Du sprichst in deiner Keynote über Flow und die „Leichtigkeit des Seins“. Viele Menschen erleben aktuell aber eher Druck, Unsicherheit und permanente Veränderung. Wie gelingt es trotzdem, ins eigene Potenzial zu kommen?
Lizz Görgl: In erster Linie findet man sein eigenes Potential und den eigenen Flow vor allem in sich selbst. Die Fokussierung spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Im Sport habe ich gelernt, dass ich meinen Fokus immer nur auf das lenke, was ich selbstverantwortlich beeinflussen kann. Somit komme ich in die Eigenmacht und Selbstführsorge und steige aus einem „Onmachtsgefühl“, welches ja der absolute „Flowkiller“ ist, aus. Ich behaupte, dass das, was wir glauben zu können und zu sein ein Bruchteil von dem ist, was in uns steckt. Es geht immer um die Frage der Fokussierung und um die Frage: „Was schlummert in meinem tiefstes Inneren?“
In deiner Keynote beim Staatspreis Marketing 2026 sprichst du vom sognannten „Flow“. Was dürfen sich die ZuhörerInnen darunter vorstellen und was können die TeilnehmerInnen für ihre tägliche Arbeit mitnehmen?
Görgl: Ich bin der Meinung, dass Flow unsere ureigenste Natur ist. Die Behauptung stützt sich auf Beobachtungen von Kindern, die, wenn ihre Grundbedürfnisse gestillt sind und sie sich sicher fühlen, im Dauerflow sind. Irgendwann auf unserem Weg haben wir diese Fähigkeit mehr oder weniger verloren. Flow ist ein widerstandsfreies Leben im Einklang mit sich selbst und der Umgebung, basierend auf einem intuitiven Grundgefühl und ein Zustand in dem scheinbar undenkbare Leistungen mühelos passieren. Der ungarische Wissenschafter und Begründer der Flowtheorie Mihály Csíkszentmihályi geht von einem ausbalancierten Ideal zwischen Leistungsvermögen und Herausforderung aus, dem sogenannten Flow-Kanal – in dem die totale Potentialentfaltung möglich wird.
Marketing und Spitzensport wirken auf den ersten Blick wie zwei unterschiedliche Pole. Welche Parallelen siehst du?
Görgl: Ich denke, in beiden Bereichen geht es um Exzellence, „Zug zum Tor“ und Flexibilität, die wiederum Kreativität voraussetzt. Der Anspruch ist in beiden Bereichen sehr hoch, vor allem, wenn man zu den Besten gehören will.
Beim Marketingtag und dem Staatspreis Marketing treffen heuer viele Menschen zusammen, die Marken gestalten, Teams führen und Innovation vorantreiben. Was möchtest du diesen Entscheider:innen aus deiner eigenen Karriere mitgeben?
Görgl: Ich freue mich, wenn der individuelle und kollektive Anspruch insgesamt der ist, dass jegliche Entscheidung zum eigenen und zum höchsten Wohl für Alle getroffen wird und dabei das große Ganze im Blickfeld bleibt. Zu oft wird in unserem System sehr kurzfristig, reagiert, anstatt konstruktiver Aktion.
In deinem neuen Buch „Die Magie des Flows“ beschäftigst du dich auch mit Hindernissen und Unterstützern auf dem Weg zur Höchstleistung. Was sind aus deiner Sicht die größten „Flow-Killer“ im Berufsalltag?
Görgl: Ein absoluter Flowkiller ist „Stress“ oftmals begünstigt durch „sich selbst zu wichtig zu nehmen, indem man 1.000 Dinge gleichzeitig macht. „Das sich für sich selbst Zeit nehmen“ ist laut Hirnwissenschaftler Dr. Bernd Hufnagl essenziell für kreative, emphatische und reflektierte Problemlösungen. Hier empfiehlt auch er: „mehrmals am Tag fünfminütige Pausen, die man mit sich alleine verbringt. Fokussiert eins nach dem anderen zu machen, bringt mehr Erfolg auf lange Sicht und gewehrt langfristig Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Hier gibt es aber noch viele weitere Dinge, nachzulesen im Buch.
Du hast dich nach deiner aktiven Karriere immer wieder neu erfunden – als Speakerin, Coach, Sängerin und Autorin. Wie wichtig ist Mut zur Veränderung, um langfristig erfolgreich und erfüllt zu bleiben?
Görgl: Ich denke, Mut ist etwas, was ich schon früh auf meinem Weg entwickelt habe und für meinen Sport absolut nötig war. Natürlich hilft mir ein lebensbejahender, mutiger Zugang auch in meinem aktuellen Leben. Wenn ich den Begriff Mut sogar in Bezug stellen darf zu einer Illustration in unserem Buch, dann ist „mutig sein“, auch gegenüber etablierten Denkkonstrukten der absolute Gamechanger, denn er lässt mich aus einem Mangelbewusstsein in ein Füllebewusstsein gleiten. Dazu aber mehr auf Seite 81 in „Die Magie des Flows – Wie Sie über sich selbst hinauswachsen”. Letztlich ist alles eine Frage, der Dinge, derer ich mir bewusst werde.
Hier geht es zum Ticketshop des Marketingtag 2026, der am 8. Juni in der Stage 3 in Wien stattfinden wird. Im Anschluss findet die Verleihung des Staatspreis Marketing 2026 statt, hier geht es zum Ticketshop.













