Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich
© EY/Stefan Seelig

Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich

EY-Studie: Weltweit mehr Kontrolle im Netz gegen Fake News erwünscht

Die Mehrheit der Befragten weltweit findet, dass Regierungen und Behörden mehr gegen Fake News im Internet tun müssen. Auch Social Media-Plattformen stehen in der Verantwortung.

Sie verunsichern, sie verwirren und sie beeinflussen: Gezielt gestreute, manipulative Falschmeldungen, kurz Fake News, gefährden den gesellschaftlichen Frieden. Nicht immer sind sie einfach zu erkennen, einmal veröffentlicht, verbreiten sie sich im Internet schnell weiter und sind schwer einzufangen. Die Mehrheit (63 Prozent) der Befragten denkt, dass Regierung und Behörden mehr tun müssen, um die Verbreitung von Fake News zu verhindern.  Neben Regierung und Behörden sehen die Befragten vor allem auch soziale Netzwerke in der Pflicht: In allen befragten Ländern ist der überwiegende Teil der Bevölkerung (67 Prozent) der Meinung, dass Anbieter von Social-Media-Plattformen nicht genug tun, um die NutzerInnen vor Fake News zu schützen. Auch eine stärkere Regulierung der Inhalte im Internet wird von fast der Hälfte (46 Prozent) gefordert. 

Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich: „In den sozialen Medien kann jede:r veröffentlichen, was er oder sie will, Hürden gibt es kaum. Und die meisten User nutzen diese Freiheiten zur Unterhaltung, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen oder um sich zu informieren. Einige nutzen den nahezu unregulierten Raum aber auch für das genaue Gegenteil: gezielte Desinformation mit dem Ziel, die Gesellschaft zu spalten. Hier sind die Strafverfolgungsbehörden gefordert, mit Augenmaß einzuschreiten – nach Regeln, die der Gesetzgeber vorgibt. Denn Debatten sind wichtig, aber es gibt auch hier Grenzen. Wer Falschinformationen verbreitet, muss sich bewusst sein, dass er oder sie hierfür gegebenenfalls belangt werden kann.“

Ein weiteres wichtiges Thema für viele InternetnutzerInnen ist der Schutz der persönlichen Daten im Internet. Dies ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, und die Möglichkeiten, sich zu schützen, haben sich deutlich verbessert – doch sie sind bei weitem nicht auf dem Niveau, das sich die NutzerInnen wünschen. Im internationalen Schnitt ist fast jede zweite Person (46 Prozent) der Meinung, seine oder ihre persönlichen Daten im Netz nicht schützen zu können.

Deutsche mit geringsten Sorgen vor schädlichen Inhalten im Netz

Während sich in Italien (50 Prozent) und Spanien (49 Prozent) knapp die Hälfte der Befragten vor schädlichen Inhalten im Internet sorgt, ist die Sorge der StudienteilnehmerInnen in Deutschland auch hier geringer: Nur jede vierte Person fürchtet sich davor, dass Mitglieder des eigenen Haushalts den schädlichen Auswirkungen von Gewaltvideos, Fake News oder ähnlichem ausgesetzt sein könnten.

Bei der Bekämpfung dieser Inhalte sehen die Befragten wieder Regierung und Behörden in der Pflicht: 56 Prozent sind der Ansicht, dass Regierungen und Behörden aktuell nicht genug tun, um schädliche Inhalte aus dem Internet fernzuhalten. Überdurchschnittlich ausgeprägt ist der Anteil in Spanien (66 Prozent) und Schweden (66 Prozent).

Fast die Hälfte will sich digitale Auszeit nehmen

Immer mehr NutzerInnen nervt der ständige Blick auf das Smartphone. Die Folge: Fast jede zweite Person (43 Prozent) der Befragten weltweit versucht aktiv, weniger Zeit vor Bildschirmen zu verbringen. Gleichzeitig sagt allerdings die Hälfte der Befragten (51 Prozent), dass das Internet fundamental wichtig für das eigene Sozialleben ist. Befragte in Italien (60 Prozent), Spanien (56 Prozent) und Frankreich (55 Prozent) stufen die digitale Kontaktpflege mit Familie, FreundInnen und Bekannten im internationalen Vergleich am wichtigsten ein. Die Zeit, die Angehörige des eigenen Haushalts vor Bildschirmen verbringen, wird von zwei von fünf Befragten (39 Prozent) mit Sorge betrachtet – in Spanien, Frankreich und Italien sogar fast von der Hälfte (41 Prozent).

Reimoser dazu: „Während der Corona-Pandemie haben die Menschen mehr Zeit als je zuvor vor Bildschirmen verbracht und dabei zahlreiche neue Technologien und digitale Angebote entdeckt, die ihr Leben bereichert und erleichtert haben. Es ist aber auch nur logisch, dass hier eine gewisse Sättigung eingesetzt hat. Dabei spielen natürlich auch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen im öffentlichen Leben eine Rolle; die Menschen genießen es, wieder draußen und unter Leuten zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass die NutzerInnen technikmüde geworden sind. Im Gegenteil: Das Interesse an guter Hard- und Software ist weiterhin vorhanden. Vielmehr fokussieren sich die KundInnen auf die digitalen Programme und Geräte, die ihnen den größten Nutzen bringen – im Privat- und im Berufsleben.“