Frau Sigl, Sie haben das Buch „Lernen aus der Krise“ initiiert und herausgebracht. Worum geht es kurz und knapp in dem Buch?
Katharina Sigl: Dieses Buch soll ein Praxisratgeber für jede unternehmerische Sondersituation und für Krisen sein. Es ist mir ein großes Anliegen, dass Erkenntnisse, die gemacht wurden, in fordernden Situationen auf ihre Tauglich- und Einsetzbarkeit überprüft werden können. Und, damit alle LeserInnen gleich ins Tun kommen, haben wir zu allen 25 Fachbereichen Checklisten oder Modelle ergänzt, die zum Handeln befähigen.
Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Buch?
Sigl: Eine starke Wirtschaft braucht starke Entscheidungen. Die Qualität von Entscheidungen hängt erheblich von den Erfahrungen ab, die jemand in vorangegangenen vergleichbaren Situationen gemacht hat. Dieser Erfahrungskontext ist nicht immer vorhanden, aber jetzt nachlesbar.
Insgesamt 250 Führungskräfte und 25 Autoren wirkten bei Ihrem Buch mit. Welche Artikel oder Beiträge sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Sigl: Finanzen, da das Interesse naturgemäß in dieser Krise groß und so etwas wie präventives unternehmerisches Handeln wenig vorhanden war und ist. Der Spagat zwischen Bewältigung des Alltags und Absicherung der Zukunft scheint für viele Unternehmen schwer zu bewerkstelligen zu sein. Der Gap der Digitalisierung, wie diese in den Medien gehypt und im realen Alltag vorzufinden ist, verblüfft mich heute noch. Und, natürlich in meiner Fachdisziplin das Thema Empathie. Es hat mich gefreut zu hören, dass viele Marketing-Verantwortliche wieder mehr auf das Gefühl, die Expertise und die Ideen ihrer Mitarbeitenden vertrauen.
Was sind aus Ihrer Sicht die drei Key Takeaways aus dem Buch?
Sigl: Meine drei persönlichen Key Takeaways sind folgende: Zuerst meine eigene Standortverortung: Mit Hilfe des Modells der vier großen Unternehmenstypen in der Krise, ein Modell, das wir im Rahmen der Initiative entwickeln konnten, kann ich anhand unternehmerischen Verhaltens den eigenen Krisentyp festmachen und danach konsequent verändern. Mein zweites Takeaway sind Kollaboration, die an einem Ziel ausgerichtet wird und ungeahnte Kräfte frei machen kann. Und zuletzt: Lernen bleibt eine lebensbegleitende Aufgabe jedes Menschen.
Das Buch „Lernen aus der Krise“ deckt laut Inhaltsverzeichnis so ziemlich alle Unternehmensbereiche ab, die es gibt. Ist Ihnen ein Unternehmensbereich aufgefallen, in dem besonders viel durch Covid-19 verändert wurde?
Sigl: In Bereichen, in denen tendenziell viele Menschen, wie beispielweise im Customer Care, arbeiten, war und ist die Veränderung durch das Home Office spürbar geworden. Ebenso wie die zunehmende Arbeitsbelastung in vielen HR-Abteilungen aber auch die Hartnäckigkeit, mit der sich Dilemmata in Unternehmen halten und durch die Krise verschärfen, sind mir gut in Erinnerung. Aber, und das war ja das Ziel, wenn ich mich nicht mehr genau an die spezifischen Fachbereichs-Learnings erinnern kann, schlage ich einfach im Buch nach.
Bzw. ein Unternehmensbereich, der eher weniger von der Pandemie beeinflusst wurde?
Sigl: Die Beeinflussung hängt für mich eher vom Typ des Unternehmens in der Krise ab. Unternehmen, die zu den Krisengewinnern zählen, waren im Gegensatz zu den Krisenverlieren eher konstruktiv betroffen. Und, ganz sicher sind Unternehmen, die Menschen freigesetzt haben, sowohl finanziell, organisational und mental anders betroffen und gefordert als Unternehmen, die diese Handlungen nicht vollziehen mussten oder wollten.
Das Buch ist ja „nur“ eine Maßnahme. Welche weiteren Maßnahmen darf man im Rahmen dieses Projekts noch erwarten?
Sigl: Unser erklärtes Ziel ist und bleibt, dass wir das Wissen niederschwellig an Unternehmen aber auch an die nächste Generation der Berufsanwärter weitergeben. Daher planen wir sogenannte Learn Resilient Journeys mit Schülerinnen und Fachhochschul-Studenten. In Begleitung von ausgesuchten Experten werden wir mit den jungen Erwachsenen unternehmerische Sondersituationen in Arbeitsgruppen aufstellen und an neuen Handlungsoptionen arbeiten. Und ich darf schon verraten, dass wir am nächsten Buchprojekt arbeiten, das sich mit dem sinnvollen Einsatz von Digitalisierung beschäftigt.
Das Buch „Lernen aus der Krise“ ist ab sofort im gut sortierten Fachhandel oder hier online erhältlich.














