Der Staatspreis Marketing gilt als höchste staatliche Auszeichnung für Marketing in Österreich – was bedeutet so ein Preis heute überhaupt noch in einer Branche, die sich permanent verändert?
Mathias Kniepeiss: Gerade weil sich alles ändert, brauchen wir Fixpunkte. Der Staatspreis ist genau das: ein Maßstab, an dem sich messen lässt, was wirklich funktioniert hat. In einer Zeit, in der jeder mit einem Prompt eine Kampagne behaupten kann, wird es wichtiger denn je, exzellente Arbeit von beliebiger Arbeit zu trennen.
Der Marketingtag findet unmittelbar vor der Staatspreis-Gala statt und versteht sich als Ort für Austausch, Trends und Inspiration. Was erwartest du dir persönlich von diesem Tag?
Kniepeiss: Ich erwarte mir Gespräche mit Menschen, die KI nicht mehr nur ausprobieren, sondern damit produzieren – mit echten Cases, echten Fehlschlägen, echten Learnings. Der Marketingtag ist für mich der Ort, an dem man in zwei Stunden Flurgespräch mehr lernt als in zwei Wochen LinkedIn-Scrollen.
Was sollten Besucher:innen aus deinem Vortrag unbedingt mitnehmen?
Kniepeiss: Drei Dinge. Erstens: Es gibt nicht „die KI” – es gibt fünf konkrete Content-Engines (Textto-Image, Image-to-Image, Text-to-Video, Image-to-Video, Video-to-Video), und jede löst ein anderes Problem. Wer das verstanden hat, hört auf zu spielen und beginnt zu produzieren. Zweitens: Die Qualität ist da. Die Frage ist nicht mehr „geht das mit KI?”, sondern „warum machen wir es noch nicht?”. Drittens: Der Engpass ist nicht das Tool, sondern die Vorstellungskraft. Wer keine starke Idee hat, dem gibt KI auch keine – sie macht nur sichtbar, dass sie fehlt.
Wenn KI-Content mittlerweile qualitativ mit klassischer Produktion konkurriert: Welche kreativen oder strategischen Fähigkeiten werden für Marketingteams künftig wichtiger als reine Produktionsskills – und wo bleibt der Mensch unersetzbar?
Kniepeiss: Wichtiger werden Geschmack, Konzeptstärke und visuelle Bildung. Die Maschine kann alles produzieren – aber sie weiß nicht, was es wert ist, produziert zu werden. Wer nicht erkennt, ob ein Bild funktioniert oder kitschig ist, wird mit KI noch schneller schlechte Ergebnisse liefern. Das zweite Skill: Regie führen. Ein KI-System ist wie ein extrem talentiertes, aber orientierungsloses Team – es braucht jemanden, der die Vision hält. Unersetzbar bleibt der Mensch dort, wo es um Bedeutung geht: Warum erzählen wir diese Geschichte, für wen, mit welcher Haltung?
Wenn du an die Marketingwelt 2030 denkst: Welche Fähigkeit wird für Marketer:innen wichtiger sein als jedes Tool oder jede Plattform?
Kniepeiss: Die Fähigkeit, schneller zu denken als die Tools sich verändern. Konkret: kreative Klarheit. Wer 2030 noch erfolgreich Marketing machen will, braucht eine glasklare Antwort auf die Frage „Was will ich eigentlich sagen – und wie setzen wir das um?”. Tools werden austauschbar, Plattformen kommen und gehen, Algorithmen drehen sich monatlich. Was bleibt: der Mensch, der eine Idee hat, die es wert ist, verstärkt zu werden
Hier geht es zum Ticketshop des Marketingtag 2026, der am 8. Juni in der Stage 3 in Wien stattfinden wird. Im Anschluss findet die Verleihung des Staatspreis Marketing 2026 statt, hier geht es zum Ticketshop.














