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Vom Imageschaden zum Nächtigungsplus

Maximilian Mondel
Maximilian Mondel
Die zu Beginn der Corona-Pandemie aufgrund der Wurschtigkeit im Umgang mit dem Virus in die internationalen Schlagzeilen geratene Wintersportmetropole Ischgl hat anscheinend keinen längerfristigen Imageschaden erlitten.

„Wir hätten über zwei Milliarden Euro aufwenden müssen, wenn wir so oft in den Zeitungen hätten sein wollen. Im Nachhinein ist es egal, dass die Berichterstattung negativ war”, sagt Alexander von der Thannen, Tourismuschef der Tiroler Wintersportgemeinde Ischgl gegenüber der „Tiroler Tageszeitung”. In diesen paar Zeilen schwingt soviel Zynismus gegenüber denen mit, die aufgrund der Schleißigkeit im Umgang mit den damals weitgehend unbekannten Virus sterben mussten, dass einem selbst als Außenstehenden schlecht wird. 

Der Nutzen der Corona-Berichterstattung – so von der Thannen weiter – sei aus heutiger Sicht gesehen größer gewesen, als der Schaden. Denn: „Jene 20 Prozent der Europäer, die uns bisher nicht gekannt haben, die kennen uns jetzt.” Mütter, Väter, Töchter, Söhne oder sonstige Verwandte von dank der geldgierigen Sorglosigkeit in Lokalen wie dem „Kitzloch” verstorbenen Skandinaviern, können angesichts derartiger Ansagen gar nicht anders, als in Tränen ausbrechen und dem Herrn von der Thannen ein ähnliches Schicksal wie den eigenen Angehörigen wünschen. 

Im „Kitzloch” wird derweil wieder gefeiert, als hätte es die lästige Unterbrechung durch die Pandemie nie gegeben. Die Exzesse sollen sogar noch heftiger sein, also zuvor. „Es wird den Wintertourismus ohne Après-Ski nicht geben”, gibt von der Thannen kühl zu Protokoll und betont trotz wochenlanger Präsenz des Terminus Corona-Hotspot Ischgl, „dass inzwischen sogar der Dümmste kapiert hat, dass da wer anderer schuld ist.” Die Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit, mit der hier kommuniziert wird, ist erschreckend. Schließlich war Ischgl und den zuständigen Behörden massiv vorgeworfen worden, zu spät und nicht umfassend genug reagiert zu haben und selbst ein Expertenbericht hatte Fehleinschätzungen konstatiert. 

Aber wie schon damals trägt natürlich niemand aus Politik und Tourismuswirtschaft die Schuld an den zahlreichen unnötigen Toten. Die Gier ist erschütternd, das Schulterzucken ein Hohn gegenüber den zu Schaden Gekommenen. Allein der Umstand, dass man sich den Werbewert angesichts der Corona-Kalamitäten ausrechnen lässt und dann öffentlichkeitswirksam kommuniziert, ist dermaßen verwerflich, dass man sich in Grund und Boden schämt, dass das alles hier in Österreich stattfindet.

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