Unternehmen blicken grundsätzlich optimistisch auf KI. Während fast 90 Prozent überzeugt sind, über die richtigen Tools zur Skalierung von Innovation zu verfügen, fühlen sich gleichzeitig mehr als die Hälfte durch ihren bestehenden Technologie-Stack eingeschränkt. Weniger als ein Drittel sieht die eigenen Mitarbeitenden tatsächlich bereit für KI. Das Ergebnis ist ein bekanntes Paradoxon: steigende Investitionen und wachsender Optimismus, aber stagnierendes Wachstum. Diese Spannung spiegelt auch die Erkenntnisse des Kyndryl Readiness Reports wider: Organisationen glauben, gut aufgestellt zu sein, doch strukturelle und infrastrukturelle Barrieren verhindern eine skalierbare Wertschöpfung durch KI.
Gleichzeitig berichten mehr als 50 Prozent der Unternehmen von positiven Renditen aus KI-Initiativen – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Dennoch verharren rund zwei Drittel der Projekte in der Pilotphase. Chatbots, Copilots und KI-Assistenten sind allgegenwärtig, doch nur wenige schaffen nachhaltigen, unternehmensweiten Mehrwert. Diese Lücke zwischen Ambition und Umsetzung prägt die aktuelle KI-Landschaft.
Die bisherige Entwicklung: Drei Wellen der KI
Um zu verstehen, warum dies so ist, lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der KI:
- Welle – Predictive AI:
Die erste Welle konzentrierte sich größtenteils auf Vorhersagemodelle und unterstützte Unternehmen dabei, datenbasierte Prognosen zu erstellen, um möglichst fundierte Entscheidungen zu treffen. - Welle – Generative AI:
Die zweite Welle, generative KI, brachte leistungsfähige Content-Erstellung und dialogbasierte Schnittstellen direkt zu den Nutzer:innen. GenAI machte KI sichtbar, zugänglich und beeindruckend. Organisationen wurden dadurch jedoch nicht automatisch effektiver. Viele Unternehmen setzen inzwischen fortschrittliche, menschenähnliche Chatbots ein, die intelligent wirken, deren Ergebnisse jedoch schwer messbar oder teilweise irreführend sein können. Generative KI erzeugt neue Inhalte, indem sie Muster in Daten erkennt. Sie versteht jedoch weder Geschäftsprozesse noch deren Zielsetzungen. Wird sie auf ineffiziente Abläufe aufgesetzt, automatisiert sie nicht Wertschöpfung, sondern Ineffizienz. Die Aktivität steigt, die Leistung jedoch nicht zwingend. - Welle – Agentic AI:
Genau hier setzt die dritte Welle an. Agentic AI geht über die Generierung von Erkenntnissen hinaus und übernimmt konkrete Handlungen. Diese Systeme können eigenständig analysieren, planen und mehrstufige Aufgaben ausführen, indem sie mit Software, APIs und digitalen Tools interagieren. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2028 in rund einem Drittel aller Unternehmensanwendungen Agentic AI integriert sein wird und ein signifikanter Anteil täglicher Entscheidungen autonom getroffen wird.
Warum Agentic AI kein gewöhnliches Software-Update ist
Agentic AI ist keine Plug-and-Play-Lösung. Sie erfordert eine grundlegende Neugestaltung von Workflows, Betriebsmodellen und Governance-Strukturen. Werden autonome Agenten lediglich auf bestehende, fehlerhafte Prozesse aufgesetzt, steigt das Risiko, nicht der Mehrwert.
Der eigentliche Wandel ist daher vor allem organisatorischer Natur: Mitarbeitende verlagern ihren Fokus von der operativen Ausführung hin zur Überwachung von Prozessen und dem Management von Ausnahmen. Das erfordert mehr als neue Technologien. Es verlangt kulturellen Wandel, klare Führungsstrukturen und ein strukturiertes Change Management, damit Mitarbeitende Vertrauen aufbauen, KI-Systeme akzeptieren und effektiv mit ihnen zusammenarbeiten.
Der österreichische Finanzsektor: Chance und Herausforderung zugleich
Mit rund 1,2 Billionen Euro an verwaltetem Vermögen sind österreichische Banken regional bedeutende Akteure. Rund 24 Prozent dieser Vermögenswerte werden von Tochtergesellschaften in anderen europäischen Ländern gehalten und unterliegen strengen regulatorischen Anforderungen. Trotz erheblicher Investitionen in Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche bestehen weiterhin Optimierungspotenziale – insbesondere aufgrund fragmentierter Daten, manueller Prozesse und begrenzter Automatisierung.
Agentic AI bietet hier substanzielle Verbesserungsmöglichkeiten. Anstatt isolierte Analytiklösungen einzusetzen, können Banken koordinierte „digitale Fabriken“ aus KI-Agenten etablieren, die Onboarding, Monitoring und Untersuchungen ganzheitlich abdecken. Menschliche Expert:innen bleiben dabei bewusst „im Loop“: Sie überwachen Entscheidungen, validieren Ergebnisse und greifen ein, wo Urteilsvermögen erforderlich ist. Die potenziellen Effizienzgewinne, häufig im Bereich mehrerer hundert Prozent, betreffen nicht nur Produktivität, sondern auch Konsistenz, Nachvollziehbarkeit und Kundenerlebnis. Compliance wird effektiver und belastbarer.
Worauf es jetzt ankommt
„Ein häufiger Fehler besteht darin, KI-Projekte als reine IT-Projekte zu behandeln“, sagt Jacqueline Wild, Vice President und Managing Director der Kyndryl Alps Region. „Tatsächlich handelt es sich um Transformationsprojekte: Prozesse müssen neu gedacht, Schutzmechanismen etabliert, Technologien modular gestaltet, Daten qualitativ hochwertig aufbereitet und Betriebsmodelle für die Zusammenarbeit von Mensch und KI entwickelt werden. Gleichzeitig müssen Mitarbeitende durch klare Kommunikation, kulturelle Ausrichtung und strukturiertes Change Management auf diesem Weg mitgenommen werden. HR, Finance, Legal und IT müssen von Beginn an eingebunden sein, denn genau hier liegt häufig die größte Hürde.“
Diese organisatorische Komplexität erklärt, warum viele KI-Strategien scheitern. Die richtige Partnerschaft und Expertise können hier den Unterschied machen – etwa bei der Gestaltung von Governance-Strukturen, der Orchestrierung von KI-Agenten innerhalb komplexer, regulierter Umfelder oder beim Change-Management, welches die Organisation tatsächlich mitnimmt. Kyndryl unterstützt österreichische Unternehmen dabei, KI mit einem strukturierten, policy-getriebenen Agentic-AI-Framework zu skalieren, das Governance, Compliance und Auditierbarkeit direkt in die Agenten-Orchestrierung integriert und den Übergang von Pilotprojekten zu realer, skalierbarer Wirkung unterstützt. Durch eine verlässliche Agenten-Orchestrierung und organisatorisches Change-Management unterstützt Kyndryl Unternehmen, KI-Agenten verantwortungsvoll und im Einklang mit geschäftlichen sowie regulatorischen Anforderungen einzusetzen.
Der Wendepunkt
Die KI-Ära tritt in eine neue Phase ein. Erfolgreich werden nicht jene Unternehmen sein, die die meisten Pilotprojekte starten, sondern jene, die bereit sind, Arbeit grundlegend neu zu gestalten. Agentic AI ist kein Zukunftskonzept mehr, sondern ein Test der Umsetzungskompetenz. Unternehmen, die diesen Test bestehen, werden das kommende Jahrzehnt in Bezug auf Produktivität und Wachstum wohl maßgeblich prägen.













