Dass Elon Musk verhaltensauffällig ist, ist jetzt nichts Neues, aber was er dieser Tage in Sachen X, also der Plattform formerly known as Twitter, von sich gibt, ist schon beachtlich. X soll neben seiner ursprünglichen Funktion als Kurznachrichtendienst auch eine bedeutende Finanzplattform werden und außerdem Plattformen YouTube, LinkedIn und Cision PR Newswire heftig Konkurrenz machen. X ist also – wenn man die Ankündigungen von Musk Glauben schenken darf – auf dem besten Weg zu einer All-in-One-App.
Musk, dem man zu Gute halten muss, dass er Tesla auf beeindruckende Art und Weise auf- und ausgebaut hat und die Marke mehr oder minder zum Synonym für Elektrofahrzeuge gemacht hat, hat es in seinem Business Life noch nie an Selbstvertrauen gemangelt. Und unabhängig davon nutzt er die Öffentlichkeit auch oft dazu, um uns alle ein wenig aufzuwecken und aufzuschrecken. So in die Richtung: „Na, wenn der Musk das sagt, dann wird es schon Hand und Fuß haben!” Muss es aber nicht: Vielleicht dienen die vollmundigen Ankündigungen nur dazu, um die Glaubwürdigkeitsprobleme von X einzudämmen, um die in Scharen davongelaufenen Werbekunden von Twitter wiederzugewinnen, um X generell in den Medien zu halten und das Konkurrenzumfeld in den unterschiedlichsten Feldern ein wenig das Fürchten zu lehren.
Selten passte das Bild von „Genie und Wahnsinn” so sehr, wie bei Elon Musk. Scheinbar wahllos entließ er einst MitarbeiterInnen von X, stieß Werbekunden vor den Kopf, führte neue X‑Gebühren ein und denkt coram publico ständig über neue Bezahlfunktionen für die EndkundInnen nach. Die Aufmerksamkeit ist ihm sicher, weil Elon Musk eben Elon Musk ist. Weil Elon Musk die Explosion einer SpaceX-Rakete als Erfolg verkaufen kann. Weil Elon Musk mit einem rausgerissenen Waschbecken in der Twitter-Zentrale rumlaufen kann und Medien in aller Welt diese Bilder transportieren. Und weil Elon Musk Grimassen wie der Batman-Widersacher Joker macht und wir alle uns nichts weiter dabei denken.
Elon Musk ist schon irgendwie ein cooler Hund. Aber die Chancen, dass X wirklich die zentrale Plattform für so ziemlich alles wird, stehen 50 Prozent zu 50 Prozent. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.











