Zermahlen von der Politik und vom eigenen Unvermögen

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Maximilian Mondel
ORF Sport +, Radio-Symphonieorchester, Flimmit, Fidelio und GIS stehen – so der Sparplan von ORF-Boss Roland Weißmann – vor dem Ende. Gefordert wurden die Einsparungen von Medienministerin Susanne Raab. Das ORF-Set-up stimmt schon seit Jahrzehnten nicht.

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Studie „Werbemarktszenarien Österreich 2025–2030“ analysiert Entwicklung der Gesamtwerbeausgaben bis 2030

Welche Werbekanäle gewinnen bis 2030 in Österreich?

Die neue Studie „Werbemarktszenarien Österreich 2025–2030“ liefert erstmals einen fundierten Ausblick auf die Entwicklung des österreichischen Gesamtwerbemarktes. Auf 57 Seiten analysiert sie die Zukunft von Digital, TV, Print, Radio und Out-of-Home und bietet Werbetreibenden, Agenturen und Medienunternehmen eine belastbare Grundlage für strategische Entscheidungen.

„Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten, es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit, es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Unglaubens, es war die Saison des Lichts, es war die Saison der Dunkelheit, es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung.” So beginnt Charles Dickens’ Buch „A tale of two cities”. Und irgendwie passt dieser berühmte Einleitungssatz des Literaturklassikers zum Zustand des ORF am Faschingsdienstag 2023, dem Tag nachdem die ORF-Sparpläne durch den ORF-Generaldirektor Roland Weißmann bekanntgegeben wurde und dem Tag, an dem das traditionelle absolute ORF-TV-Quoten-Highlight jedes Jahres seit Menschengedenken über die Empfangsgeräte flimmert: nämlich „Narrisch guat”, die Übertragung vom Villacher Fasching.

Noch nie in der Geschichte war es angesichts der Möglichkeiten so spannend, Medien zu machen. Noch war es so herausfordernd, Medien zu machen. Noch nie wurde medial so viel Wissen angeboten. Noch nie wurde über mediale Kanäle so viel Schwachsinn verbreitet. Und mittendrin steht der ORF und wird von der Medienministerin (und damit vom Bundeskanzler) an die Kandare genommen. Aber irgendwie ist es symptomatisch für den ORF, denn er wurde Zeit seines bisherigen Daseins von der Politik gegängelt. Teilweise war das spürbarer, teilweise war es weniger spürbar – je nachdem, wie die Machtgelüste der Regierenden gerade ausgeprägt waren und je nachdem, ob der jeweilige ORF-Generaldirektor – früher der ORF-Generalintendant – eine Lichtgestalt oder eben keine solche war. 

Die von der Regierungspolitik diktierten Einsparungen im ORF treffen nun primär ORF Sport + als eigenständigen TV-Sender, das Radio-Symphonieorchester, die Streaming-Angebote Flimmit und Fidelio sowie die GIS. Um Letztere ist wahrscheinlich nur wenigen leid, außer denen, die dort arbeiten und deren Angehörige (sorry, das musste sein). Was jetzt aber in Form von Postings in den einschlägigen Foren auf die Gesamtsituation niederprasselt, ist ein trauriges Schauspiel: Die meisten Poster haben ihre ganz eigene Wahrnehmung, wo man hätte einsparen können. Die einen wollen keine US-Serien mehr, die anderen keine Fußballübertragungen, die einen wettern gegen Schlager-Shows, den anderen ist die gefühlt 29. Ausgabe von „Dancing Stars” ein Dorn im Auge, die einen greifen sich angesichts von neun Landesstudios an den Kopf, die anderen erachten die Millioneninvestments in Sportrechte als Grundübel, die einen würden am liebsten alle „Roten” aus dem Programm verbannen, die anderen träumen von einem Verbot für „Türkis-Schwarze” in allen Diskussionsrunden. Und das bedeutet in der Gesamtbetrachtung nur eines: Dass der ORF den Menschen in diesem Land nicht egal ist.

All das, was da jetzt auf den ORF zukommt, ist unschön, aber irgendwie hat man sich das im ORF selbst zuzuschreiben, denn warum hat man es sich den ungeniert in alle Nischen gemütlich gemacht und damit privaten Initiativen die Luft zum Atmen genommen. Warum hat man sich nicht auf das konzentiert, wofür man einst – in einem komplett anderen medialen Umfeld – geschaffen wurde? Warum hat man sich oftmals wie der Elefant im Porzellanladen verhalten und allen anderen die lange Nase gezeigt? Es gäbe jetzt noch so viele Warum-Fragen, aber dieser Kommentar soll schließlich in einem gewissen Zeitausmaß bewältigbar sein. Das Urproblem der ORF ist das generelle Set-up. Dass die Politik und das vor allem die jeweils an der Macht Befindlichen in den ORF hineinregieren können, ist schlecht zur hundertsten Potenz. Im Grunde müsste der ORF komplett gegen die Wand gefahren werden, um sich all der Altlasten zu entledigen. Und im selben Moment müsste der ORF unter neuen Auspizien neu gegründet werden. Ohne politische Einflussnahme. Unter quasi marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Mit sachverständigen, motivierten und cleveren Menschen in jeder einzelnen Position. Ja, im aktuellen ORF sind derartige Menschen zu finden. Und zwar eine ganze Menge. Aber es könnten noch mehr sein.

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