Fröhliches Förderwesen und eine vergnügte Studien-Interpretation

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Albert Sachs
Die Rundfunk- und Telekom Regulierungs-Behörde hat die Wirksamkeit des Fonds zur Förderung der digitalen Transformation mit einer Studie dokumentieren lassen. Das wirft Fragen auf.

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„Bei allem positiven Feedback zum Erreichten, weist der Evaluierungsbericht aber auch darauf hin, dass die im Fokus der Transformation stehenden digitalen Geschäftsmodelle noch nicht die zentralen Ergebnisbeiträge liefern, die für eine langfristige Absicherung des Mediensystems in Österreich erforderlich wären“, zitierte RTR Medien-Geschäftsführer Wolfgang Struber eine im Auftrag der Medienbehörde erstellte Studie zur Wirksamkeit des „Fonds zur Förderung der digitalen Transformation” (Transformationsfonds).

Das ist ein Schlag in die Magengrube all jener, die dieses Fördermodell entwickelt haben. Das ist aber auch ein Tiefschlag für viele betroffene Medienmanagerinnen und ‑manager. 

Hinter dem Transformationsfonds steckt eine jener diversen Förderungen in Österreich, von denen unter anderem großen Publikums-Printmedien profitieren. Ist doch konkret eines von zwei Fördermodellen klar für „Medieninhabende von Tages- und Wochenzeitungen“ ausgeschrieben.

Angesiedelt ist und verwaltet wird der Transformationsfonds von der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-Behörde (RTR-Medien). Der für den Zeitraum 2022 bis 2027 aufgelegte Fonds ist mit 134 Millionen Euro dotiert. Die RTR war ursprünglich, wie ihr Name schon sagt, als Kontrollinstanz für den sich entwickelnden Privatradio- und ‑fernsehmarkt gegründet worden. Im Laufe der Zeit wurden zwar ihre Kompetenzen immer mehr erweitert, doch für Printmedien ist sie explizit nicht zuständig, allerdings für Förderungen und Medienhäuser.

Der Transformationsfonds habe „einen wichtigen Innovations- und Investitionsimpuls in Österreichs Medienhäusern ausgelöst“, heißt es in der vom Berliner Beratungsunternehmen Goldmedia erstellten Studie. Und weiter: „Viele Befragte geben an, dass die Förderung hilft, redaktionelle und technische Arbeitsplätze zu sichern oder neue Qualifikationen im Bereich des digitalen Journalismus aufzubauen, was weiterhin von großer Bedeutung sein wird.“ Das zu einem Markt, der in den vergangenen Jahren mehr als 1.000 redaktionell Arbeitsplätze für Journalistinnen und Journalisten verloren hat und in dem Hunderte Redakteurinnen und Redakteure beim AMS gemeldet sind. Einem Markt, aus dem unzählige Rechercheure und Schreiberinnen, Gestalter und Producerinnen usw. mangels adäquater Stellen durch einen Berufswechsel ausgestiegen sind. 

Der Transformationsfonds trage dazu bei, „die strukturellen und globalen Herausforderungen der Branche abzufedern“, schreiben die Studienautoren. Abzufedern, aber nicht zu bremsen. Auch wenn im Zeitraum 2022 bis 2025 von „131 Förderwerbenden 623 geförderte Projekte“ realisiert wurden und der Anteil der Förderungen an den Digitalisierungsmaßnahmen fast 50 Prozent betrug: 110 Millionen Euro an Fördergeld stehen 133 Millionen Euro an Eigenmitteln gegenüber.

Angesichts der Studienergebnisse und dieser Zahlen überrascht es schon, dass der Verlegerverband VÖZ rasch die Gunst der Stunde nutzt, um eine „deutliche Aufstockung der finanziellen Mittel, um heimische Titel- und Medienvielfalt zu bewahren“, zu fordern. VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger meint im selben Atemzug: „Es benötigt eine zügige Aufstockung der finanziellen Mittel und Notifizierung für den Zeitraum über 2027 hinaus, damit dieses wertvolle Instrument zur Absicherung des Medienpluralismus seine Ziele auch langfristig erreichen kann“. Derselbe VÖZ, dessen Mitglieder vielfach mit großer Verspätung oft wenig innovative Digital-Konzepte umgesetzt haben.

„Durch die finanziellen Mittel gelingt es vielen Medienhäusern verlegerischer Herkunft, digitale Reichweiten aufzubauen und ihre digitalen Aboangebote auszubauen“, heißt es in der VÖZ-Aussendung weiter. Ein Blick in die einschlägigen Marktanalysen wie ÖAK und ÖWA spiegelt das nur bedingt wider. Manche Medienhäuser haben zudem schlicht nur den Relaunch, maximal den Ausbau ihrer Homepage zur Förderung eingereicht.

Bleibt die Erkenntnis: Der Fonds zur digitalen Transformation dient weitgehend Medienhäusern, die sich um einst große Printmarken formieren. Das digitale Ökosystem Österreichs profitiert wenig davon.

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