Europa schnuppert beim autonomen Fahren bestenfalls am Auspuff von Google

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Albert Sachs
Während europäische Hersteller unendlich viele Testkilometer für autonomes Fahren abspulen, läuft in den USA und neuerdings auch in China längst der erfolgreiche Echtbetrieb.

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Die Niederlande preschen vor. Die Straßensicherheitsbehörde des Landes, RDW, hat als erste in Europa ein System für automatisiertes Autofahren zugelassen. Das könnte der Durchbruch für autonomes Fahren in Europa sein. Doch bezeichnenderweise gilt die Zulassung der niederländischen Behörde für das Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ der Kategorie Supervised/Überwacht für ein Modell der US-Marke Tesla.

Denn während Europa – vor allem mit Mercedes, BMW, Volkswagen und Bosch – lange Zeit als technologischer Vorreiter für autonomes Fahren galt, brachten die Amerikaner ihre selbstfahrenden Autos einfach auf die Straße. Insbesondere die Google-Schwester Waymo trieb die Entwicklung jenseits des Atlantiks voran, während in Europa die Bedenkenträger ihre Hochämter feierten. Jeder Unfall in hochkomplexen Testszenarien dient als willkommene Hürde, um das Ausrollen der neuen Technik am alten Kontinent weiter zu blockieren.

Gerne wird in Europa beim Thema Sicherheit ein Szenario ins Spiel gebracht, bei dem sich das autonome System in einer extremen Gefahrensituation entscheiden muss, ob es auf die junge Mutter mit dem Kinderwagen oder auf einen betagten Radfahrer zusteuert. Eine moralische Frage. Kein Thema. Aber höchst theoretisch. Auch bedauernswert für jede einzelnen Betroffene, jeden Betroffenen, sollte diese konstruierte Situation tatsächlich Realität werden. Aber eben nicht der Normalfall.

Hingegen sprechen in den USA gerade das Thema Sicherheit und die Zahl der Verkehrstoten für die autonomen Systeme. Rund 1,35 Millionen Menschen kommen jährlich weltweit im Straßenverkehr zu Tode. Das sind immerhin 3.700 Menschenleben, die über den gesamten Globus verteilt tagtäglich durch einen Verkehrsunfall ausgelöscht werden. Tendenz steigend. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche sowie Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer. Assistenzsysteme reduzieren deren Risiko. Auch autonomes Fahren würde die Zahl der Unfallopfer – in allen Kategorien – senken. Doch deren absolute Zahlen scheinen wenig aufzuregen. Ganz im Gegensatz zu hypothetischen, vielleicht sogar tatsächlichen Einzelfällen, die von autonom fahrenden Autos verursacht wurden und werden.

Während in den USA sogenannte Robotaxis längst Fahrgäste durch die Straßenschluchten der Städte befördern und auch Überlandtouren in deren Umgebung zurücklegen, gilt in Europa die Aufmerksamkeit noch immer den moralisierenden Bedenkenträgern. Wenn ihre Argumente auch nicht wirklich stichhaltig sind. Aber auch deswegen vergibt Europa wieder einmal eine Chance.

„Autonomes Fahren wird der erste große Massenmarkt für physikalische KI. Innerhalb der kommenden zehn Jahre wird ein sehr großer Anteil der weltweit eingesetzten Fahrzeuge autonom oder hochautomatisiert unterwegs sein”, meinte Anfang Jänner Nvidia-Gründer Jensen Huang auf der CES 2026 in Las Vegas. Und während europäische Branchenbeobachter den niederländischen Vorstoß feiern, verlautbarte Waymo kurz davor, seine Robotaxis in 20 (!) weiteren Städten auf die Straße zu bringen.

Europa wartet hingegen weiter ab und startet den nächsten Textbetrieb. Doch während in Wien beispielsweise die Taxifahrer mit ihrem Protest gegen Uber noch die halbe Stadt lahmlegen, hat Waymo seine autonomen Fahrten binnen eines Jahres verdreifacht. Auf insgesamt 15 Millionen bezahlte Fahrten mit seinen autonomen Taxis. Der Blick der Europäer auf die Zukunft ist verklrät, um nicht zu sagen rückwärtsgerichtet.

Auch wenn in den USA beim autonomen Fahren nicht alles nach Plan läuft, siehe Tesla oder Amazons Zoox, plant Waymo mit dem Start in London für Herbst 2026 die Expansion nach Europa. Zudem sollen Anbieter aus China immer perfektere Assistenzsysteme für das autonome Fahren auf den Markt bringen.

Europa aber testet und theoretisiert. 

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