Rainer Will
© Stephan Doleschal

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes

Handelsverband fordert Möglichkeit für mobiles kontaktloses Bezahlen für alle

Die NFC-Schnittstelle für kontaktloses Zahlen ist derzeit nur bei Android-Geräten für Bezahl-Apps aller Banken frei verfügbar. Apple beschränkt diese Nutzung des NFC-Chips des iPhones auf "Apple Pay". Handelsverband fordert Öffnung für Zahlungsdienste von Dritten.

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Das Bezahlen mit Bankomatkarte oder Kreditkarte per NFC-Funktion, also durch bloßes Hinhalten der Karte an ein Lesegerät ohne PIN oder Unterschrift, ist in Österreich mittlerweile zum Standard und Erfolgsmodell geworden. Laut Statista wurden im Vorjahr 68 Prozent der Gesamttransaktionen mit Bankomatkarten kontaktlos abgewickelt, das ist ein Anstieg von fast 50 Prozent im Vergleich zu 2018. Durch den schnelleren Bezahlvorgang verkürzen sich die Warteschlangen an den Kassen erheblich, dadurch ergiebt sich sowohl für Kunden als auch für Händler ein Mehrwert.
Kontaktloses Bezahlen ist jedoch nicht nur mittels Bankomatkarte oder Kreditkarte möglich, auch die Smartphone-Hersteller haben nachgezogen und ihre Geräte ebenfalls mit einer NFC-Schnittstelle ausgerüstet. Jedoch profitieren nicht alle Kunden von dieser Möglichkeit. Denn die NFC-Schnittstelle ist nur bei Android-Geräten für Bezahl-Apps aller Banken und Dienstleister frei verfügbar. Apple beschränkt die Nutzung des NFC-Chips des iPhones auf sein eigenes Zahlungssystem „Apple Pay”. Infolgedessen entscheidet auch Apple selbst, mit welchen Banken das Technologie-Unternehmnen kooperiert. Zudem liegt der Nutzeranteil von Apples mobilem Betriebssystem iOS in Österreich mittlerweile bei rund 30 Porzent. Der Österreichische Handelsverband merkt an dass dies zu einer starken Eingriffsmöglichkeit und damit zu einer potentiellen Verzerrung am Markt führt.

Digitalinfrastrukturgesetz gegen monopolistische Entwicklungen

In Deutschland habe der Bundestag bereits auf diese Entwicklung reagiert und Ende 2019 gesetzlich festgelegt, dass Infra­struktur-Betreiber Zahlungs­diensten gegen ange­messenes Entgelt Zugang zur Infra­struktur gewähren müssen. Apple soll demnach allen Banken Zugriff auf die Hardware gewähren müssen. Ein ähnliches Gesetz wünscht sich der Handelsverband auch für Österreich. „Das kontaktlose Bezahlen per NFC-Funktion ist für den Konsumenten schnell, unkompliziert und bequem. Ein rascher Bezahlvorgang trägt auch wesentlich zu einem positiven Einkaufserlebnis bei. Keinem Kunden sollte die Bezahlung per Handy verwehrt bleiben, nur weil sich seine Hausbank nicht mit Apple über eine Kooperation einigen konnte. Daher brauchen wir schnellstmöglich eine gesetzliche Verpflichtung für große Digitalkonzerne, bestimmte technische Infrastrukturleistungen wie die NFC-Schnittstellen zur Verfügung stellen zu müssen”, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Dies würde laut Handelsverband auch der Intention des neuen Regierungsprogramms der türkis-grünen Bundesregierung entsprechen, wo im Kapitel „Digitalisierung & Innovation“ eine faire Gestaltung der digitalen Plattformökonomie in Österreich explizit genannt wird. So sollen Innovation aus dem In- und Ausland zwar gefördert und zugelassen werden, der Wettbewerb aber mit traditionellen Geschäftsmodellen fair gestaltet sein. „Die Zeiten haben sich durch den weltweiten Siegeszug der Plattformökonomie geändert. Der Staat muss die Souveränität auch im digitalen Kontext sicherstellen. Daher braucht es eine Art ‚Digitalinfrastrukturgesetz’ als große Klammer, um auf monopolistische Entwicklungen künftig besser reagieren zu können”, so Rainer Will.

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