Ein Verbot für Werbeverbote muss her!

Maximilian Mondel
Maximilian Mondel
Franz Hörl, NR-Abgeordneter, Hotelier und Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen, erweist dem Tourismus, der Werbewirtschaft und auch seiner Partei mit der Forderung nach Werbebeschränkungen für Flugreisen und Kreuzfahrten einen Bärendienst.

Weil die Medien in Österreich nicht und nicht damit aufhören, auf die armen Seilbahnen hinzuhauen, haut jetzt also Franz Hörl, VP-Nationalratsabgeordeter, Zillertaler Hotelier und Fachverbandsobmann Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich zurück. Nämlich auf die Medien, aber auf die nur mittelbar. In erster Linie sind ihm Fluglinien, Reiseveranstalter/büros und Anbieter von Kreuzfahrten ein Dorn im Auge. Weil diese – so seine Argumentation – viel mehr Co2 produzieren, als die Seilbahnen. Konkret wünscht sich Hörl im APA-Gespräch eine Sondersteuer für die Bewerbung besonders umweltschädlicher Urlaubsformen wie Flugreisen, etwa für Städtetrips, sowie Kreuzfahrten. Hörl will also Werbebeschränkungen oder gleich ein Werbeverbot für einen ganzen Wirtschaftszweig, der nach der Corona-Pandemie ohnehin gebeutelt ist. Vor allem aber will Hörl, dass den heimischen Medien damit viele Werbemillionen aus der Tourismusindustrie entgehen.

Viel ist in den ersten rund 24 Stunden seit Hörls Vorstoß geschrieben und gesagt worden, und nur das Wenigste gereicht dem Seilbahn-Lobbyisten (denn das ist er primär und erst dann Vertreter des Volkes) zur Ehre. Dass sein Statement wenig durchdacht ist, dass sein Vorstoß nicht sinnvoll ist, dass man nicht einzelne Wirtschaftssegmente gegeneinander ausspielen dürfe und dass die Seilbahnen ja sogar von den Incoming-Flügen profitieren, wurde ihm da – auch und vor allem von Parteifreunden – ausgerichtet. Und da sind noch nicht einmal die Statements der politischen Mitbewerber eingepreist: Die gehen mit dem Zerberus der Seilbahnindustrie ganz anders ins Gericht und orten „Seilbahnpopulismus” sowie „unüberlegte Gesetzeswünsche” und sehen in Hörl einen „fleischgewordenen Elefanten im touristischen Porzellanladen”. 

Werbebeschränkungen jedweder Art sind in einem Werbemarkt wie Österreich, der es aufgrund seiner Kleinheit und anderer Rahmenbedingungen ohnehin schon vergleichsweise schwer hat, abzulehnen – zumal es mit der absurden, unsäglichen und wahrscheinlich nie wieder eliminierbaren Werbesteuer ohnehin eine gigantische Werbebeschränkung gibt, die dem gesamten Werbe-Ökosystem seit Jahrzehnten zusetzt und Milliarden entzieht. Ja, die Bewerbung von Waren und Dienstleistungen, die gegen Leib und Leben sowie gegen die guten Sitten gerichtet sind, muss limitiert sein und limitiert bleiben, aber Flugreisen, Städtetrips und Kreuzfahrten steuerlich benachteiligen zu wollen, weil die Seilbahnen in den Medien schlecht wegkommen, ist nicht nur unüberlegt und nicht durchdacht, sondern komplett absurd.

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