Es ist nicht alles schlecht im digitalen Österreich

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Albert Sachs
Auch wenn in dem Anfang Dezember vorgestellten Reformpaket der Bundesregierung die großen Würfe fehlen, verspricht es aus Sicht der Digitalwirtschaft wichtige Impulse. Es ist nicht alles schlecht im digitalen Österreich. Vieles sogar gut.

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Nehmen wir einmal das ungeliebte Beispiel Steuern und Finanzamt. FinanzOnline gilt, unabhängig von der individuellen Befindlichkeit zum Thema Steuern, als ein gelungenes Beispiel für Digitalisierung in der Verwaltung, für das digitale Amt. Die Wurzeln dazu reichen, kaum zu glauben, mehr als 25 Jahre zurück. Seither hat sich FinanzOnline nicht nur zu einer höchst sinnstiftenden Einrichtung entwickelt, sondern auch zu einem der erfolgreichsten E‑Government-Portale der Republik. Ein Vorzeigeprojekt.

Mit dem Anfang Dezember vorgelegten Reformpaket will die Bundesregierung das E‑Government weiter forcieren, „durch den gezielten Einsatz moderner Technologien, insbesondere Künstlicher Intelligenz (KI), sowie Prozessoptimierung“ die Effizienz steigern. Die Verwaltung nicht nur leistungsfähiger, sondern auch bürgernäher machen. Dieses Bekenntnis zur Digitalisierung bietet auch zahlreiche Chancen für österreichische Unternehmen jeder Größenordnung.

Da sind zum einen die etablierten Technologie-Konzern und Software-Anbieter, die mit ihren Services die geplanten Digitalisierungsvorhaben vorantreiben können, zum anderen erschließen sich aber auch für junge Dienstleister und dynamische Start-ups neue Möglichkeiten. Österreich mag nicht zu den großen Ländern in der Digitalwirtschaft und auch nicht zu den begehrtesten Hotspots in diesem Segment zählen, aber immer wieder tauchten und tauchen schlanke und innovative Ideen-Schmieden auf, die neue und vor allem praktische Lösungen anbieten. Das Spektrum reicht von der Online-Terminvergabe über die digitale Signatur bzw. E‑Signing bis hin zum digitalen Notariat, von der Digitalisierung bestehender Archive und Akten über den digitalen Zwilling von kommunalen Einrichtungen und Anlagen bis hin zum Personalausweis zum Selbermachen oder die Vergabe von Förderungen durch eine KI.

Für viele Digital-Projekte gibt es erste Ideen oder bereits spezialisierte Anbieter. Ihnen muss aber auch die Chance eingeräumt werden, ihre Visionen einer digitalen Verwaltung Wirklichkeit werden zu lassen. Im Kampf gegen den Papierkrieg und die Tintenburgen bieten lokale Unternehmen, innovative Start-ups vielfach exzellente Lösungen. Sie müssen nicht nur gefördert, sondern tatsächlich mit Aufträgen ausgestattet werden. Denn Know-how und Expertise in der Digitalisierung, gerade auch in Nischen könnte sich zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil und Standort-Faktor entwickeln. Außerdem darf das Schlagwort von der digitalen Souveränität nicht bloß ein Lippenbekenntnis bleiben. Ohnedies drängen, dort wo sie ein größeres Betätigungsfeld wittern, schon die globalen Tech-Giganten in den Markt.

Bei der künftigen Digitalisierung der österreichischen Verwaltung ist nicht nur ein bisschen mehr FinanzOnline und weniger Kaufhaus Österreich gefordert, sondern auch besseres, flankierendes Marketing und zielgerichtete Kommunikation. Die Vorzüge dieser Digitalisierung müssen den Menschen besser verkauft, schmackhaft gemacht werden. Doch daran mangelte es in der Vergangenheit des Öfteren.

Und dann kommt ein – etwas abgewandelter – Branchenstehsatz zum Tragen: „Bad Advertising kills a good Product fast.“

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