Gastkommentar: Wie digitales Vertrauen entsteht – am Beispiel moderner Versicherungen

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Daniel Schwarz
Daniel Schwarz ist Online Marketing Manager bei Livv.at. Obwohl viele Menschen digitale Versicherungen grundsätzlich akzeptieren, scheitert der tatsächliche Abschluss oft am fehlenden Vertrauen. Im Gastkommentar schreibt er über dieses Paradox.

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Die Bereitschaft, Services digital zu nutzen, ist hoch. Abschlüsse, Verträge und sensible Entscheidungen finden längst online statt – vom Banking bis zum Ticketkauf. Gerade bei komplexen Produkten zeigt sich jedoch ein Spannungsfeld: Digitale Offenheit führt nicht automatisch zu Handlung. Eine aktuelle Erhebung zur österreichischen Versicherungslandschaft macht dieses Paradox sichtbar – und liefert wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Vertrauen im digitalen Raum tatsächlich entsteht.

Die Lücke zwischen Bereitschaft und Handlung 

Ein aktueller Versicherungsreport von Livv.at zeigt: Fast jede zweite Person in Österreich kann sich vorstellen, eine Versicherung online abzuschließen. Gleichzeitig hat bisher nur knapp ein Drittel diesen Schritt tatsächlich gesetzt. Diese Differenz zwischen digitaler Offenheit und realem Verhalten ist kein technisches Problem, sondern ein psychologisches. Sie zeigt, dass Vertrauen online nach anderen Regeln entsteht als im persönlichen Gespräch.

Digitale Prozesse senken zwar Hürden, ersetzen aber nicht automatisch das Sicherheitsgefühl, das bei weitreichenden Entscheidungen notwendig ist. Gerade bei Produkten, die langfristige Verpflichtungen oder finanzielle Verantwortung beinhalten, reicht ein funktionierender Abschlussprozess allein nicht aus.

Vertrauen beginnt mit Transparenz

Im digitalen Raum fehlt, was in klassischen Beratungssituationen selbstverständlich ist: direkte Rückfragen, nonverbale Signale und spontane Einordnung. Nutzer:innen müssen sich auf Informationen verlassen, die sie selbst interpretieren – und auf Systeme, deren Logik sie nicht sehen können. Digitale Anbieter, die Vertrauen aufbauen wollen, setzen deshalb auf Transparenz statt Überzeugung. Sie erklären nicht nur Produkte, sondern machen Prozesse nachvollziehbar – von der Angebotserstellung bis zum Umgang mit Daten. Klare Prozesse, verständliche Sprache und visuelle Orientierung ersetzen die persönliche Beratung zwar nicht, übernehmen aber eine vergleichbare Funktion: Sicherheit zu geben.

81 Prozent der Österreicher:innen vertrauen ihrer Versicherung im Umgang mit Daten (Quelle: livv.at)

Digitale Vorteile im Alltag

Digitale Versicherungen bieten dabei nicht nur neue Abschlusswege, sondern auch konkrete Erleichterungen im Alltag. Zu den zentralen Vorteilen gehören weniger Papierkram, klar strukturierte Prozesse und jederzeit verfügbarer Zugriff auf Vertragsunterlagen. Änderungen lassen sich online vornehmen, Dokumente bleiben dauerhaft abrufbar, und viele Abläufe funktionieren unabhängig von Öffnungszeiten oder Terminvereinbarungen.

Für viele Nutzer:innen bedeutet das vor allem eines: mehr Übersicht und weniger Druck. Entscheidungen müssen nicht unter Zeitdruck getroffen werden und digitale Angebote ermöglichen es, Informationen in Ruhe zu lesen, Schritte nachzuvollziehen und später weiterzumachen. Das gibt Sicherheit – besonders bei Themen, mit denen man sich nicht täglich beschäftigt.

Einfachheit schafft Sicherheit

Komplexität gilt im Finanzbereich oft als Zeichen von Seriosität. Für viele Nutzer:innen bewirkt sie jedoch das Gegenteil: Sie verunsichert. Digitale Angebote, die Inhalte klar strukturieren und auf das Wesentliche reduzieren, ohne sie zu vereinfachen, senken Hemmschwellen und schaffen Vertrauen.

Besonders sichtbar wird dieser Effekt bei Produkten, die mit langfristiger Verantwortung verbunden sind – etwa bei einer Ablebensversicherung. Dabei geht es um eine finanzielle Absicherung für Angehörige im Todesfall – Entscheidungen, die selten spontan getroffen werden und ein hohes Maß an Vertrauen erfordern.

Je komplexer und persönlicher ein Produkt ist, desto stärker wächst das Bedürfnis nach Orientierung. Erfolgreiche Anbieter reagieren darauf nicht mit mehr Informationen, sondern mit besserer Nutzerführung: klare Schritte, verständliche Zusammenfassungen und die Möglichkeit, Entscheidungen zu unterbrechen und später fortzusetzen. Vertrauen entsteht auch durch das Gefühl, jederzeit die Kontrolle zu behalten.

Datenschutz als Vertrauensanker

Kaum ein Thema beeinflusst digitale Entscheidungen so stark wie der Umgang mit persönlichen Daten. Gerade Versicherungen verarbeiten besonders sensible Informationen – entsprechend hoch ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Klarheit. Gleichzeitig zeigt sich, dass dieses Vertrauen grundsätzlich vorhanden ist: 81 Prozent der Österreicher:innen bringen digitalen und traditionellen Versicherungsanbietern im Umgang mit ihren Daten gleichermaßen Vertrauen entgegen. Rechtliche Standards wie die DSGVO schaffen dafür den Rahmen, ersetzen aber keine transparente Kommunikation. Vertrauen entsteht nicht durch maximale Datensammlung, sondern durch Klarheit:

  • Welche Daten sind für den Abschluss wirklich notwendig?
  • Welche Informationen sind optional und freiwillig?
  • Wer hat Zugriff auf diese Daten – und wie lange?

Anbieter, die diese Fragen offen beantworten und Wahlmöglichkeiten bieten, stärken das Sicherheitsgefühl ihrer Nutzer:innen nachhaltig. Interessant ist dabei, dass viele Menschen durchaus bereit wären, Daten gegen konkrete Vorteile einzutauschen. So wären laut Versicherungsstudie 54 Prozent der Österreicher:innen bereit, beim Datenschutz Kompromisse einzugehen, wenn dadurch günstigere Konditionen möglich werden.

Geschwindigkeit versus Gründlichkeit

Digitale Prozesse sind schnell – manchmal zu schnell. Ein Abschluss in wenigen Minuten mag effizient sein, kann aber auch Zweifel wecken: Wurde wirklich alles berücksichtigt? Gab es genug Raum für Abwägung? Erfolgreiche digitale Modelle balancieren dieses Spannungsfeld bewusst aus. Sie führen Nutzer:innen schrittweise durch Entscheidungen, bieten optionale Vertiefungen und ermöglichen Pausen ohne Druck. Geschwindigkeit wird dabei zum Angebot, nicht zur Erwartung.

Gerade jene Menschen, die bisher keine Versicherung vollständig online abgeschlossen haben, warten weniger auf neue Funktionen als auf das richtige Vertrauensgefühl. Dieses entsteht, wenn digitale Prozesse nicht nur reibungslos, sondern respektvoll gestaltet sind und Raum für Reflexion lassen.

Fazit: Vertrauen ist kein Feature

Die Lücke zwischen digitaler Bereitschaft und tatsächlichem Handeln ist weniger ein Technologieproblem als ein Vertrauensproblem. Versicherungen zeigen exemplarisch, was für viele digitale Geschäftsmodelle gilt: Nutzer:innen entscheiden nicht gegen Digitalisierung, sondern für Sicherheit.

Gerade bei sensiblen Vorsorgethemen wird deutlich, wie wichtig digitale Angebote sind, die nicht auf schnelle Abschlüsse, sondern auf fundierte Entscheidungen ausgerichtet sind. Die Lücke zwischen digitaler Offenheit und tatsächlichem Abschluss ist kein Defizit, sondern eine Chance, digitale Prozesse verständlich, transparent und menschlich zu gestalten.

Daniel Schwarz ist Online Marketing Manager bei Livv.at, der digitalen Versicherungsplattform der Lebensversicherung von 1871 a. G. München. Mit seiner fundierten Expertise im Onlinemarketing zählt er zu den ausgewiesenen Fachleuten seines Bereichs. Livv.at ermöglicht den vollständig digitalen Abschluss von Ablebens- bzw. Risikolebensversicherungen und schafft damit ein wichtiges finanzielles Sicherheitsnetz für Familien, Kinder und Partner.

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