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Gerhard Kürner, CEO von 506.ai

Gerhard Kürner, 506.ai: „Neben der Welt, in der wir heute Marketing machen, entsteht gerade eine zweite Welt.”

Gerhard Kürner ist CEO von 506.ai und Speaker beim B2B Marketing Forum am 23. April in Wien. Im Interview spricht er über B2B Marketing aus seiner Sicht und verrät, worum es in seiner Keynote gehen wird. Schnell die letzten Tickets sichern!

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Was hältst du von der Idee, eine eigene Konferenz zum Thema B2B Marketing zu lancieren?

Gerhard Kürner: Wurde höchste Zeit. B2B Marketing war jahrelang das Stiefkind. Alle reden über D2C, Creator Economy, Performance Ads auf TikTok. Aber die Realität ist: Der Großteil der Wirtschaft ist B2B. Und genau dort passiert gerade der größte Umbruch, den ich in dreißig Jahren erlebt habe. Dass es jetzt ein eigenes Forum dafür gibt, zeigt: Die Branche hat begriffen, dass sie eigene Antworten braucht. Nicht die aufgewärmten Konzepte aus dem Consumer-Marketing, sondern ein echtes Verständnis dafür, was KI im B2B konkret verändert. Und das ist weit mehr, als die meisten ahnen.

Was ist der Kern deiner Keynote und welche zentrale Erkenntnis sollen die Teilnehmer:innen mitnehmen?

Kürner: Der Kern ist: Neben der Welt, in der wir heute Marketing machen, entsteht gerade eine zweite Welt. Eine Welt, in der virtuelle KI-Kollegen miteinander kommunizieren. Dein digitaler Vertriebsmitarbeiter spricht mit dem KI-Einkäufer deines Kunden. Dein Content-Kollege bespielt Kanäle, die kein Mensch mehr manuell bespielen könnte. Das ist kein Science-Fiction, das passiert gerade. Die meisten Unternehmen sind noch in der Phase „Wir nutzen ChatGPT für Texte”. Das ist, als hätte man 1995 gesagt: „Internet? Ja, wir haben eine E‑Mail-Adresse.” Die zentrale Erkenntnis soll sein: Es reicht nicht, bestehende Prozesse mit KI zu beschleunigen. Marketer müssen verstehen, dass eine komplett neue Disziplin entsteht. Wer das nicht begreift, optimiert das Pferd, während andere das Auto bauen.

Welche konkreten Herausforderungen im B2B-Marketing siehst du 2026?

Kürner: Die größte Herausforderung ist, dass Marketer plötzlich drei Jobs gleichzeitig machen müssen. Erstens: Das klassische Geschäft. Lead Generierung, Kampagnen, Brand Building. Das bleibt, aber es muss schneller und besser werden. Und genau dafür gibt es jetzt digitale KI-Teammitglieder. Ein virtueller Kollege, der deine Leads qualifiziert, Kampagnen in Echtzeit optimiert, personalisierte Inhalte erstellt. Nicht als Tool, das du bedienst, sondern als Teammitglied, das eigenständig arbeitet. Das hebt bestehende Prozesse auf ein Niveau an Geschwindigkeit und Qualität, das vorher schlicht nicht möglich war. Zweitens: Die zweite Welt verstehen. Es entsteht gerade ein Netzwerk aus KI-Akteuren, die miteinander interagieren. Digitale Einkäufer, die Angebote evaluieren. Virtuelle Recherche-Kollegen, die Anbieter vergleichen. Wer in dieser Welt nicht vorkommt, existiert nicht. Das ist eine völlig neue Disziplin, für die es noch kein Playbook gibt. Und drittens: Marketer müssen technischer werden. Nicht im Sinne von Programmieren lernen, sondern im Sinne von: Wenn du eine Datenanalyse brauchst, baust du dir die Lösung selbst. Wenn du ein Reporting brauchst, erstellst du es selbst. Die Zeit, in der Marketing ein IT-Ticket schreiben musste, um an seine eigenen Daten zu kommen, ist vorbei. KI macht Marketer zu Buildern.

Wie kombinierst du in deiner Arbeit technologische Trends mit langfristiger Marken- und Vertrauensbildung?

Kürner: Indem ich Technologie nie als Ersatz für Haltung verstehe. Technologie ist ein Werkzeug. Sie kann dir helfen, schneller, präziser und relevanter zu sein. Aber sie kann dir keine Identität geben. Gleichzeitig glaube ich, dass Technologie-Entscheidungen heute Marken-Entscheidungen sind. Wir bauen mit 506.ai und Kollega deshalb digitale KI-Teammitglieder, die europäischen Unternehmen den Rücken stärken. DSGVO-konform, in Europa gehostet, als virtuelle Kolleg:innen, nicht als anonyme SaaS-Tools aus dem Silicon Valley. Wem du deine Daten anvertraust, sagt etwas über deine Marke aus. Und dann gibt es den praktischen Aspekt: Vertrauensbildung im B2B lebt von Kompetenz und Geschwindigkeit. Wenn dein digitaler Kollege eine Anfrage in Minuten statt Tagen qualifiziert, wenn deine Datenanalyse in Echtzeit passiert statt in wöchentlichen Reports, dann baut das Vertrauen auf. Nicht weil es KI ist, sondern weil der Kunde merkt: Die sind vorbereitet, die verstehen mich, die sind schnell.

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten B2B-Marketing-Trends für 2026 und warum sollten Unternehmen sie jetzt priorisieren?

Kürner: Erstens: Die zweite Welt. Es entsteht gerade eine parallele Ebene neben unserer. Eine Ebene, in der virtuelle KI-Kollegen miteinander verhandeln, evaluieren, entscheiden. Dein Unternehmen muss in dieser Welt präsent und sichtbar sein. Das ist eine komplett neue Marketing-Disziplin, und wer jetzt nicht anfängt, sie zu verstehen, wird in zwei Jahren unsichtbar sein. Zweitens: Digitale Teammitglieder für bestehende Prozesse. Lead Qualification, Kampagnensteuerung, Content-Erstellung, Kundenansprache. All das wird durch autonome KI-Kolleg:innen auf eine Geschwindigkeit und Qualität gehoben, die mit menschlichen Teams allein nicht erreichbar ist. Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen. Es geht darum, Teams so zu verstärken, dass sie das tun können, was sie am besten können. Drittens: Der Marketer als Builder. Datenanalyse, Reporting, Automatisierung. Für all das brauchst du bald keine eigene Software mehr und kein IT-Ticket. Du beschreibst, was du brauchst, und die KI baut es dir. Marketer werden zu den agilsten Abteilungen im Unternehmen, wenn sie das begreifen. Und viertens: European Sovereignty als Wettbewerbsvorteil. Wer als europäisches Unternehmen auf europäische KI setzt, schafft Vertrauen. Bei Kunden, bei Partnern, bei Regulatoren. Das ist kein Compliance-Thema. Das ist ein Markenthema. Warum jetzt priorisieren? Weil die Unternehmen, die heute anfangen, in zwölf Monaten einen Vorsprung haben, der nicht mehr aufzuholen ist.

Das B2B Marketing Forum findet am 23. April im Haus der Ingenieure Wien. Hier geht es zum Ticketshop und hier zum Programm.

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