Thorsten Behrens vom Österreichischen E‑Commerce-Gütezeichen thematisierte am ersten Tag des JETZT SUMMIT 2026 die wachsende Bedeutung von Internetbetrug im Umfeld digitaler Werbung. Im Zentrum stand die Erkenntnis, dass betrügerische Anzeigen längst kein Randphänomen mehr sind, sondern ein strukturelles Problem darstellen.
Eine Untersuchung von Watchlist Internet zeigte, dass allein zwischen Jänner und April 2025 rund 36.000 betrügerische Werbeanzeigen für sogenannte Ghost-Stores geschaltet wurden, die etwa 30 Millionen Mal in Österreich ausgespielt wurden. Auch große Plattformen waren betroffen, wobei Löschungen häufig nur nach Einzelmeldungen erfolgten.
Hohe Betroffenheit bei Nutzer:innen
Die präsentierten Daten verdeutlichten die breite Relevanz des Themas: Mehr als die Hälfte der Konsument:innen ist bereits mit betrügerischer Werbung in Kontakt gekommen, während rund ein Fünftel unsicher bleibt, ob ein Angebot seriös ist.
Behrens betonte, dass Internetbetrug unterschiedlichste Formen annimmt – von Fake-Shops über Abo-Fallen bis hin zu Phishing und Social Engineering. Zunehmend würden dabei auch Technologien wie künstliche Intelligenz eingesetzt, um Täuschungen glaubwürdiger zu gestalten.
Watchlist Internet als zentrale Präventionsplattform
Ein Schwerpunkt der Keynote lag auf der Rolle von Watchlist Internet als Informations- und Frühwarnsystem. Die Plattform sammelt Meldungen von Nutzer:innen und Partnerorganisationen, analysiert diese und veröffentlicht Warnhinweise.
Neben der Website kommen auch Newsletter, Social Media, eine Smartphone-App sowie technische Tools wie ein Fake-Shop-Detector zum Einsatz. Ziel ist es, Betrugsmuster sichtbar zu machen und präventiv aufzuklären.
Die hohe Nutzung der Angebote unterstreicht den Bedarf: 2025 verzeichnete die Plattform mehr als 5,6 Millionen Besuche und über 31 Millionen Seitenaufrufe.
Vertrauen als entscheidender Faktor im Online-Handel
Im zweiten Teil der Keynote wurde die Rolle von Vertrauen im E‑Commerce hervorgehoben. Zertifizierungen gelten als wichtiger Orientierungsfaktor für Konsument:innen. Rund 70 Prozent messen entsprechenden Gütesiegeln eine hohe Bedeutung bei, während 14 Prozent ausschließlich in zertifizierten Online-Shops einkaufen.
Das Österreichische E‑Commerce-Gütezeichen, gegründet im Jahr 2000, versteht sich in diesem Kontext als unabhängige Instanz zur Qualitätssicherung. Es bietet Unternehmen unter anderem rechtliche Unterstützung, laufende Prüfungen sowie Instrumente zur Stärkung der Kund:innenvertrauens.
Fazit: Prävention und Aufklärung gewinnen an Bedeutung
Die Keynote machte deutlich, dass betrügerische Online-Werbung ein wachsendes Risiko für Konsument:innen und Unternehmen darstellt. Gleichzeitig zeigte sie, dass Aufklärung, Transparenz und Zertifizierung zentrale Hebel sind, um Vertrauen im digitalen Handel zu sichern.
Mit Blick auf die zunehmende Professionalisierung der Betrugsmaschen wird Prävention zu einer Daueraufgabe für die gesamte Branche.












