In seiner Keynote im Rahmen der JETZT GEO/SEO zeichnete Thomas Urban ein klares Bild der aktuellen Marktlage: Klassische Suchmaschinen verlieren zunehmend ihre Rolle als alleinige Traffic-Verteiler. KI-Plattformen und neue Suchformate verändern das Nutzungsverhalten spürbar. Besonders deutlich wird dies bei Google AI Overviews, die immer häufiger klassische organische Treffer verdrängen.
Aktuelle Studien zeigen laut Urban, dass sich die Klickrate bei Suchergebnisseiten mit AI Overviews nahezu halbiert. Während bei klassischen Suchergebnissen rund 15 Prozent der Anfragen zu einem organischen Klick führen, sinkt dieser Wert bei AI Overviews auf etwa acht Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil jener Suchanfragen, bei denen Nutzer:innen die Suche ohne weiteren Klick beenden. Die Erklärung: Viele Informationsbedürfnisse werden bereits direkt in der Suchoberfläche beantwortet.
Was AI Overviews sind und wann sie ausgespielt werden
AI Overviews sind ein neues SERP-Feature von Google, das vor allem bei informationsorientierten und komplexeren Suchanfragen ausgespielt wird. Die KI generiert dabei Zusammenfassungen aus verschiedenen Quellen und nennt Marken oder verlinkt Websites als Zitate. Besonders betroffen sind Suchanfragen mit „informational intent“, die den größten Anteil aller Suchanfragen ausmachen.
Urban ordnete AI Overviews im Vergleich zu bestehenden SERP-Elementen wie Featured Snippets oder Local Results ein und betonte, dass kein anderes Feature in den vergangenen Jahren einen ähnlich starken Einfluss auf Sichtbarkeit und Traffic hatte.
Neue Mechanismen: Memory und Query Fan Out
Ein zentrales Thema der Keynote waren die Funktionsweisen moderner KI-Suchen. Urban stellte zwei Konzepte in den Mittelpunkt: „Memory“ und „Query Fan Out“. Während Memory für eine starke Personalisierung auf Basis der bisherigen Nutzer:innen-Historie sorgt, zerlegt Query Fan Out eine Suchanfrage in mehrere Teilfragen zu unterschiedlichen Aspekten eines Themas.
Diese Mechanismen führen dazu, dass identische Suchanfragen je nach Person unterschiedliche Antworten liefern können. Für Content-Strategien bedeutet das, Themen deutlich umfassender und strukturierter abzudecken, um in den verschiedenen Antwortvarianten berücksichtigt zu werden.
Sichtbarkeit neu denken: Marken, Mentions und Autorität
Ein weiterer Fokus lag auf der Frage, wer in AI Overviews überhaupt ausgespielt wird. Entscheidend sind laut Urban vor allem Markenerwähnungen, Zitierungen und das allgemeine Sentiment rund um eine Marke. Die klassische SEO-Performance bildet dabei weiterhin das Fundament: Gute Rankings, Backlinks und Marken-Suchvolumen beeinflussen auch die Bewertung durch KI-Systeme.
Gleichzeitig gewinnen qualitative Faktoren an Bedeutung. Inhalte müssen klar strukturiert, präzise formuliert und thematisch tief ausgearbeitet sein. Sichtbare Autor:innen, nachvollziehbare Quellen und eine saubere technische Basis erhöhen die Wahrscheinlichkeit, von KI-Systemen zitiert oder verlinkt zu werden.
Fazit: SEO bleibt, wird aber komplexer
Urban zog ein nüchternes Fazit: SEO ist nicht obsolet, verändert sich aber grundlegend. AI Overviews reduzieren zwar den klassischen Traffic, eröffnen jedoch neue Formen der Sichtbarkeit. Unternehmen müssen lernen, nicht nur für Rankings, sondern für Erwähnungen und Zitate in KI-Antworten zu optimieren. Wer Inhalte entlang von Nutzer:innen-Intents strukturiert, Query Fan Out mitdenkt und Autorität systematisch aufbaut, kann auch im KI-Zeitalter relevant bleiben.














