Lieber Matthias Ragyoczy, wie lief aus Sicht von YOC das Digital-Werbejahr 2025?
Matthias Ragyoczy: Wir konnten 2025 insgesamt sehr positiv abschließen. Die Investitionen in unsere eigene Technologie, mit unserer Plattform VIS.X als zentralem Herzstück, haben sich bezahlt gemacht und wir konnten unseren Kundinnen und Kunden die ideale Kombination aus High-Impact Formaten, punktgenauem Targeting und AI unterstützter KPI-Optimierung bieten. Eine schöne Bestätigung unserer täglichen Arbeit war der wiederholte erste Platz in der Imagestudie der Online-Vermarkter von MOMENTUM Wien.
Überwiegen beim Blick zurück die positiven oder die negativen Eindrücke und Entwicklungen?
Ragyoczy: Ich bin Optimist, daher überwiegen für mich die positiven Eindrücke und Entwicklungen. Für uns erfreulich war die steigende Nachfrage nach High-Impact Werbeformaten im Premium Umfeld. Das von manchen schon totgesagte Open Web hat genau hier nach wie vor die Stärken. Trotzdem darf man nicht darüber hinwegsehen, dass die Dominanz der internationalen Big Player im Bereich der Onlinewerbebranche erdrückend ist.
Auch wenn die Ursachen dafür längst klar sind, stecke noch einmal die aus deiner Sicht größten Problemfelder dafür ab?
Ragyoczy: Diese Player profitieren von globaler Skalierung, hohen Nutzerzahlen und wenig Regulierung, was es für lokale Anbieter deutlich schwieriger macht, im Wettbewerb um Werbebudgets zu bestehen. Maßnahmen auf lokaler Ebene wie die Digitalsteuer und das Medientransparenzgesetz sind gut gemeint, können daran aber leider nichts gravierend ändern.
Fließt also noch immer ungehindert in großem Stil Werbegeld aus dem österreichischen Markt ab?
Ragyoczy: Leider ja – die Zahlen sind alarmierend. Laut RTR-Daten ergibt sich aus der Digitalsteuer für 2025 ein Abfluss von Werbegeld aus Österreich an internationale Online-Plattformen in Höhe von gut 2,74 Milliarden Euro.
Siehst du irgendwo eine Besserung oder nur die Chance darauf?
Ragyoczy: Ja, das Bewusstsein für Premium Umfelder, die umfangreichen Werbemöglichkeiten im Open Web, hohe Servicequalität durch lokale Ansprechpartner und europäische Technologie steht natürlich auch bei den Werbekunden hoch im Kurs. Aber all das macht für die heimischen Player den Betrieb kostenintensiv.
Ein düsteres Szenario, was bedeutet das kurzfristig für den Medienstandort Österreich?
Ragyoczy: Kurzfristig bleibt der wirtschaftliche Druck auf heimische Medienhäuser und ‑vermarkter, der schlägt sich in Einsparungen und in weiterer Folge eventuell auch in einer Marktkonsolidierung nieder.
Und langfristig?
Ragyoczy: Langfristig besteht die Gefahr, dass die Vielfalt und Unabhängigkeit des Medienstandorts Österreich weiter geschwächt werden. Eine anhaltende Verschiebung der Wertschöpfung hin zu globalen Plattformen wird dazu führen, dass lokale Anbieter zunehmend an Relevanz verlieren.
Was muss passieren, dass diese immer wieder heraufbeschworenen Horrorszenarien nicht eintreten?
Ragyoczy: Neben einer fairen staatlichen rechtlichen Regulierung, um die Marktmacht globaler Plattformen zu begrenzen, muss von den lokalen Playern der Vorteil des lokalen Standorts und das Know-how in den Vordergrund gestellt werden.
Welche Innovationen gibt es aus deinem Haus, worauf dürfen sich die Werbekunden freuen?
Ragyoczy: Unsere Plattform VIS.X wird ständig weiterentwickelt. Wir haben beispielsweise unsere YOC Universal Video Solution um CTV erweitert, um hier das ganze digitale Bewegtbildspektrum abbilden zu können, und wir werden mit unserer VIS.X AI demnächst nicht nur auf Viewability, Klickrate, Completion Rate und Engagement Rate optimieren können, sondern auf Attention, die sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt.
Deine Erwartungen für 2026?
Ragyoczy: Ich blicke dem Jahr trotz den anstehenden Herausforderungen positiv entgegen. Das Open Web bietet so viele Möglichkeiten und nach wie vor eine riesige Reichweite, die es richtig zu nutzen gilt. Aus unserer Sicht bieten High-Impact Werbeformate, die durch unser in Wien ansässiges YOC Studio Kreativteam erstellt werden und in Verbindung mit unserer VIS.X AI Optimierung auf die gewünschten KPI optimiert und auf österreichischen Premium Publishern ausgespielt werden, ein stimmiges Gesamtpaket für Werbekundinnen und ‑kunden.
Dieses Interview ist Teil einer Gesprächsserie die zur „MOMENTUM Digitalspendingstudie 2025 & Prognose 2026”, die von der Agentur MOMENTUM WIEN in Kooperation mit dem iab austria erstellt wird. StudienteilnehmerInnen und Mitglieder des iab austria beziehen die Studie um 2.900 Euro (exkl. USt) per E‑Mail an bei MOMENTUM Wien. Der reguläre Preis der „MOMENTUM Spendingstudie 2025 und Prognose 2026“ beträgt 3.900 Euro (exkl. USt).













