Gary Thuerk kennen heute vermutlich die wenigsten Menschen auf diesem Planeten. Und doch gilt der ehemalige Computer-Verkäufer und Marketingexperte bei dem US-Computer-Unternehmen DEC als der Erfinder eines der am meisten eingesetzten digitalen Tools. Eines Kommunikationsinstruments, das viele nützliche Dienste erwies, aber heute wohl als eine der größten Geißeln des digitalen Zeitalters gilt, rund um den Globus für Ärger und Verdruss sorgt sowie Menschen in aller Herren Länder in den finanziellen Ruin trieb und treibt. Thuerk erfand das Spam-Mail. Unfreiwillig.
Die Geschichte geht so. Die Kunden von Thuerks Firma kamen vorwiegend von der US-Ostküste. DEC wollte aber sein Geschäftsfeld auf die Westküste ausbauen. Dem Computer-Verkäufer kam dazu die Idee, potenziellen Kunden für eine Präsentation ein E‑Mail zusenden. Diese Form des Informationsaustauschs steckte im Frühjahr 1978 noch in den Kinderschuhen. Doch Thuerk erkannte im ARPANET, dem Vorgänger des Internets, einen neuen Kanal zur Kundenansprache und so versandte er an die E‑Mail-Adressen von 320 ARPANET-Benutzern an der Westküste ein Einladungsmail. Seither gilt der 3. Mai 1978 als Geburtsstunde des Spam-Mails.
So gut die Absichten des DEC-Marketingmanns waren, so viel Ärger brachte er mit seiner unfreiwilligen Erfindung in die Welt. Denn trotz aller Zugangshürden und Spamfilter wird wohl die Inbox von uns allen noch immer täglich mit Mails, die uns Gewinncodes, allerlei liebliche Bekanntschaften, mannigfache Warengutscheine, ein unglaubliches Millionenerbe, mehr Potenz oder was auch immer versprechen, geflutet.
Ob der Zufallserfinder mit seiner Innovation glücklich wurde, ist nicht überliefert. Auch die Spuren des Begriffs Spam verlieren sich irgendwo in der Urgeschichte der digitalen Massenkommunikation. Meist wird dafür ein Datum in den frühen 1990er-Jahren genannt. Eine Anwaltskanzlei soll damals per Massenmail ihre Unterstützung zum Erwerb der Green Card angeboten haben. Irgendwo tauchte dazu angeblich der Begriff Spam auf. Jedenfalls dürfte das Internet spätestens damals seine Unschuld verloren haben.
Massenmails entwickelten sich jedenfalls rasch zu einem beliebten, weil wirkungsvollen Marketing-Instrument. Schon DEC soll kurz nach Thuerks Spam-Premiere seinen Umsatz mit Computern um deutlich mehr als zehn Millionen US-Dollar ausgebaut haben. Und noch in der Gegenwart werden Newsletter als wirkungsvollen Marketing-Instrument präsentiert, wie sich unter anderem auf der gerade (25. und 26. März) über die Bühne gegangenen Fachkonferenz JETZT SUMMIT 2026 zeigte.
Andererseits werden die weltweiten Schäden, die Spam-Mails heute verursachen, auf mehrere Hunderte Milliarden Euro geschätzt. Malware und Phishing zählen zu den hässlichen Begleiterscheinungen des digitalen Fortschritts. Trotz aller Betrugs-Maschen, die bei den wenigsten Usern noch verfallen, gibt es immer wieder Menschen und Unternehmen, die zum Spam-Opfer werden. Weder den diversen Newsletter-Anbietern noch den digitalen Plattformen gelingt es, die Spam-Flut einzudämmen. Ganz zu schweigen von den diversen gesetzlichen Bemühungen, diese zu stoppen. Stichwort DSGVO. Im Gegenteil, die Spammer wollen nicht kapieren, dass ihre Methoden eine tägliche Qual und nicht nur moralisch, sondern auch juristisch höchst verurteilenswert sind. Zu verlockend ist die Wirksamkeit von und damit auch die Gewinner-Erwartung durch Spams.
Und Gary Thuerk? Dem blieb wenig Ruhm von seiner unfreiwilligen Erfindung. Denn je nach Quelle existieren zur Anzahl der Empfänger seines Massenmails völlig unterschiedliche Angaben.











