit Grafikprogrammen und Co. beschäftigt. Ich habe später gemeinsam mit Florian Dietl, meinem jetzigen Partner im Unternehmen, über einige Jahre Webseiten erstellt. Irgendwann war das Ganze in einer Dimension, wo wir das Gefühl hatten, jetzt können wir eine GmbH gründen.
Wie haben Sie während der Gründungsjahre von LOOP Ihr Know-How erlangt, um ein großes und erfolgreiches Unternehmen leiten zu können?
John: Ich glaube erstens einmal, dass die Agentur sehr anders geführt ist als andere Unternehmen und ich glaube, das zeichnet uns aus. Das hat sicher viel mit mir zu tun, aber auch mit den Leuten, die mich umgeben und das in einer gewissen Art und Weise nie gelernt haben. Ich glaube wir sind alle Menschen, die es sehr gut meinen. Ich sage immer, das Unternehmen ist so geführt, dass wir uns jeden Tag wieder fragen: „Ist es ein Unternehmen, in dem wir selbst jeden Tag arbeiten wollen würden?“ Und wenn wir die Frage mit Ja beantworten können, dann glauben wir, dass wir es richtig machen. Workflow, Struktur, wie man das alles macht, haben wir im Grunde nicht aus irgendwelchen Studien, Büchern oder anderen Unternehmen gelernt. Wir haben die Agentur so aufgebaut, wie wir denken, dass es richtig ist.
Diversität spielt heutzutage eine immer wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt. Wie wird das bei LOOP gehandhabt?
John: Wir haben mittlerweile einen strengen Code of Conduct. Das heißt, wir setzen sehr viel darauf, inklusives Marketing zu machen. Wir haben klare Regelungen ob Aufträge angenommen werden oder nicht. Da wir auch sehr viele MitarbeiterInnen aus verschiedenen Ländern beschäftigen, ist Inclusion und Diversity bei uns ein sehr wichtiges Thema.
Wie sieht das Verhältnis von Frauen und Männern in Ihrer Agentur aus?
John: Unser Team besteht zu 61 Prozent aus Frauen und 39 Prozent aus Männern. In der Führungsetage sind 63 Prozent Frauen und 37 Prozent Männer. Wir machen tatsächlich keinen Unterschied. Die Realität ist natürlich, wenn wir eine Backend-Developer Stelle ausschreiben, dass die meisten Bewerbungen von Männern kommen. Wenn wir einen Job im Social Media-Bereich ausschreiben, bekommen wir unglaublich viele weibliche Bewerbungen. Wir achten aber darauf, dass wir die Teams ausgeglichen halten.
Im Zuge der DMEXCO 2021 war die immer größer werdende Popularität von TikTok als Werbefläche ein Thema. Wie sehen Sie diese Entwicklungen?
John: TikTok ist für uns schon längst eine Riesensache. Wir arbeiten viel mit TikTok Influencern, im Auftrag unserer KundInnen, zusammen. Ich würde jetzt nicht sagen TikTok ist im Kommen, sondern bei uns ist TikTok schon längst angekommen. In Österreich vielleicht noch nicht so ganz, aber bei globalen Brands ist TikTok nichts mehr, was als neu und kommend bezeichnet werden würde.
Wie gehen Sie an die Veränderungen im Social Media-Bereich heran und wie entscheiden Sie, ob Sie Ihren KundInnen neue Plattformen empfehlen?
John: Grundsätzlich würde ich sagen, dass große Marken eigentlich alles nutzen müssen und es sich nicht leisten können, etwas wegzulassen. Überall wo es User gibt, muss man vertreten sein. Wenn du eine Plattform auslässt, heißt das, du erreichst Millionen von potenziellen KundInnen nicht. Wenn eine Marke das absolut „Best Digital Game“ spielen möchte, dann muss jeder noch so kleine Channel genutzt werden. Denn gerade die kleineren Channels verfügen über spezifischere Zielgruppen. Von dem her würde ich dazu raten, alle Channels zu nutzen. Aber in welchem Ausmaß, das stattfinden soll, muss in der Social Media-Strategie klar definiert werden.
Internet World Austria berichtet in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Carolin Kührer und Katharina Lohr geführt.












