Seit über einem Jahrhundert steht der Eisbär sinnbildlich für Coca-Cola. 1922 tauchte er erstmals in einer französischen Printanzeige auf, spätestens mit der 1993 gestarteten Kampagne „Always Coca-Cola“ wurde das Tier zur festen Markenikone. Umso provokanter ist nun der jüngste Vorstoß von Pepsi: Im diesjährigen Super-Bowl-Commercial lässt der Konkurrent den legendären Eisbären symbolisch die Seiten wechseln.
In dem von BBDO entwickelten Spot tritt der Eisbär zu einer Blindverkostung an – Pepsi gegen Coke. Das Ergebnis trifft ihn unerwartet: Er entscheidet sich für Pepsi. Die Erkenntnis stürzt ihn in eine kleine Identitätskrise. Man sieht ihn beim Therapeuten auf der Couch, später beobachtet er sehnsüchtig Restaurantgäste beim Pepsi-Trinken. Als schließlich eine charmante Eisbärin auftaucht und ihm eine Dose anbietet, ist seine jahrzehntelange Markentreue endgültig Geschichte.
Das Finale steigert die Provokation noch: Bei einem Konzert wird das Eisbärenpaar eng umschlungen von der Stadionkamera eingefangen – inklusive Pepsi in der Hand. Die Szene spielt augenzwinkernd auf virale Kisscam-Momente an, untermalt vom Queen-Klassiker „I Want to Break Free“. Die Botschaft ist eindeutig: Befreiung von alten Loyalitäten.
Für Coca-Cola dürfte der Seitenhieb besonders schmerzen, da der Spot ausgerechnet während des Super Bowl lief – einem der reichweitenstärksten Medienereignisse weltweit. Im Vorjahr verfolgten laut Nielsen durchschnittlich 123,7 Millionen Menschen das Finale. Coca-Cola selbst verzichtet in diesem Jahr auf einen Super-Bowl-Auftritt und fokussiert sich stattdessen auf seine Fußball-WM-Kampagnen.
Eine offizielle Reaktion aus Atlanta bleibt bislang aus. Dafür reagiert das Internet umso schneller: In sozialen Netzwerken kursieren bereits zahlreiche Adaptionen und Parodien des Spots. Viele davon wurden mithilfe von KI produziert – und zeigen, wie rasant sich kreative Gegenentwürfe heute verbreiten können. Die Markenfehde bekommt so eine zusätzliche digitale Bühne, auf der Humor und Technologie Hand in Hand gehen.














