Der langsame Tod von Facebook und Österreichs Anteil dazu

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Albert Sachs
Der billigste Marketing-Schmäh funktioniert garantiert nicht ewig. Wie österreichische Medienmarken stetig zum langsamen Tod von Facebook beitragen.

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Österreich ist nicht der Nabel der Welt. Mit Garantie ist Österreich auch nicht der Sargnagel von Facebook. Aber es steuert ganz viele Sargnägelchen zu dessen schleichendem Tod bei. Regelmäßig und dauerhaft.

Das Phänomen kennen wir nicht nur in Österreich. Etablierte Medienmarken haben Facebook für sich entdeckt. Nicht als Medienkanal, sondern als Marketingmaschine. Dabei ist nicht nur ein intensiver Hang zur Marktschreierei zu bemerken, sondern auch eine sich rasch nach unten drehenden Qualitätsspirale.

Vielen scheint das Billigste gerade gut genug, wenn es darum geht, die User und Userinnen auf Facebook – auf anderen Plattformen ist dieses Phänomen (noch) weniger zu bemerken – anzusprechen. Wie gesagt, kein österreichisches Phänomen. Aber mit intensiver Beteiligung aus der Alpenrepublik. Auch wenn klar ist, dass der Facebook-Algorithmus Meldungen mit einem Länderbezug bevorzugt ausspielt.

Dennoch scheinen österreichische Medienmarken auf Facebook mit ihren Meldungen intensiv um die Aufmerksamkeit der Userinnen und User zu buhlen. Mit Schlagzeilen und Meldungen. Mit Sensationsschlagzeilen und Sensationsmeldungen. Jedem unbedeutendem Ereignis wird da mindestens ein „überraschend“ vorangestellt, ganz zu schweigen von den vielen „Sorgen“ und „Bangen“, welche die Sensations-Autor:innen zu bewegen scheinen. Jedem Fahrradl, das an einem längst aufgelassenen Provinzbahnhof umfällt, wird eine atemberaubende Geschichte gewidmet. Jeder Rücktritt bewegt, ja erschüttert, rein headlinetechnisch betrachtet, die betroffene Sport-Community und Fanbasis. Auch wenn es sich nur um den Assistenten des stellvertretenden Assistenztrainers handelt. Oder um die Nummer 154 in irgendeiner Weltrangliste.

Damit nicht genug. Die eigentliche Sensation wird dann vielfach ohnedies nicht preisgegeben, sondern hinter einer Bezahlschranke oder, auch nicht weniger schlimm, in den Kommentarzeilen versteckt. Auf Social Media-Deutsche heißen die allerdings längst Captions, obwohl das wiederum richtig rückübersetzt für Bildunterschriften steht.

Bei all dieser Sensationslust lässt sich bei einem abfallenden Qualitäts- eine steigende Intensitätslinie ausmachen. Wobei Letztere exponentiell zum steigenden Boulevardisierungs-Faktor der Medienmarken anzuschwellen scheint.

Österreich ist nicht der Sargnagel von Facebook. Aber es arbeitet intensiv an dessen Tod mit. Zudem funktioniert das billige Effekthascher-Marketing auf lange Sicht wohl auch nur bedingt, ehe der Ärger bei der anvisierten Zielgruppe endgültig überwiegt.

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