Österreichischer Journalistinnenkongress 2021
© Journalistinnenkongress/APA-Fotoservice/Jacqueline Godany

Österreichischer Journalistinnenkongress 2021

23. Journalistinnenkongress: Geschäfte für die Zukunft

Die Breakout-Session 3 „Geschäfte für die Zukunft“ am Journalistinnenkongress wurde von Elisabeth Oberndorfer (Smart Casual), Jelena Pantić-Panić (medien.geil) und Nina Wöss (Female Founders) geleitet. Finanzierungsmodelle und Geschäftsideen waren Thema.

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Mit der Frage, „Wer hat schon einmal mit dem Gedanken gespielt, ein eigenes Medium zu Gründen?“, startet medien.geil-Gründerin Jelena Pantić-Panić in die Runde. Einige Hände der Teilnehmerinnen wandern zögerlich in die Luft, mit dem betonten Nachsatz „nur den Gedanken“, werden es ein paar mehr.

Finanzierungsmöglichkeiten: It’s all about the money

Lisa Oberndorfer, die mit Smart Casuals ihren eigenen Newsletter betreibt, hat in ihrem Vortrag primär über Finanzierungsmodelle für neue Medienprojekte gesprochen. Es sei eine gute Zeit für kleine Teams, eigene Sachen zu machen. „Was wir sehen, ist, dass der digitale Medienmarkt viel fragmentierter ist“, so Oberndorfer. „In meinem letzten Angestelltenverhältnis habe ich gemerkt: Es interessiert sich niemand von den Medienmachern für die Zielgruppe Frauen.“ Kleinere Medien haben insbesondere den Vorteil, dass sie mehr Inhalt bringen können und sich ihr Publikum stärker mit ihnen identifiziert. Deshalb seien publikumsfinanzierte Inhalte zunehmend machbarer und es könne von dem Beginn der Creator Economy gesprochen werden.

Bei solchen Modellen gibt es die Möglichkeit sich über Mitgliedschaften, Services (z.B. eigene Mitgliederbereiche), E‑Commerce (also die eigene Medienmarke nutzen, um Produkte zu verkaufen) zu finanzieren. Auch individuelle Finanzierungsmöglichkeiten auszuarbeiten geht. Dabei gilt das Motto „Think like a product“. Für wen ist das, was ich tue, relevant, und wie erreiche ich diese Zielgruppe?

Vom Mut, auf sich selbst zu setzen

Jelena Pantić-Panić hat mit media.geil ein Mentoring Business für junge JournalistInnen gegründet. Für die Gründung eines eigenen Projekts sollte vorab vor allem die Zielgruppe überlegt und klar definiert sein. Ihr eigenes Projekt richtet sich primär an junge JournalistInnen unter 30. Auch das Finden einer Nische ist ihre Stärke, etwas, das es noch nicht gibt, aber dringend braucht, ist immer eine gute Möglichkeit, zu gründen. Zu ihrem eigenen Projekt und dem anfänglichen Gegenwind aus ihrem Umfeld sagt sie: „Ich wusste, dass da noch was ist. Die anderen haben das nicht gewusst.“ Wichtig ist dabei immer, den Mut zu haben, zu sich selbst zu stehen. Die Angst vor dem Scheitern ist beim Gründen neuer Medienprojekte vor allem ein Hindernis. Jelena Pantić-Panić meint dazu: „Auch wenn ich scheitere, habe ich meine Skills und lerne daraus!“ Am Anfang steht eine Idee, niemand muss alles können und alles weitere ergibt sich.

Journalistinnen haben bereits das Rüstzeug zur Gründerin

Auch Nina Wöss, die Co-Gründerin von Female Founders, schwört auf das Irgendwo-Anfangen. „Mit spannenden Ideen und guter Umsetzung ist es möglich, ein Business aufzubauen und Geld aufzustellen“, sagt sie. Dabei muss klar sein, was das Kernprodukt ist, mit dem auf das Kernproblem geantwortet wird. Journalistinnen bringen dafür von Berufswegen alles mit. Sowohl Gründerinnen als auch Journalistinnen brauchen zuallererst die Fähigkeit, ihr Anliegen zu pitchen. Anschließend braucht es die Weiterentwicklung auf neue Businessmodelle und Internationalisierung bezogen. Sowohl im Journalismus als auch beim Gründen braucht es GeldgeberInnen, mit denen es Zielkonflikte auszuverhandeln gilt. Das größere Ziel ist in beiden Fällen Qualität und Wertsteigerung der eigenen Arbeit.

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