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© iXimus/Pixabay

Zerreißprobe in den USA um TikTok: Verkauf oder Verbot?

Die Zukunft von TikTok in den Vereinigten Staaten hängt am seidenen Faden. Ein neues Gesetz, das einen Verkauf der populären Video-App erzwingen oder ihre Nutzung in den USA verbieten könnte, hat im Repräsentantenhaus eine entscheidende Abstimmung überstanden.

Inmitten wachsender Spannungen zwischen Washington und Peking nimmt die Debatte um die Zukunft von TikTok in den Vereinigten Staaten eine neue Wendung. Das US-Repräsentantenhaus hat mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz gebilligt, das den Druck auf ByteDance, den chinesischen Betreiber der beliebten Kurzvideo-App, erheblich erhöht. Mit einem beeindruckenden Abstimmungsergebnis von 352 zu 65 Stimmen für den Gesetzentwurf, der einen Verkauf von TikTok erzwingen oder ein Verbot der App in den USA nach sich ziehen könnte, hat das Gesetz eine entscheidende erste Hürde genommen.

Das Gesetz richtet sich explizit gegen die Eigentümerschaft von Social-Media-Plattformen durch chinesische Akteure und verlangt von ByteDance, das US-Geschäft von TikTok innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu veräußern. Andernfalls sieht sich die App mit dem Ausschluss aus amerikanischen App-Stores konfrontiert. Diese Maßnahme reflektiert eine parteiübergreifende Sichtweise ByteDances als verlängertem Arm der Kommunistischen Partei Chinas, der sich ihren Forderungen nicht entziehen kann.

ByteDance bleibt wehrhaft

ByteDance signalisiert Widerstand gegen das drohende Verbot, mit der Absicht, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor ein Verkauf von TikTok in Betracht gezogen wird. Dies spiegelt eine Strategie wider, die auf die Beibehaltung der Kontrolle über die Plattform abzielt, solange es möglich ist. Die Ankündigung von ByteDance, sich rechtlich zu wehren, deutet auf einen möglicherweise langwierigen Rechtsstreit hin, der die US-Gerichte über Jahre beschäftigen könnte, insbesondere aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Redefreiheit. Auch die Europäische Kommission wagte erst kürzlich einen Vorstoß und leitete ein Verfahren ein, das TikTok in Sachen Jugendschutz, Transparenz bei Werbung und schädlichen Inhalte genauer unter die Lupe nimmt.

Die Debatte um TikTok in den USA geht jedoch über die App selbst hinaus. Sie berührt grundlegende Fragen der nationalen Sicherheit, der Redefreiheit und der globalen wirtschaftlichen Ordnung. Chinas Außenministerium hat die USA beschuldigt, TikTok zu schikanieren und warnte, dass dieses Verhalten letztlich der internationalen Wirtschafts- und Handelsordnung schaden und den USA selbst Probleme bereiten könnte.

Parteiübergreifende Positionen zur Zukunft von TikTok

Die politische Debatte um TikTok in den Vereinigten Staaten zeigt eine seltene Dynamik, die das politische Spektrum von links nach rechts durchquert. Auf der einen Seite steht Präsident Joe Biden, der offen seine Unterstützung für das Gesetz zum Ausdruck bringt, das möglicherweise den Verkauf oder das Verbot von TikTok erzwingen könnte. Seine Haltung verdeutlicht die ernsten Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit, die die App in der politischen Führung der USA hervorruft. Auf der anderen Seite findet sich Donald Trump, Bidens Vorgänger im Amt, der überraschend gegen das Gesetz Position bezieht. Trump hebt hervor, dass TikTok als Gegengewicht zu etablierten sozialen Netzwerken wie Facebook fungiere, und zeichnet damit ein Bild von TikTok als einem notwendigen Element für den Wettbewerb im digitalen Raum. Das ist eine überraschende Kehrtwende und steht diametral zu seiner früheren Position, während Trumps Amtszeit gab es einen Trend hin zu einem Verbot von TikTok, eine Aktion, die letztendlich gerichtlich gestoppt wurde und versandete.

Trotz der Kritik an der Plattform hat sich Präsident Biden erst vor kurzem dazu entschlossen, auf TikTok aktiv zu werden – ein Schritt, der von ByteDance irrtümlich als Signal der Sicherheit interpretiert wurde. Diese Entwicklung illustriert die komplexe und oft widersprüchliche Natur der US-Politik im Umgang mit Social Media. Der Vorstoß in den sozialen Medien durch den amtierenden Präsidenten, kombiniert mit der politischen Debatte, zeigt die verzwickte Lage, in der sich sowohl Gesetzgeber als auch das Unternehmen befinden.

Während das Gesetz nun seine nächste große Prüfung im US-Senat erwartet, steht viel auf dem Spiel – nicht nur für TikTok und seine umfangreiche Nutzerbasis in den USA, sondern auch für die grundlegenden Prinzipien von Freiheit und Sicherheit. Die anhaltende Diskussion beleuchtet tiefergehende Fragen über den Umgang mit ausländischen Technologieunternehmen und deren Einfluss in den USA, und setzt damit einen Rahmen für eine Debatte, die weit über TikTok hinausreicht und das Herz der amerikanischen Werte und Sicherheitsbedenken berührt.

Picture of Gernot Kammerer

Gernot Kammerer

Chris Budgen

„Chatter” von Ethan Cross

Der renommierte Psychologe Ethan Kross verschränkt für sein international vielbeachtetes Buch seine eigenen bahnbrechenden Forschungsergebnisse aus Verhaltens- und Hirnforschung mit zahlreichen Fallstudien aus der Praxis.