„Feindbild Frau”: Wie digitale Gewalt Frauen aus der Politik drängen soll

Ingrid Brodnig analysiert in ihrem neuen Buch die systematischen Mechanismen digitaler Gewalt gegen Politikerinnen. Anhand zahlreicher Gespräche und konkreter Fälle zeigt sie, warum Hass im Netz kein Randphänomen ist, sondern eine Gefahr für Demokratie.

Beitrag teilen:

Ingrid Brodnigs Buch „Feindbild Frau”, das am 18. Februar 2026 erscheint, widmet sich einem Thema, das seit Jahren präsent ist, aber oft verharmlost wird: gezielte Einschüchterungskampagnen gegen Frauen in der politischen Öffentlichkeit. Die Journalistin und Digitalexpertin beschreibt digitale Gewalt nicht als individuelles Schicksal, sondern als strukturelles Problem mit demokratiepolitischer Dimension.

Systematische Angriffe statt Einzelfälle

Im Zentrum des Buches stehen die Erfahrungen von Politikerinnen aus Deutschland und Österreich. Brodnig hat unter anderem mit Renate Künast, Yvonne Magwas, Beate Meinl-Reisinger und Sigrid Maurer gesprochen. Ihre Berichte machen deutlich, dass Bedrohungen, Diffamierungen und sexualisierte Angriffe keine zufälligen Entgleisungen sind, sondern oft nach ähnlichen Mustern ablaufen.

Brodnig arbeitet heraus, wie gezielte Online-Kampagnen funktionieren, welche Rolle rechte Netzwerke dabei spielen und wie Bildmontagen, Drohungen oder massenhafte Kommentare eingesetzt werden, um Frauen aus der öffentlichen Debatte zu drängen. Die Autorin zeigt dabei auch, dass die Sichtbarkeit von Frauen in Machtpositionen häufig als Provokation wahrgenommen wird.

Die Rolle von Plattformen und Medien

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verstärkung dieser Dynamiken durch Social-Media-Plattformen und zugespitzte Berichterstattung. Brodnig analysiert, wie algorithmische Logiken Empörung begünstigen und warum Hassbotschaften oft länger sichtbar bleiben als sachliche Gegenrede. Auch klassische Medien kommen nicht unkritisch davon, wenn Zuspitzung und Personalisierung unbeabsichtigt digitale Angriffe befeuern.

Strategien gegen digitale Gewalt

Das Buch bleibt jedoch nicht bei der Analyse stehen. Brodnig beschreibt technische, rechtliche und kommunikative Schutzmöglichkeiten, die sich aus den Erfahrungen der Betroffenen ableiten lassen. Dabei wird deutlich, dass es keine einfache Lösung gibt, wohl aber Handlungsspielräume. Besonders betont sie die Bedeutung von Solidarität und öffentlicher Gegenwehr, wenn Betroffene ihre Erfahrungen sichtbar machen.

Ein Beitrag zur demokratischen Debatte

„Feindbild Frau” ist keine alarmistische Zuspitzung, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Brodnig verbindet journalistische Recherche mit analytischer Einordnung und macht klar, dass digitale Gewalt nicht nur einzelne Politikerinnen betrifft, sondern die politische Kultur insgesamt. Das Buch liefert damit einen wichtigen Beitrag zur Debatte über Meinungsfreiheit, Macht und Teilhabe im digitalen Raum.

Hier geht es direkt zum Buch, das heute erschienen ist.

Beitrag teilen: