© Ursula Schmitz

Bobby Herrmann-Thurner ist Unternehmerin, Aktivistin, Podcasterin und Autorin

Bobby Herrmann-Thurner, Autorin: „Sprecht mit Mehrgewichtigen, nicht über sie.”

Bobby Herrmann-Thurner ist Autorin des Buches "Fat Business". Im Interview, aber auch in ihrem Buch spricht sie über Gewichtsdiskriminierung. Beim Speakers Corner im Rahmen des JETZT SUMMIT am 25. und 26. März in Wien stattfindet, stellt sie das Buch vor.

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In deinem neuen Buch „Fat Business“ beschreibst du Gewichtsdiskriminierung als strukturelles Problem. Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Leser:innen unbedingt verstehen sollten?

Bobby Herrmann-Thurner: Dass es Gewichtsdiskriminierung tatsächlich gibt, wir alle Teil davon sind und uns dadurch gesellschaftlich, wirtschaftlich und auch sozial, schaden.

Du zeigst auf, wie Politik, Medizin und Wirtschaft vom bestehenden System profitieren. Wo siehst du den größten Hebel für echte Veränderung?

Herrmann-Thurner: In einer politischen Initiative, einem Gesetz, gegen Gewichtsdiskriminierung. In einer Ausbildung von medizinischem Fachpersonal, in der Gewichtsdiskriminierung als Thema behandelt wird, in einer gesellschaftlichen Diskussion mit Mehrgewichtigen, die zu einem besseren Austausch führt und nicht einfach Vorurteile und Stigmatisierung verstärkt. Wenn ich an Marketing und Werbung denke: das Zeigen diverserer Körperbilder darf keine Alibi-Handlung sein, ein wirkliches Verständnis für die Zielgruppe „Plus Size“ sollte entwickelt werden. Das wirtschaftliche Interesse an Mehrgewichtigen begrenzt sich auf den Absatz von Diätprodukten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln, darüber hinaus existieren dicke Menschen nur als Negativbeispiele für Faulheit, Lethargie und leidende Volkswirtschaften – hier geht so unglaublich viel Potenzial verloren, Fachkräfte, die wir brauchen, dieses Potenzial dürfen wir nicht, nur weil wir Vorurteile haben, liegen lassen.

Welche Rolle spielen Medien und Werbung dabei, wie wir Körper bewerten und was müsste sich dort dringend ändern?

Herrmann-Thurner: Eine große Rolle, denn Körperbilder und ‑klischees werden über Medien und Werbung verbreitet. Es braucht mehrgewichtige Vorbilder, die in den Medien gezeigt werden, diversere Körperbilder, die vermittelt werden, ein Verständnis dafür, was Mehrgewichtige brauchen. Dazu gehört ein Abbau von Vorurteilen. Medien sowie Werbung haben hier eine wesentliche Rolle, denn die so transportieren Bilder und Körpernormen, beeinflussen die öffentliche Wahrnehmung und den gesellschaftlichen Diskurs. Weshalb es umso wichtiger ist, dass wir uns in der Medienlandschaft und der Werbung mit unseren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen. Ein Verständnis für die Bedürfnisse Mehrgewichtiger, eine Sprache, die dicke Menschen nicht ausgrenzt und beleidigt – all diese Punkte sollten Berücksichtigung finden. Denn die Ausgrenzung einer größer werdenden Zielgruppe können wir uns eigentlich nicht leisten.

Du präsentierst dein Buch im Speakers Corner beim JETZT SUMMIT 2026: Welche Botschaft möchtest du dem Publikum in diesen 20 Minuten unbedingt mitgeben?

Herrmann-Thurner: Sprecht mit Mehrgewichtigen, nicht über sie, wie ihr über dicke Menschen denkt, beeinflusst eure Arbeit für sie. Eure Annahmen sind keine fundierten Fakten, sie beruhen oft auf Vorurteilen. Plus Size ist eine wichtige Zielgruppe, die nicht ignoriert werden darf. Aktuell herrscht eine Art Alibi-Diversität was Körpervielfalt betrifft vor. Das wiederum kann zu einem Glaubwürdigkeitsproblem für Marken und Unternehmen führen. Besonders in der Werbung verkaufen wir an dicke Menschen, in dem wir vor allem Scham bedienen, körperliche Makel anprangern, das ist menschlich unter aller Kritik, darüber hinaus aber auch wirtschaftlich kurzsichtig. Denn wir übersehen nicht nur Marktpotenzial und zementieren Vorurteile ein, sondern bedenken nicht, dass Bodyshaming ob in der Werbung, in den Medien, im eigenen Unternehmen ein Produktivitätskiller ist und bares Geld kostet. Kurz gesagt: Gewichtsdiskriminierung bringt genau nichts und schadet im Endeffekt uns allen.

Was hältst du allgemein davon, eine Konferenz wie den JETZT SUMMIT mit dem Speakers Corner abzuhalten?

Herrmann-Thurner: Debatten anstoßen, Meinungen austauschen, nicht nur ein wichtiges demokratisches Prinzip, sondern auch eine Möglichkeit neue Ideen und andere Perspektiven aufzuzeigen. Für die Weiterentwicklung einer Branche sind diese Mechanismen essenziell. Insofern bin ich gespannt, welche Debatten entstehen und welche Ideen in der Speakers Corner des JETZT SUMMIT zu hören sein werden. Ich freu mich drauf.

Anmeldungen zum JETZT SUMMIT 2026, er am sind bereits hier möglich. Der Ticketpreis für den JETZT SUMMIT 2026 beträgt regulär 390 Euro netto für einen Konferenztag sowie 590 Euro netto für beide Konferenztage. 

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