Erstaunlich gelassen hat die heimische Werbe- und Marketingszene hingenommen, dass Österreichs Agenturen und Auftraggeber bei den Cannes Lions von 19. bis 23. Juni keinen einzigen Löwen sowie – und jetzt kommt’s – keine einzige Shortlistplatzierung verbuchen konnte. Kein Aufschrei. Kein Wehklagen. Keine Resignation. Nicht einmal ein Schulterzucken.
Früher hat man wenigstens, damit gehadert, ein kleines Land zu sein, dass keine Lobby hat, oder damit, dass die internationale Werbe-Community die österreichische Kreativität einfach nicht versteht oder, dass man aufgrund der viel geringeren Werbebudgets im Konzert der Großen nicht mitspielen können oder, dass man sich die teuren und überzeugenden Einreichvideos einfach nicht leisten können. Früher hat man sich wenigstens aufgebäumt. Jetzt schaut man nur ungläubig auf die Ergebnislisten, wundert sich, dass die Dominikanische Republik und Saudi Arabien Goldene Löwen und sogar Grand Prix einfahren, während wir einfach nur auf den nicht unbeträchtlichen Kosten für die Einreichungen sitzen bleiben.
Null Löwen. Null Shortlistplatzierungen. Das ist wie vier Fünfer in den Hauptfächern und Sitzenbleiben. Das ist wie beim Eurovision Songcontest Letzter im Halbfinale werden. Das ist ein kreatives Multiorganversagen. Und wie tun wir so? Wurscht, gibt eh unsere nationalen Werbepreise. Wer braucht schon die Cannes Lions, D&AD, One Show? Niemand.
43 Einreichungen hat Österreich beim Cannes Lions International Festival of Creativity ins Rennen geschickt. Insgesamt waren es 26.992 Einreichungen. Man muss keine Mathematiker sein, um sich die die Wahrscheinlichkeit eines Löwengewinns auszurechnen. Regel 1 lautet natürlich: Wer nichts einreicht, kann auch nichts gewinnen. Und Regel 2 lautet: Wer Arbeiten einreicht, die es schon beim NÖ Werbehahn oder beim Kurier-Werbeliebling nicht ganz nach oben schaffen, sollte man eventuell nicht bei den Cannes Lions mitspielen lassen.
Und wie so oft im Leben ist es auch bei Cannes Lions so, dass man ein Projekt entweder ganz oder gar nicht verfolgt. Und da kommt die ORF Enterprise als Österreich-Repräsentant der Cannes Lions ins Spiel: Wo sind die Zeiten, als im Vorfeld der Cannes Lions lautstark zum Einreichen aufgerufen wurde? Wo sind die Zeiten, als man vor Ort in Cannes mit einem Österreich-Fest oder zumindest einer DACH-Party Flagge gezeigt hat? Wo sind die Zeiten, als man die besten Arbeiten der jeweiligen Cannes Lions im Rahmen eines frühherbstlichen Events vor den Augen der heimischen Kreativszene ausgebreitet hat?
Die gute Nachricht: So sind wir nicht! Wir sind besser. Viel besser. Wir müssen aber auch dazu bereit sein, die besten Arbeiten aus der heimischen Werbe- und Marketingszene mit dem Allerbesten aus aller Herren Länder zu messen. Zeigen wir, was wir draufhaben! Sind wir selbstbewusst! Trauen wir uns etwas zu! Nehmen wir Geld in die Hand! Denn ohne Input, kein Output. Null Löwen und null Shortlistplatzierungen sind einfach ein Tiefpunkt, den es so nie wieder geben darf. Erschütternd.











