Der Wecker klingelt, wenn es draußen noch dunkel ist. Öffi-Fans erwartet bei der Fahrt ins Büro der Stress übervoller U- oder Straßenbahnen bzw. Busse, Autofahrer der verlässliche Morgen-Stau. Doch danach lockt spannender Kaffee-Klatsch mit Kolleginnen und Kollegen in der Büro-Lounge. Home-Officer hingegen schlafen entspannt aus und rollen, sofern kein Online-Meeting ansteht, unfrisiert im Jogginganzug vor den Computer. Soweit das Klischee. Doch nicht alle Jobs eignen sich für die Arbeit in den eigenen vier Wänden.
Jeder zweite Job wird persönlich vor Ort ausgeübt
Die Möglichkeit, zumindest zeitweise daheim zu arbeiten, hat laut der repräsentativen Integral-Umfrage im Schnitt jeder zweite Befragte. Je jünger, desto eher. Bei den 16- bis 29-Jährigen werken 60 Prozent zum Teil in der eigenen Wohnung. Oberösterreich und Salzburg haben bei der Digitalisierung die Nase vorn. Hier genießen sogar 61 Prozent einen Job mit Home-Office-Anschluss. Unterschiede auch in punkto Ausbildung: Während 67 Prozent der Befragten mit Matura oder Uniabschluss remote arbeiten können, vor allem (leitende) Beamte bzw. Beamtinnen oder Angestellte, können das 64 Prozent der Menschen in Fach- oder Hilfsarbeit mit Pflichtschule bzw. Lehre nicht.
Auf Job-Anfragen reagieren können alle. Was aber, wenn echtes Problem auftritt? Wen fragen Menschen im Home-Office? Ist ja kein anderer bzw. keine andere da. Also ließ die IMMOBILIEN-RENDITE erheben, wie Menschen ein Problem im (Home-) Office lösen. Petra Starecek, Studienleiterin bei Integral, erkennt anhand der Daten große Unterschiede. „Die Lösung eines Problems im beruflichen Kontext funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office.“
Im Office liegt guter Rat nah
Trotz aller Bequemlichkeit des Heim-Büros hat das echte einen Startvorteil. Treten im Office Probleme auf, ist die Lösung nie weit entfernt. 57 Prozent finden Hilfe bei Kolleginnen bzw. Kollegen oder Vorgesetzten. Sie gehen einfach hinüber. Nur jeder Fünfte bewältigt das Problem hingegen allein. Und nur 17 Prozent via Zoom- oder Teams-Meeting. Bei einer Krise ist Anwesenheit eindeutig von Vorteil. Obwohl Telefon oder E‑Mail auch im Büro zum Greifen nah sind, sehen hier 45 Prozent in einem Call oder einer Message keine adäquate Lösungsstrategie.
Je weiter weg, desto weniger Austausch
Thomas J. Allen, Professor am Massachusetts Institute of Technology, entdeckte schon in den 1970er Jahren, dass die Häufigkeit der Kommunikation zwischen Ingenieurinnen und Ingenieuren exponentiell abnimmt, je weiter sie physisch voneinander entfernt sind. Seine Forschung wurde als „Allen Curve“ berühmt und bestätigt den Wert physischer Nähe. Mathias Mühlhofer, Vorstand der IMMOBILIEN-RENDITE AG, kann das nachvollziehen. „Wie auch die Integral-Umfrage zeigt, macht es einen Unterschied, wie weit jemand gehen muss. um einen rettenden Engel zu finden, der bei der Problem-lösung hilft.“
So fragen 43 Prozent ihre direkten Sitznachbarinnen und ‑Nachbarn um Rat (und bekommen ihn). 49 Prozent sind bereit, für Hilfe ein paar Zimmer weiter zu gehen. Aber nur 8 Prozent konsultieren Kollegen bzw. Kolleginnen oder Vorgesetzte, die einige Gehminuten entfernt sitzen.
„Amazon, Google & Co. haben bewusst die Rückkehr ins Büro eingeläutet. Die großen Tech-Firmen stellten bereits fest, dass Angestellte daheim berufliche Probleme weniger effizient lösen als in einer Büro-Gemeinschaft“, erklärt Mühlhofer. „Dasselbe sehen wir bei der Zusammenarbeit in unserem Team, denn bei Projekten denken wir gerne um die Ecke. Die kreativeren Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt und nicht bei einsamer Bebrütung von Hindernissen auf dem Sofa daheim.“
Im Home-Office helfen Handy, Google, X & KI
Was tun aber Home-Officer, wenn der Gang zum Nachbar-Schreibtisch keine Option ist? Wie die Umfrage zeigt, wählen sie die im Vergleich zum Büro nur zweitbeste Troubleshooting-Strategie. 76 Prozent rufen an bei Kollegen, Kolleginnen oder Vorgesetzten bzw. schreiben ihnen eine Nachricht. 43 Prozent ergoogeln Hilfe in Suchmaschinen, vor allem Männer (53 Prozent) und Selbständige (66 Prozent). Immerhin wissen 22 Prozent aber um die Grenzen der Solo-Kreativität und verschieben die Krisen-Bewältigung auf einen Tag im Büro. 20 Prozent wenden sich in großer Job-Not an die scheinbar allwissende Künstliche Intelligenz (KI). Und 5 Prozent konsultieren sogar selbsternannte Expertinnen oder Experten in den Social-Media-Communities von X, Bluesky & Co.
IMMOBILIENRENDITE-AG-Vorstand Markus Augenhammer überraschen die Daten nicht. „Auch unsere steigenden Anfragen nach Büros zeigen deutlich, dass das Office zu einem kräftigen Comeback ansetzt. So sind unsere Standorte mit leistbaren Einheiten in Wien und Umgebung fast durchgehend ausgebucht. Unsere Mieterinnen und Mieter wissen bereits, dass Gemeinschaft nicht zu schlagen ist, wenn Kreativität und Lösungskompetenz gefragt sind.“













