Dieses Ergebnis ist ebenso wichtig wie überraschend: Für die überwiegende Mehrheit der Befragten einer aktuellen Umfrage des renommierten Meinungsforschungs-Instituts Allensbach ist guter Journalismus wichtig für die Gesellschaft und das Funktionieren der Demokratie. Nicht weniger als 91 Prozent der Befragten ordnen demnach guten Journalismus als sehr wichtig (56 Prozent) oder wichtig (35 Prozent) für das Funktionieren der Demokratie ein. Knapp neun von zehn Befragten stufen ihn als sehr wichtig (53 Prozent) oder wichtig (35 Prozent) für die Gesellschaft ein. Und immerhin 54 Prozent unterstreichen laut der Umfrage (n= 1.093) die Aussage, Zeitschriften und Zeitungen wirken der Spaltung der Gesellschaft entgegen.
Auch wenn es sich bei der repräsentativen Umfrage um eine Befragung für Deutschland handelt, die im Auftrag des Medienverbandes der freien Presse (MVFP) im Vorfeld zu dessen Kongress in Berlin (6. und 7. Juni) durchgeführt werde, sind diese Ergebnisse nicht hoch genug zu bewerten und sollten all jenen ins Stammbuch geschrieben werden, die sich nur allzu gerne abfällig über die Medienlandschaft, einzelne Medien, vor allem aber zu Journalistinnen und Journalisten äußern.
Gesunde Medien, eine vielfältige Medienlandschaft, unabhängiger Journalismus sind fundamentale Elemente für eine demokratische Gesellschaft. Das gilt für Deutschland. Das gilt für Österreich. Und es gilt ganz besonders in einer Zeit, in der immer mehr Medien aus dem Markt verschwinden, in der deren Existenz in Frage gestellt wird, ihnen die wirtschaftlichen Grundlagen entzogen und rechtliche Spielräume beschnitten werden sollen. Das gilt vor allem für und die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten. Speziell dann, wenn sie persönlich mehr und mehr diskreditiert, ja sogar lächerlich gemacht werden, ihre Integrität in Frage gestellt wird, ihnen Konsequenzen unterschiedlichster Art angedroht werden. Wenn ihre Recherchen in schiefes Licht gerückt, an deren Ergebnissen grundsätzlich Zweifel angebracht und Fakten ins Lächerliche gezogen werden.
Fast zwei Drittel (64 Prozent) nehmen laut der Allensbach-Umfrage ein steigendes Misstrauen gegenüber etablierten Medien wahr, mehr als die Hälfte (56 Prozent) sieht in den Anfeindungen von Journalistinnen und Journalisten Anzeichen für eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft.
Die Allensbach-Umfrage unterstreicht, „wie bedeutend unabhängiger Journalismus und etablierte Medien als Vertrauensanker für das Funktionieren der Demokratie sowie für die Gesellschaft sind“, formulieren die AuftraggeberInnen der Studie. Eine Gesellschaft hingegen, die als zunehmen polarisierte eingeschätzt wird, „kann sich nur schwer auf der Basis von Fakten verständigen und andere Meinungen respektieren. Das ist Gift für die Demokratie.”
In der Allensbach-Studie ist auch viel von gesellschaftlicher Spaltung die Rede. Im Gegensatz zum Journalismus sagen dann auch 89 Prozent, dass Soziale Medien die Spaltung der Gesellschaft verstärken, Influencer und die Plattform X tun diese für jeweils 86 Prozent, Internetforen immerhin für 82 Prozent. Im Gegensatz zu diesen Ergebnissen wünscht sich die überwältigende Mehrheit mehr Respekt und Fairness, zeigt sich besonders besorgt über Hass und Hetze im Netz.
Die Bevölkerung vertraut außerdem etablierten Quellen wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern und deren Informationen, auch wenn diese in Web-Kanälen ausgespielt werden, weitaus mehr als diversen neuen Informationsangeboten.
Das Fähnlein der freien Presse sollte daher unter allen Umständen und speziell im Interesse des gesellschaftlichen Miteinanders geschätzt und aufrechterhalten werden. Einschränkende oder gar zensorische Maßnahmen entspringen nicht nur Allmachtsfantasien und sind zu verurteilen, sie schaden auch jeder Gesellschaft und deren möglichst harmonischem Miteinander.
So gesehen, sind die Daten der Allensbach-Studie nicht hoch genug zu bewerten und geben Anlass zur Hoffnung.












