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Rita-Maria Spielvogel, Creative Director & Member of the Board von DDB Wien und Executive Board Member des ADCE (Part of The One Club for Creativity)

Rita-Maria Spielvogel, ADC*E: „Wir haben längst erkannt, dass kreative Werbung nicht Kreativensache allein ist.”

Im Interview erklärt Rita-Maria Spielvogel (DDB/ADC*E) ihre Rolle im ADC*E, wofür der ADC*E steht und welche Änderungen beim Art Directors Club of Europe in den nächsten Jahren zu erwarten sind.

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Die Creative Week des ADC*E (Art Directors Club of Europe) in Barcelona inklusive Jurierung, Award Gala und dem AI Creative Summit liegt hinter uns: Wie sieht Deine persönliche Bilanz in Deiner Rolle als Executive Board Member des ADC*E aus? 

Rita-Maria Spielvogel: Zwei zusammenfassende Worte: Unfassbar viel. Und das bezieht sich auf alles, was während der Creative Week Europe in Barcelona stattgefunden hat: Die Keynotes und Challenges, die Award Gala und auch das letzte offizielle Board Meeting des Jahres 2025 haben wir während der Creative Week abgehalten. Warum „unfassbar viel“? Wir konnten für den Award, der erstmals für alle Ländergewinnerarbeiten, egal ob Bronze, Silber oder Gold, eine Entryfee einhob, insgesamt ein tolles Ergebnis erreichen, eine faszinierende Breite von Arbeiten aus den unterschiedlichsten Ländern und Regionen Europas wurden präsentiert – und dann auch ausgezeichnet. Unfassbar viel hatten wir uns auch an Qualität für das Programm der Woche überlegt und dazu den Schwerpunkt auf AI gesetzt. Unser Ziel war, dass die Besucher:innen ein Maximum an Input und Inspiration mitnehmen konnten – auch das haben wir erreicht. Unfassbar viel haben wir uns zudem als ADC*E Board für die Zukunft des Clubs und der Creative Week Europe vorgenommen, an der wir aktuell mit Hochdruck arbeiten. 

Wofür steht der ADC*E aus Deiner Sicht heute? Was wurde mit dem ADC*E in den vergangenen Jahren schon erreicht? 

Spielvogel: Als ADC*E stehen wir heute einerseits als DIE Vertretung von 25 Clubs aus 24 Ländern in Europa. Für sie und für das Standing und die Stärkung des kreativen Powerhauses Europa setzen wir uns ein. Zugegebenermaßen hat die Pandemie die Aktivität des Clubs deutlich zurückgedrängt, das wollen wir wieder ändern. Zusätzlich ist unser Award DIE Europameisterschaft der Kreativwirtschaft in Europa. Denn nur wir zeichnen Arbeiten, die sich als Landespreisträger für die Teilnahme am ADC*E Award qualifiziert haben, mit europäischen Shortlists, Bronze‑, Silber- und Gold-Medaillen aus. 

Du bist seit Jänner dieses Jahres Executive Board Member des ADC*E: Wo siehst Du noch Potential für den ADC*E? 

Spielvogel: Es gibt viel Potenzial und damit viel zu tun. Denn der Club muss an seiner Relevanz arbeiten. Eine starke Vertretung bedeutet, sich für die Interessen der Mitglieder dort einzusetzen, wo es notwendig ist. Der ADC*E muss (wieder) Opinion Leader und Sparring Partner dort werden, wo Entscheidungen getroffen werden, die Marketing und Kreativindustrie in Europa betreffen. Das sehe ich als zentral, passiert aber nicht von heute auf morgen, sondern muss aktiv angegangen werden. Außerdem müssen wir am Wert des ADC*E Award arbeiten; er ist DER europäische Kreativpreis, die Europameisterschaft, und sollte auch bei den Awardpunkten entsprechend bewertet werden. Das Es liegt an uns, das wieder bewusst zu machen. Dass uns in der Awardlandschaft die Abschaffung von Kreativrankings in einigen Ländern nicht hilft, ist ein zusätzlicher unglücklicher Umstand.

Die Creative Week des ADC*E und früher auch das ADC*E Festival fanden in den vergangenen Jahren immer in Barcelona statt. Nun gibt es Tendenzen, ein paneuropäisches Festival auch in anderen europäischen Städten stattfinden zu lassen. Wohin wird das Pendel ausschlagen?

Spielvogel: Ja, das ist richtig und die Tendenzen sind schon mehr als das, nämlich ein konkreter Plan. Denn als ADC*E immer nur an einem Ort zu sein mit der Creative Week Europe, das entspricht nicht dem europäischen Gedanken. Wir wollen uns bewegen und das werden wir auch tun. Dazu haben wir augenblicklich einen Favoriten, was den Ort betrifft und sind mit den großen Marken und der Stadt bereits in Kontakt. Wenn das klappt, dann gerne mehr. 

Dem Vernehmen nach soll die Creative Week des ADC*E auch zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden, nämlich nicht mehr Mitte November bis Anfang Dezember. Was ist da dran? 

Spielvogel: Da ist ganz viel dran und zwar aus mehreren Gründen: Einerseits wollen wir die ersten sein, die die „Festival-Saison“ eröffnen, und zweitens wollen wir es mit früherem Zeitpunkt und zentralerem Ort mehr Menschen aus der Marketing‑, Werbe- und Technologiebranche möglich machen, bei der Creative Week Europe dabei zu sein. 

Wenn Du Dir die Creative Week des ADC*E im Jahr 2027 aus heutiger Sicht so ausmalst: Wie sieht die vom Konzept, vom Setting und von den Programmpunkten her aus?

Spielvogel: Wir müssen uns öffnen. Der Austausch in der Kreativbubble ist ein guter, keine Frage. Aber die Exklusivität von Kreativen bei einer solchen Woche ist veraltet. Wir haben längst erkannt, dass kreative Werbung nicht Kreativensache allein ist. Es braucht Marketer:innen, die ebenso an die Kraft einer Idee für ihre Marke bzw. deren Kommunikation glauben. Genauso, wie Kreativität bereits in der Strategie gefragt ist. Deshalb werden wir uns sowohl vom Publikum als auch vom Content her breiter und zeitgemäß ausrichten. Apropos Ausrichtung: Um für die nächsten Schritte des ADC*E auch gut aufgestellt zu sein, haben wir beim Board Meeting in Barcelona Dörte Spengler Ahrens zur neuen Präsidentin gewählt. Bewusst folgt hier Deutschland auf Deutschland, nicht weil man Ländersieger beim diesjährigen ADC*E Award ist, sondern, weil der größte (Kreativ)Markt uns als Club besonders stärken kann. Dörte wird Alex Schill ab Anfang 2026 „begleiten“ und dann ab Mai übernehmen. Warum „begleiten“: Weil wir, wie oben erwähnt, richtig viel vorhaben. Unfassbar viel.

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