Die Abgreifer der Digital-Förderung

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Albert Sachs
Das Förderungsprogramm KMU.Digital ist eine durchaus sinnvolle Initiative. Insgesamt 35 Millionen Euro liegen im Topf. Da wollen auch immer mehr dubiose Abzocker mitnaschen.

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Die „nachhaltige Transformation von Geschäftsmodellen und Prozessen“, die „Steigerung der Effizienz durch E‑Commerce, Online Marketing & Social Media“, die „Resilienz durch IT- und Cybersecurity” sowie „Ressourcenoptimierung durch digitale Verwaltung” – diese Punkte werden unter anderem als Ziel der Digitalisierungsoffensive KMU.Digital genannt. Dahinter steckt eine Initiative des Wirtschaftsministeriums (BMWET), die Wirtschaftskammer (WKÖ) tritt als Kooperationspartner in Erscheinung.

So ehrwürdig die Ziele der Aktion, so groß offensichtlich auch die Begehrlichkeiten von selbsternannten Beratern und dubiosen Agenturen, die vom Millionenkuchen mitnaschen wollen. Immerhin mit 35 Millionen Euro ist der Topf für die Jahre 2024 bis 2026 gefüllt. Seit dem 12. Jänner läuft der aktuelle Förderdurchgang. Offen bleibt, ob und wie diese Initiative angesichts des Sparzwangs für die Regierung nach dem Auslaufen der aktuellen Förderperiode weiterläuft. Umso mehr scheint bei den potenziellen Abgreifern Eile geboten. Aktuell werden diverse Social Media-Kanäle gerade mit Angeboten zum Erstellen von Websites „inklusive Förderung“ geflutet.

Diese Offerte geben sich nicht nur erfolgsgewiss, sondern mindestens ebenso staatstragend. Da prangt dann die österreichische Flagge und/oder das rot-weiß-rote Logo der österreichischen Ministerien formatfüllend in den Online-Anzeigen. Auch die angegebenen Webadressen, die zu den verlockenden Förderangeboten führen sollen, tragen meist Namen mit einem offiziösen Anstrich. Doch die Webadressen führen in den meisten Fällen zu ein und demselben Unternehmen und werden im Impressum als eingetragene Marken dieser Agenturen oder Berater genannt.

„Jetzt 9000€ Kmu digital Förderung sichern!“ ist da beispielsweise zu lesen. Wobei diese Formulierung überraschend konkret erscheint. Denn jener Anteil an der KMU-Förderung, den man sich „jetzt noch sichern“ soll, schwankt je nach Anzeigenmotiv zwischen 7.400 und den bereits genannten 9.000 Euro. In den allermeisten Fällen ist den genannten Fördersummen vorsorglich ein „bis zu“ oder „max.“ vorangestellt. Der Höchstbetrag aus dem KMU.Digital-Topf liegt derzeit tatsächlich bei 3.000 Euro für Beratungsförderungen und 6.000 Euro für die Förderungen von Umsetzungen.

Websites, Homepages, Websites und ähnliche Begriffe sind auf der Webseite allerdings nirgendwo als förderbare Projekte angeführt. Warum auch? Am beginnenden zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts buhlen diverse (seriöse) Anbieter mit ihren Angeboten zum Selbstbau von Websites um Kunden. Das Erstellen einer Homepage mit diversen Services und Info-Zweigen stellt längst keine Rocket-Science mehr dar. Jeder halbwegs begabte HTL-Schüler im zweiten Jahrgang kann heutzutage einen ansehnlichen Webauftritt inszenieren. Förderungen braucht es dazu nicht.

Wer wissen will, was oder wie Projekte mit dem KMU.Digital-Programm gefördert werden, kann sich über die Website der Initiative sehr genau informieren, unter welchen Voraussetzungen was gefördert wird. Ein Kapitel listet auch auf, welche Vorhaben nicht unterstützt werden, beispielsweise die „Aktualisierung von Webseiten, die lediglich den Content bzw. das Design einer Webseite betreffen“.

Wer also verspricht, den Online-Auftritt oder „deine Website neu machen“ zu wollen, hat es vermutlich nur auf fette Beratungshonorare abgesehen. Bestenfalls auf billige Kundenkontakte. Aber auch dann handelt es sich bei den Online-Werbesujets zur vermeintlichen KMU.Digital-Förderung nur um eine billige Masche.

Alle fundierten Infos zu KMU.Digital gibt es auf der Website des Wirtschaftsministeriums und der Projekt-Seite KMU.Digital.

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