© Diana Sonnenberg/Gallup

Diana Sonnenberg, Principal bei Gallup

Gallup State of the Global Workplace 2026: Österreichs Beschäftigte sehen Chancen am Arbeitsmarkt

Österreichs Beschäftigte blicken vergleichsweise optimistisch auf den Arbeitsmarkt, fühlen sich ihrem Arbeitgeber aber oft nur begrenzt verbunden: 64 Prozent der Arbeitnehmenden sagen, dass derzeit ein guter Zeitpunkt sei, einen Job zu finden.

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Die Arbeitnehmenden in Österreich sind optimistisch: Mit 64 Prozent stimmen mehr Beschäftigte als im internationalen Durchschnitt (Europa: 57 Prozent; global: 52 Prozent) der Einschätzung zu, dass im Moment eine gute Zeit sei, eine neue Stelle zu finden – seit 2018 (40 Prozent) ist dieser Wert in Österreich kontinuierlich gestiegen. Diese zuversichtliche Sicht der Dinge trifft auf eine weiterhin gering ausgeprägte emotionale Bindung an den Arbeitgeber: Der Anteil der emotional hoch Gebundenen – also der Mitarbeitenden, deren emotionale Bedürfnisse am Arbeitsplatz erfüllt sind und die daher täglich bereit sind, noch einen Schritt weiterzugehen – bleibt auf einem der tiefsten Werte (9 Prozent; unverändert) Europas. Die große Mehrheit der Beschäftigten in Österreich (81 Prozent) ist emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden und erfüllt ihre Aufgaben pflichtgemäß, bringt sich aber darüber hinaus nicht ein. Ein Lichtblick ist, dass der Anteil der Beschäftigten ohne emotionale Bindung – also denjenigen, die bereits innerlich gekündigt haben – mit 10 Prozent ebenfalls relativ gering ausfällt. 

„Die eigentliche Herausforderung für Unternehmen sind nicht nur Konjunktur oder Fachkräftemangel“, sagt Diana Sonnenberg, Principal bei Gallup. „Beschäftigte in Österreich schätzen den Arbeitsmarkt deutlich positiver ein als der europäische Durchschnitt, die hohe emotionale Bindung bleibt allerdings im einstelligen Bereich – und das ist eine kritische Kombination. Wenn die psychologischen Bedürfnisse am Arbeitsplatz unerfüllt bleiben, kann das in Frustration oder sogar innerer Kündigung resultieren. Im schlimmsten Fall wird das Verhalten destruktiv.“

In Sachen emotionaler Bindung bildet Europa unter allen Weltregionen das Schlusslicht (12 Prozent, global: 20 Prozent). In der DACH-Region sind sich die Beschäftigten weitgehend einig: Nachdem sich die emotionale Bindung in Deutschland nach einem Rekordtief wieder stabilisiert hat (10 Prozent, Vorjahr 9 Prozent), bleibt sie auch in der Schweiz (8 Prozent) weiterhin unverändert niedrig. Innerhalb der G7, dem Zusammenschluss wirtschaftsstarker demokratischer Industrienationen, zeigt sich in Italien (11 Prozent), dem Vereinigten Königreich (10 Prozent), Frankreich (8 Prozent) und Japan (8 Prozent) ein ähnliches Bild wie in der DACH-Region; mit hoher emotionaler Bindung punkten können dagegen die USA (32 Prozent) und Kanada (21 Prozent). Das Gleiche gilt für die aufstrebenden Volkswirtschaften Brasilien (32 Prozent), Mexiko (29 Prozent), Indien (23 Prozent) und China (20 Prozent). 

Weniger als die Hälfte bewertet ihr aktuelles Leben und ihre Zukunft positiv 

Mit 48 Prozent (Vorjahr: 46 Prozent; 2023: 48 Prozent; 2022: 53 Prozent; 2020: 60 Prozent) zufriedenen und zuversichtlich in die Zukunft blickenden Beschäftigten liegt Österreich genau im europäischen Mittelfeld (Platz 19 von 38). Bei der aus zwei Teilen bestehenden Frage zur Einschätzung der eigenen Lebenssituation geht es nicht nur um den aktuellen Zustand, sondern auch darum, wie die Befragten die Entwicklung in fünf Jahren einschätzen. Nach den Rückgängen der vergangenen Jahre zeigt sich eine leichte Stabilisierung. Das gilt auch für den Rest der DACH-Region. In Deutschland sind ebenfalls 48 Prozent (2024 und 2023: jeweils 45 Prozent, 2022: 52 Prozent, 2021: 57 Prozent) zufrieden und zuversichtlich, in der Schweiz sind es 46 Prozent (2024: 45 Prozent; 2023: 54 Prozent; 2022: 59 Prozent; 2021: 67 Prozent). Insgesamt schneidet Europa (49 Prozent, Vorjahr: 47 Prozent) damit deutlich besser ab als der Rest der Welt (34 Prozent, Vorjahr: 33 Prozent). Spitzenreiter innerhalb von Europa sind weiterhin Finnland (81 Prozent), Island (78 Prozent), Dänemark (78 Prozent), Schweden (69 Prozent), die Niederlande (68 Prozent) und Norwegen (68 Prozent). 

Der verhaltene Optimismus spiegelt sich auch in den emotionalen Belastungen wider, die viele Beschäftigte im Alltag erleben. So ist das Stresslevel bei den Beschäftigten in Österreich um fünf Prozentpunkte auf 40 Prozent gestiegen. Zuletzt lag es 2019 ähnlich hoch (41 Prozent). Damit ist Österreich aktueller Spitzenreiter in der DACH-Region (Deutschland: 38 Prozent, Schweiz: 34 Prozent), liegt jedoch genau im europäischen Durchschnitt. Auch in anderen Gefühlsdimensionen gibt es Herausforderungen: Jeweils 15 Prozent der Arbeitnehmenden in Österreich haben sich am Tag vor der Befragung traurig oder wütend gefühlt, 14 Prozent berichten von Einsamkeit. 

Gute Führung als Booster für die Performance 

Die Zahlen für die DACH-Region zeigen deutlich, wie sich aus guter Führung resultierende hohe emotionale Bindung auf Faktoren wie Lebenszufriedenheit, Stress, Wut oder Traurigkeit auswirkt. 66 Prozent der Befragten mit einer hohen emotionalen Bindung sind zufrieden und zuversichtlich, von denjenigen ohne emotionale Bindung sind es dagegen nur 36 Prozent (DACH insgesamt: 48 Prozent). Von den Beschäftigten mit hoher emotionaler Bindung haben sich nur sieben Prozent am Tag vor der Befragung wütend gefühlt. Bei denen, die sich in Gedanken bereits von ihrem Arbeitgeber verabschiedet haben, sind es viermal so viele (28 Prozent; DACH insgesamt: 13 Prozent). 

„Die emotionale Bindung von Mitarbeitenden ist ein lokales Thema, da es hier um die Erfüllung von zwölf zentralen emotionalen Bedürfnissen am Arbeitsplatz geht“, sagt Diana Sonnenberg. „Dazu gehören klare Erwartungen, Anerkennung, Feedback und Entwicklungsgespräche. Unsere Forschung zeigt, dass sich 70 Prozent der Unterschiede bei der emotionalen Bindung auf die direkte Führungskraft zurückführen lassen. Am Ende entscheidet sich also beim Thema Führung, welche Unternehmen Leistungsträger halten und welche nicht. Wer Talente gewinnen und halten will, muss stärker auf Führung, Klarheit und Entwicklungsmöglichkeiten setzen. Für Arbeitgeber steigen damit die Anforderungen, Orientierung zu geben, Vertrauen zu stärken und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das echte Bindung fördert. Für CEOs ist das kein weiches Kulturthema, sondern eine harte Führungs- und Performancefrage.“

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