Worum geht es in deinem aktuellen Film „Creativo Paradiso – A Creative Renaissance“ in wenigen Worten?
Hermann Vaske: In Creativo Paradiso begeben wir uns mit der Schauspielerin Lilith Stangenberg und dem Musiker Blixa Bargeld auf die Suche nach einer neuen kreativen Renaissance. Dabei begegnen wir Künstler:innen, die ihre kreativen Geheimnisse mit uns teilen. Sie alle nehmen uns mit in ihr kreatives Paradies und helfen uns, unsere eigene Kreativität zu entfesseln.
Was war deine zentrale Motivation, gerade jetzt mit „Creativo Paradiso – A Creative Renaissance“ einen Film über Kreativität und kreativen Ausdruck in Krisenzeiten zu machen?
Vaske: Ich war inspiriert von der italienischen Renaissance und wollte herausfinden, wie Kreativität in Zeiten der Krise Menschen zusammenbringt. Ich wollte herausfinden, welcher Funke eine neue kreative Renaissance entfachen wird und wo er zu finden ist. Dazu führte ich Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten aus allen kreativen Bereichen und Disziplinen. In Berlin filmte ich zum Beispiel mit Wim Wenders. Wim sagte, dass für ihn eine kreative Renaissance immer möglich sei. Und dass große Krisen der Menschheit sogar helfen können to get back on track. In diesem Zusammenhang zitierte er Leonhard Cohen: „There’s a crack in everything.“ Filme können solche kleinen Risse schaffen, durch die dann das Licht hindurchscheint. Die Welt ist im Grunde ein geschlossenes System, und es ist die Kreativität, die es öffnen kann. Meine größte Inspiration war mein Freund Oliviero Toscani. Er brachte mich zum Thema der kreativen Renaissance. In einem unserer Gespräche erwähnte Oliviero den Maler und Architekten Giorgio Vasari und die italienische Renaissance. Er sagte. „Hermann Vaske is a modern Vasari who tells us all about creative modern communication.” Sicherlich hat Oliviero hier etwas übertrieben. Aber sein Vergleich machte mich neugierig. Ich recherchierte zu Vasari und tauchte ein in die Renaissance. Das Gespräch war Funke und Motivation zugleich, der mich zu meiner Suche nach einer neuen kreativen Renaissance motivierte. Deshalb habe ich ihm den Film auch gewidmet. Als ich ihn einmal fragte, was er denn wirklich von einem kreativen Werk erwarte, sagte er: „Surprise me, please surprise me.“ Ich hoffe, Creativo Paradiso wird seinem Wunsch gerecht.
Der Film vereint eine beeindruckende Bandbreite an Künstler:innen — von Musiker:innen über Performance-Künstler:innen bis Regisseur:innen. Wie hast du entschieden, wer ins „kreative Paradies“ eingeladen wird?
Vaske: Dazu stellte ich mir die Frage, wer überhaupt den oder die Schlüssel zum kreativen Paradies hat. Also traf ich die großartige Marina Abramovic, die übrigens gerade im Albertina Modern in Wien mit einer tollen Ausstellung zu sehen ist. Oder der tolle Willem Dafoe und natürlich Wim Wenders, dessen Lebenswerk gerade in der Bundeskunsthalle in Bonn mit einer fulminanten Ausstellung gewürdigt wird. Darüber hinaus habe ich in LA mit dem Künstler Paul McCarthy in seinem Studio gedreht. In Los Angeles drehte ich mit der bionischen Popkünstlerin Viktoria Modesta. Viktoria erzählte mir von ihrem NASA Jet Propulsion Laboratory-Projekt, das Kunst und Wissenschaft zusammenbringt und so etwas Neues schafft. Ihr kreatives Paradies kennt keine Grenzen. Hier entsteht eine überaus kreative Synergie zwischen Weltraum, Erde und Metaverse.
Wie reiht sich der aktuelle Film in dein Gesamtwerk ein?
Vaske: Creativo Paradiso ist Teil meines World Creativity Projects. Zum Projekt gehören Filme wie „Why Are We Creative“, „Why Are We Not Creative“, „Can Creativity Change the World“ und „Creativo Paradiso“. Außerdem findet meine Ausstellung „Why Are You Creative“ regelmäßig in Museen und Kulturhäusern in aller Welt statt. Diesen Sommer war sie im Goethe-Institut Paris zu sehen, und momentan ist sie bis Mitte Februar 2026 im Kunsthaus Wiesbaden ausgestellt. Und es gibt zwei Bücher: The Dialectic of Creativity, erschienen bei Hatje Cantz ‚und das Why Are You Creative-Postkartenbuch, das Anfang des Jahres bei Seltmann Publishers in die zweite Auflage geht.
Als jemand, der sich intensiv mit Kreativität beschäftigt – wie schätzt du die aktuelle Entwicklung von Werbung und Marktkommunikation im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz ein?
Vaske: Wie Gary Kasparow mir sagte: AI öffnet weder die Tore der Hölle, noch hält es die Schlüssel zum Paradies. In ihrer Rolle als Assistenten können uns künstliche Intelligenz und Maschinen durchaus helfen, unser volles kreatives Potential auszuschöpfen. AI ist ein Werkzeug, das uns hilft, über die Grenzen unserer Vorstellungskraft hinauszugehen.
Warum hast du neben einigen deutschen Städten auch Wien als Ausstrahlungsort für deinen Film gewählt?
Vaske: Wien war für mich immer ein kreatives Paradies, aber mit einer anständigen Portion Purgatorium und Inferno. Von Nitsch bis Mahler. Von Seidl bis Klimt. Von Holzinger bis Freud und Ayub bis Falco…













