Australiens Jugendliche unter 16 Jahren sind ab heute von Social Media ausgeschlossen. Per Gesetz. Zumindest weitgehend. Denn die gesetzliche Regelung in Australien erinnert ein bisschen an die Verhältnisse in Österreich: Es gilt nicht für alle Social Media-Plattformen, nicht für alle Dienste. Es gibt auch zahlreiche Ausnahmen.
Das Alterslimit trifft insgesamt zehn Plattformen: Facebook, Instagram, Reddit, Snapchat, Threads, TikTok, Twitch, YouTube und X sowie das in Australien besonders beliebte Kick. Hingegen gilt die Altersgrenze unter anderem nicht für WhatsApp und andere Messengerdienste sowie Spielplattformen wie Discord und Roblox. Das neue, seit 2024 vorbereitet Gesetz ist nicht nur deswegen umstritten und taugt bestenfalls bedingt als Vorbild für ähnliche Regelungen in Europa, konkret auch in Österreich.
Vor allem die SPÖ und Medienminister Andreas Babler thematisieren die sozialen Netzwerke und ein mögliches altersbezogenes Verbot hierzulande immer wieder. Wobei Babler das Limit zumindest seit dem Sommer nach Vorbild von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei 15 Jahren ansetzt. Jüngst waren die sozialen Plattformen auch in einer Veranstaltung des so titulierten „Forum Medienverantwortung“, das vom SP-Vizekanzler nach den Schuld-Morden in Graz eingerichtet wurde, auch wieder Thema.
Allerdings reiht sich in die österreichische Verbotsdebatte eine breite Phalanx verschiedenster Befürworterinnen und Befürworter ein, deren politisches Spektrum von links bis rechts reicht. „Bitte verbieten (für Jugendliche)“ formulierte beispielsweise vor wenigen Tagen die an das Red Bull-Mediahaus angedockte gesellschaftspolitische Plattform „Der Pragmaticus“. Basis für den „Pragmaticus“-Appell war eine im eigenen Auftrag von Unique Research bei rund 800 Menschen durchgeführte Umfrage zum Thema Social Media.
Die Debatte in Österreich wird – und nicht nur in unserem Land ist das so – beinahe ausschließlich von Erwachsenen geführt. Die betroffenen Jugendlichen, obwohl sie in Österreich mit 16 wählen und ein Auto fahren dürfen, bleiben von der Diskussion weitgehend ausgeschlossen. Den Erwachsenen fällt aber außer das Verbieten in der gesamten Auseinandersetzung wenig ein. Über entsprechende Schulungs- und Bildungsangebote wird nicht, zumindest kaum gesprochen. Die inhaltliche Debatte kommt viel zu kurz. Wenn doch das Vermitteln entsprechender (Medien-)kompetenzen thematisiert wird, fehlt es an entsprechenden Konsequenzen, den Taten, der Umsetzung. An tatsächlichen Angeboten, beispielsweise an einer Medien- und Medienkompetenz-Bildung an den Schulen.
Das Verbot sozialer Netzwerke bis zu einem bestimmten Alter mag ein Schritt zu einem wieder besseren und entspannteren Umgang – beides fraglich – miteinander sein. Doch das Thema stellt sich als vielschichtig dar. Was soll beispielsweise bei einer Social Media-Beschränkung mit den diversen Reality-TV-Formaten passieren, die sich weitgehend als Selbstdarstellungs- und Werbeplattform für Influencer:innen und sogenannte Social Media-Stars erweisen? Sie sind nicht nur im TV frei zugänglich, sondern über Streaming-Plattformen rund um die Uhr sowie ohne größere Zugangshürden abrufbar.
Das Gesetz in Australien bleibt umstritten. Im Rest der Welt wird es vielfach als Experiment gesehen. Abwarten ist angesagt. Als Vorbild für Austria taugt Australia nicht wirklich. Wenn, dann ist eine wirkliche, inhaltliche Auseinandersetzung mit der „Geißel der heutigen Gesellschaft“ – so bezeichnet Australiens Premier Anthony Albanese die sozialen Netzwerke – gefordert. Eine Medienbildung an den Schulen – und diese sollte sich nicht nur auf Digitalmedien beschränken – wäre ein erster Schritt dazu.











