Künstliche Intelligenz gewinnt bei der Suche nach lokalen Unternehmen an Bedeutung. 41 Prozent der Deutschen verwenden bereits KI-Tools, um Restaurants, medizinische Angebote oder Geschäfte in ihrer Umgebung zu finden. Damit hat sich KI laut einer aktuellen Studie des Plattformanbieters Yext zum zweitwichtigsten Suchkanal hinter klassischen Suchmaschinen entwickelt.
Diese werden weiterhin von 77 Prozent der Befragten genutzt. KI-Anwendungen liegen jedoch bereits knapp vor sozialen Medien, die 39 Prozent für die lokale Suche einsetzen. Die Ergebnisse deuten damit weniger auf eine Verdrängung bestehender Kanäle als auf ein zunehmend hybrides Suchverhalten hin.
Nutzung von KI-Tools steigt deutlich
84 Prozent der KI-Nutzer geben an, entsprechende Anwendungen heute häufiger zu verwenden als noch vor einem Jahr. Auch unter den bisherigen Nicht-Nutzer besteht Potenzial für weiteres Wachstum: 48 Prozent können sich vorstellen, innerhalb der kommenden sechs Monate erstmals KI für die lokale Suche einzusetzen.
Die Technologie dient dabei nicht nur der Informationsbeschaffung, sondern beeinflusst zunehmend konkrete Entscheidungen. 27 Prozent der Befragten, die KI für lokale Suchanfragen verwenden, haben in den vergangenen sechs Monaten ein neues Unternehmen aufgrund einer KI-Empfehlung besucht oder kontaktiert.
Besonders stark zeigt sich dieser Effekt in der Gastronomie. 48 Prozent der entsprechenden Nutzer wurden dort durch eine KI-Empfehlung zu einer Kontaktaufnahme oder einem Besuch bewegt. Im Einzelhandel beträgt der Anteil 44 Prozent, bei Gesundheitsangeboten wie Arztpraxen und Apotheken 37 Prozent.
„Marken müssen durch eine verlässliche Informationsbasis sicherstellen, dass sie in der KI-Suche sichtbar sind, sonst existieren sie für einen Teil der Suchenden schlichtweg nicht“, erklärt Armin Doll, Director Solutions Engineering EMEA bei Yext. „KI verändert dabei nicht nur, wie Menschen suchen – sondern zunehmend auch, wie sie entscheiden. Besonders in der lokalen Suche wird dieser Einfluss bereits messbar.“
Vertrauen wächst, vollständige Kontrolle bleibt selten
79 Prozent der Befragten vertrauen den Aussagen von KI-Systemen zumindest teilweise. Auf einer fünfstufigen Skala erreicht Deutschland einen Vertrauenswert von 3,92 Punkten und liegt damit leicht über dem globalen Durchschnitt von 3,85 Punkten. Nur elf Prozent geben jedoch an, KI-Aussagen vollständig zu vertrauen.
51 Prozent der deutschen Nutzer berichten, dass ihr Vertrauen in die Technologie innerhalb des vergangenen Jahres gestiegen ist. Gleichzeitig sind 19 Prozent skeptischer geworden. Im internationalen Vergleich weist Italien mit 3,69 Punkten den niedrigsten Vertrauenswert unter den in der Studie berücksichtigten Märkten auf.
Das grundsätzlich vorhandene Vertrauen führt nur selten dazu, dass KI-Empfehlungen ohne weitere Prüfung übernommen werden. Lediglich vier Prozent handeln unmittelbar auf Grundlage einer Empfehlung. 96 Prozent ziehen vor einer Kaufentscheidung zusätzliche Informationen heran.
Am häufigsten werden klassische Suchmaschinen zur Überprüfung genutzt. Sie werden von 50 Prozent der Befragten konsultiert. 48 Prozent besuchen die Website des empfohlenen Unternehmens, 33 Prozent prüfen die von der KI genannten Quellen und 25 Prozent berücksichtigen Bewertungen. Weitere 24 Prozent stellen dem KI-System zusätzliche Fragen, um die Empfehlung genauer einzuordnen.
KI entwickelt sich damit zu einem wichtigen Ausgangspunkt der lokalen Suche, übernimmt aber noch nicht die Rolle einer alleinigen Entscheidungsinstanz.
Aktuelle Bewertungen beeinflussen die Conversion
Ob eine KI-Empfehlung tatsächlich zu einem Besuch, einer Kontaktaufnahme oder einem Kauf führt, hängt der Studie zufolge stark von den anschließend verfügbaren Informationen ab. Eine zentrale Rolle spielen Bewertungen.
Für 32 Prozent der deutschen Befragten ist die Aktualität der Rezensionen der wichtigste Faktor bei der Kaufentscheidung. Sie liegt damit vor der durchschnittlichen Sternebewertung, die für 28 Prozent entscheidend ist. Die Anzahl der Bewertungen folgt mit 26 Prozent. Inhalt und Tonalität sind für 21 Prozent besonders relevant.
„Unternehmen mit wenigen, aber aktuellen Bewertungen sind gegenüber jenen mit umfangreichen, aber veralteten Bewertungen im Vorteil“, erklärt Doll. „Reviews werden damit zum entscheidenden Bindeglied zwischen KI-Sichtbarkeit und tatsächlicher Conversion.“
Für Unternehmen entsteht dadurch eine zweistufige Herausforderung. Zunächst müssen korrekte und konsistente Informationen so verfügbar sein, dass sie von KI-Systemen verarbeitet und in Antworten eingebunden werden können. Anschließend müssen Unternehmenswebsite, Bewertungen und weitere externe Quellen die Empfehlung bestätigen.
Lokale Suche wird zum hybriden Prozess
Die Ergebnisse zeigen, dass sich KI als zusätzlicher Zugang zur lokalen Suche etabliert. Klassische Suchmaschinen, Unternehmenswebsites und Bewertungsplattformen bleiben jedoch relevant, da sie von Nutzer zur Überprüfung der KI-Antworten herangezogen werden.
Für lokale Anbieter gewinnt neben der klassischen Suchmaschinenoptimierung daher die Frage an Bedeutung, wie Unternehmensinformationen in KI-basierten Such- und Antwortsystemen dargestellt werden. Veraltete Öffnungszeiten, unvollständige Standortdaten oder widersprüchliche Angaben können die Sichtbarkeit ebenso beeinträchtigen wie fehlende aktuelle Bewertungen.
Die Untersuchung basiert auf einer 2026 durchgeführten Onlinebefragung von 3.848 Erwachsenen weltweit, die nach lokalen Unternehmen suchen. Die Teilgruppe der Personen, die im vorhergehenden Monat KI für die lokale Suche genutzt hatten, umfasste je nach Frage zwischen 1.628 und 1.634 Befragte.
Für Deutschland wurden 909 Personen befragt. Die deutsche Teilgruppe der KI-Nutzer bestand je nach Frage aus 357 bis 362 Personen. Nach Angaben von Yext sind die Resultate als Richtwerte zu verstehen und nicht uneingeschränkt auf die Gesamtbevölkerung übertragbar.
Weitere Ergebnisse zum Report gibt es hier und der vollständige Report kann hier heruntergeladen werden.














