In der neuen digitalen Welt klingt vieles schön. Das gilt auch für das Vibe Coding. Dieses Modell verspricht spielend einfaches Programmieren. Es macht die digitale Welt und das noch undurchschaubarere Universum der Künstlichen Intelligenz für jede und jeden zugänglich. Ganz ohne jegliche Hürden. Dank Vibe Coding lässt sich ein KI-Bot, eine App ganz einfach programmieren – ohne jegliche Programmierkenntnisse. Es braucht nur eines der großes KI-Sprachmodelle als Basis, dann öffnet Vide Coding auch den unbegabtesten Programmiererinnen und den ahnungslosesten Promptern die unendlichen Weiten der KI. Nicht einmal die Fähigkeit, Prompts sprachlich und schriftlich umsetzen zu können, braucht es. Mit Vide Coding lassen sich Befehle sogar verbal an die KI richten.
Vibe Coding ist eines jener fantastischen Theoriegebilde, die versprechen, in der digitalen Welt alle Schranken und Grenzen niederzureißen, sie für alle gleichermaßen und unter den gleichen Voraussetzungen zugänglich zu machen. Die völlige Digital- und KI-Demokratie. Ein Open-Source-Modell, wie es sie seit den Zeiten des Internets für Software gibt.
Doch kaum haben sich Modell und Begriff einigermaßen etabliert, werden immer häufiger Stimmen laut, die vor den Gefahren von Vibe Coding warnen. Da seien einmal die klassischen Risiken der Onlinewelt, die sich schon mit gesetzlichen Regularien – Stichwort DSGVO – nicht in den Griff kriegen lassen. Auch beim Vibe Coding würde diese „traditionellen“ Lücken und Probleme zum Thema Sicherheit der digitalen Informations- und Austauschgesellschaft bestehen. Zudem würden sich noch spezielle Gefahren gesellen, das Spektrum reicht von Schwachstellen in den KI-Modellen über die Möglichkeit von Eingriffen in den Quellcode bis hin zu Problemen bei den Schnittstellen. Der Rattenschwanz von Fachbegriffen und Abkürzungen, die erfahrene Programmierer und unbedarfte Bedenkenträger ins Spiel bringen, ist schier unendlich lang.
Jüngst wurde das Thema beispielsweise breiter diskutiert, als diverse Software-Profis in OpenClaw, dem von Österreichs neuem KI-Star Peter Steinberger entwickelten Agenten, mehrere Dutzend Schwachstellen entdeckt haben wollen. Diese sollen aber alle auch rasch ausgemerzt worden sein.
Es ist ein Art Naturgesetz, dass jede neue Technik, jede innovative Anwendung auch Schwächen und Schwachstellen aufweist. Eine ebensolch naturgesetzliche Mechanik scheint es aber auch zu sein, dass sogleich irgendwelche Experten versuchen, eine Innovation madig zu machen, sie auszuhebeln, vor ihrem vermeintlich enormen Sicherheitsrisiko zu warnen. Das war schon bei der Eisenbahn so.
Vibe Coding mag seine Schwächen haben, vielleicht sogar eine gewisse Gefahr darstellen. Doch die Erfahrung zeigt, ebenso rasch wie in der digitalen Welt von der Community Fehler aufgezeigt werden, ebenso rasch werden sie von anderen Mitgliedern dieser Community wieder behoben und meist sogar zusätzliche Sicherheitsfaktoren installiert.
Wenn das Vide Coding auch die KI-Programmierung für jede und jeden erlaubt, so zeigt die Erfahrung mit Software-Angeboten wie beispielsweise Java, dass sich nur ein begrenzter Kreis dafür interessiert und der Kreis der aktiven Anwender:innen noch enger gezogen werden kann. Bei vielen Laien klingt zudem eine anfängliche Faszination und Experimentierlust rasch wieder ab.
Trotzdem gilt es, gerade bei einem KI-Modell Fehler und Fehlentwicklungen kritisch im Auge zu behalten. Letztendlich ist aber auch jede Userin und jeder User selbst gefordert, technische Möglichkeiten nicht nur zu nutzen, sondern auch die eigenen ethisch moralischen Leitlinien möglichst hoch anzusetzen.
Vibe Coding mag Gefahrenpotenziale bergen. Die Community wird das – hoffentlich und wie in ähnlichen Fällen bisher auch – in einem Selbstregulierungsprozess weitgehend lösen. Irgendwann, sollten die Auswüchse zu extrem werden, werden dann auch die Rufe nach gesetzlichen Regeln lauter und politische Debatten folgen.
Wir alle kennen das mittlerweile in den unterschiedlichsten Facetten der digitalen Spielformen.












